Geesthacht

Wirbel um WoGee-Häuser: Geschäftsführer wehrt sich

Protest führt zu politischen Reaktionen – Hilfen für Mieter

Geesthacht.  Bewohner von Wohnungen der städtischen Tochter Wohnraumentwicklung Geesthacht GmbH (WoGee) rund um die Heidestraße kritisieren Mieterhöhungen und mangelnde Hilfen bei zwangsweisen Umzügen. Unsere Berichterstattung über die Kritik der Anwohner und der Grünen-Fraktion führte jetzt zu teils heftigen Reaktionen. So übten die Ratsfraktionen von Die Linke und Pro Geesthacht Kritik. Einen Tag nach dem Bericht in unserer Zeitung veröffentlichte die WoGee zudem eine Pressemitteilung zur fünfjährigen Geschichte der WoGee, mit der offenbar die Bedenken zerstreut werden sollten.

Hintergrund: 2013 übernahm die WoGee 180 städtische Wohnungen. Der damalige SPD-Landtagsabgeordnete und heutige Geesthachter Bürgermeister, Olaf Schulze, organisierte zur Vertragsunterzeichnung einen Pressetermin mit dem damaligen SPD-Wohnungsbauminister Schleswig-Holsteins, Andreas Breitner. Geschäftsführer der neuen Gesellschaft wurde Markus Prang, der bereits Geschäftsführer der Stadtwerke war, deren Aufsichtsratschef auch damals schon Olaf Schulze hieß.

Diesen Tag im August 2013 nahm jetzt SPD-Fraktionsvorsitzende Kathrin Wagner-Bockey nach eigenen Angaben zum Anlass, um die Pressemitteilung zu fünf Jahren WoGee verfassen zu lassen. Bei der Kritik der Grünen handele es sich um Wahlkampfgetöse, betonte Wagner-Bockey gegenüber unserer Zeitung. Die WoGee werde politisch instrumentalisiert, schreibt Markus Prang in der Pressemitteilung.

Mehrere Häuser werden abgerissen

Die Grünen hatten zum einen von der WoGee ein klares Bekenntnis gefordert, die vier Häuser Heidestraße 1 bis 4 zu erhalten, die typische Arbeiterhäuser für den Beginn des 20. Jahrhunderts in Geesthacht seien. Zum anderen fordern die Grünen Hilfen für die Bewohner. Diese könnten sich nicht aus eigener Kraft eine neue Wohnung suchen oder den dafür nötigen Umzug leisten. Die WoGee lässt mehrere Häuser rund um die Heidestraße abreißen. Ab 2019 sollen dort Neubauten mit Sozialwohnungen entstehen.

Bestandswohnungen haben keine Mietpreisbindung

WoGee-Chef Prang bekennt sich auf Nachfrage zur sozialen Verantwortung seines Unternehmens: „Wenn wir Mietpreise erhöhen, dann nicht über das Maß hinaus, was der Sozialhilfeträger zu zahlen bereit ist.“ An der Heidestraße liegen die Mieten mit den Erhöhungen teils bei über 6,80 Euro pro Quadratmeter, Neubauten der WoGee sollen zu einer maximalen Kaltmiete von 5,95 Euro vermietet werden. Landesweit liegt der Durchschnitt bei klassischen Sozialwohnungen nach dem 1. Förderweg bei 6,40 Euro netto Kaltmiete – ebenso in Hamburg. Eine Mietbindung wie beim 1. Förderweg habe es im Falle der vier Heidestraßen-Häuser aber nie gegeben, betont Prang. Die WoGee hat aktuell 200 Wohnungen, von denen sie 48 selbst gebaut hat. 33 dieser 48 Wohnungen sind Sozialwohnungen. Die 152 alten Bestandswohnungen haben keine Mietpreisbindung.

Stadt und WoGee weisen darauf hin, dass auch bei Kündigungen niemand auf der Straße schlafen müsse. Mieter könnten sich an die „Fachstelle für Wohnungshilfen“ wenden.