Geesthacht.

Berufe zwischen Tradition und Wandel

Nachwuchswerbung Betriebe präsentieren sich beim Tag des Handwerks

Geesthacht.  So voll war es schon lange nicht mehr in der Fußgängerzone. Menschentrauben bildeten sich vor den weißen Zelten, die auf der Bergedorfer Straße standen. Geduldig erklärte beispielsweise Steinmetzmeister Moritz Helmert sein Handwerk, denn dem Handwerk fehlen Fachkräfte. Mit digitaler, moderner Technik wollen die Handwerker aus dem Lauenburgischen den Nachwuchs beim bundesweiten Tag des Handwerks begeistern.

„In den Betrieben fehlen einfach Fachkräfte. Deshalb wollen wir den Eltern, die hier mit ihren Kindern unterwegs sind, zeigen, wie modern das Handwerk heute aufgestellt ist, und dass nicht jedes Kind Abitur machen muss, um einen Weißer-Kragen-Beruf zu ergreifen“, sagt Marion Fuchs, die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft. Von Bauhandwerkern über die Kfz-Branche bis hin zu Ofenbauern und Steinmetzen zeigten die verschiedenen Innungen in der Geesthachter Einkaufsstraße, mit was sie heute zu tun haben. „Bei uns ist es mittlerweile ein Kombination aus moderner CNC-Frästechnik und dem traditionellen Handwerk“, berichtet Steinmetzmeister Moritz Helmert. Einige Meter weiter sägten und hämmerten Dennis Asmus und Johannes Kawen, Auszubildende zum Zimmerer im dritten Lehrjahr. „Der Beruf macht mega Spaß“, erklärt Kawen. Für ihn und seinen Kollegen steht fest: Das Handwerk bietet beste Zukunftschancen. Fuchs: „Diese jungen Leute, die mit Leidenschaft für ihr Handwerk brennen, die sind es, die unsere Zukunft ausmachen werden.“

Doch die Innungsmeister treiben auch Sorgen um. „Zimmerer ist ein durchaus attraktiver Beruf für junge Menschen, doch Fleischer möchte aktuell kaum jemand lernen“, berichtet Markus Räth, der Obermeister der Kreishandwerkerschaft. Dabei sei gerade das Fleischer-Handwerk wichtig. „Schließlich reden alle über Billigfleisch, da gilt es doch, das Handwerk zu bewahren, um auf Qualität setzen zu können“, argumentiert Räth. Das gelte auch für andere Bereiche, wie das Bauhandwerk. „Unsere Betriebe bieten gute Perspektiven“, ist Räth überzeugt.

Aktuell sind viele Auftragsbücher von Unternehmen voll, sodass Kunden lange auf Besuch von Handwerkern warten müssen. „Das ist für die Firmen natürlich eine gute Situation, früher wusste man oft manchmal über vier Wochen im Voraus nicht, was zu tun sein wird. Aber das Problem ist ja, dass die Firmen durchaus Mitarbeiter schicken würden, um die Aufträge zu erledigen, aber sie finden keine“, berichtet Marion Fuchs. Die hohe Nachfrage gerade im Bauhandwerk führt sie auf die schlechte Zinssituation zurück. „Man bekommt auf der Bank ja nichts für sein Erspartes, da investiert man halt in seine Immobilie, damit man es schön hat“, sagte sie.

„Es ist klasse, was hier los ist. Davon werden sicher einige junge Leute einmal bei uns im Handwerk ankommen“, zeigte sich Marion Fuchs zufrieden. Und auch die Besucher waren beeindruckt. „Es ist schön, dass sich das Handwerk hier so modern präsentiert“, lobte der Geesthachter Dieter Sacks nach seinem Rundgang.