Geesthacht

Die Kunst des Auslassens

St. Salvatoris Achte Schau der Ausstellungsgemeinschaft

Geesthacht.  Die bildende Kunst pendelte immer wieder zwischen Extremen. Mal waren die Werke raumerfüllend wie Kasimir Malewitschs „Schwarzes Quadrat“ (1913), dessen Ölfarbe komplett die Leinwand bedeckt. Mal entstand die Kunst nur im Kopf des Betrachters – wie bei dem weißen Blatt Papier „1000 Hours of Staring (1992-1997)“. Der Amerikaner Tom Friedman hatte angeblich 1000 Stunden auf dieses Blatt gestarrt. Erst diese Information macht es zur Kunst.

Und genau mit solchen Auslassungen beschäftigt sich die Ausstellungsgemeinschaft Lauenburgischer Künstler bei ihrer achten Schau in der St.-Salvatoris-Kirche. Wenngleich auch nicht in dieser Absolutheit: Die Ausstellung steht unter dem Titel „Zwischenräume“.

„Der Zwischenraum ist das, was die Schwingung eines Werkes erst ausmacht“, sagt Franz Kraft. Er gehört zu den Mitgliedern des Künstlerhauses Bergedorf am Möörkenweg und stellt als Gast seine Skulpturen aus. Für den Bildhauer ist der Zwischenraum bedeutsam, denn erst indem er diesen aus dem Speckstein herausarbeitet, der später als Vorlage für einen Bronzeguss dient, entsteht das Kunstwerk. Der Raum um diese herum sei für ihre Wirkung zudem ebenso bedeutend wie die Skulptur selbst, so Kraft.

Die Künstler näherten sich von unterschiedlichen Seiten dem Thema. Hilke Enders malte das Thekla-Haus im Edmundsthal hinter einer Baumreihe, deren Stämme das Bild zerteilen. Gundel Wilhelm schuf eine Collage aus Tonscherben. Holm Lilie fertigte eine Bleiverglasung mit einem stilisierten Mond, der durch die Anziehungskraft im Zwischenraum unter sich einen Wellenberg anhebt. „Der Zwischenraum kann etwas sehr Wichtiges sein. So sagte ein Dirigent einmal über eine lange Pause im Konzert, das sei ein heiliger Moment gewesen. Das trifft es sehr gut“, so Lilie.

Mit der Ausstellung begeht die „ALK“ ihren 25. Jahrestag. Eröffnung am Kirchenstieg 1 ist am Sonntag, 23. September, um 15 Uhr mit einem Grußwort von Bürgermeister Olaf Schulze und einer Einführung von Pastorin Saskia Offermann. Anschließend ist die Kirche bis zum 3. Oktober täglich von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Die Gottesdienste finden in diesem Zeitraum in St. Petri statt.