Atommüll

Olaf Schulze: „Es darf in Krümmel kein Endlager geben“

2010 gibt Olaf Schulze als SPD-Landtagsabgeordneter ein Interview bei einer Demo am Kernkraftwerk Krümmel, heute erhebt er als Asketa-Vorstand die Stimme.

2010 gibt Olaf Schulze als SPD-Landtagsabgeordneter ein Interview bei einer Demo am Kernkraftwerk Krümmel, heute erhebt er als Asketa-Vorstand die Stimme.

Foto: Privat

Geesthacht. Früher demonstrierte er am Kernkraftwerk Krümmel, heute engagiert sich der Bürgermeister als Vorstand der Atom-Kommunen.

Geesthacht.  Einst war das Kernkraftwerk Krümmel (KKK) Geesthachts größter Steuerzahler, heute stellt es die Elbestadt vor eine der größten Herausforderungen der Zukunft: Denn der Antrag für den Rückbau des Kraftwerks läuft zwar. Zu Umgang und Verbleib des radioaktiven Mülls, der in und am Gebäude lagert, sind aber noch viele Fragen offen. Zumal klar ist: Selbst wenn der Bund sein Ziel erreicht und bis 2050 ein Endlager in Betrieb nimmt, was Experten für illusorisch halten, müssen in Krümmel vier Jahre überbrückt werden. Denn das dortige Zwischenlager ist nur bis 2046 genehmigt. „Es gibt darum für uns Geesthachter viele Gründe, in der Diskussion möglichst großen Einfluss zu nehmen. Für mich ist ganz klar: Es darf in Krümmel kein Endlager geben“, betont Bürgermeister Olaf Schulze (SPD), der seit seinem Amtsantritt 2016 die Rolle Geesthachts in einem in der Elbestadt fast vergessenen Forum wiederbelebt: Asketa.

Arbeitsgemeinschaft vertritt 25 Kommunen

Diese Abkürzung steht für „Arbeitsgemeinschaft der Standortgemeinden mit kerntechnischen Anlagen“ und damit derzeit in Deutschland für 25 Kommunen mit kerntechnischen Anlagen. „Ich finde es vernünftig, dass die Standortkommunen sich über die Probleme austauschen, die uns doch alle betreffen. Wir haben so einfach eine lautere Stimme“, sagt Schulze, der sich unter anderem als Einwohner Geesthachts und früherer Energiepolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktions seit Jahrzehnten mit der Kernenergie befasst.

In der Elbestadt habe man mit Kraftwerksbetreiber Vattenfall inzwischen eine gute Kommunikationsebene gefunden. Regelmäßig tauschen sich Vertreter des schwedischen Konzerns mit Verwaltung, Politik und Einwohnern beispielsweise über den Stand des Rückbauverfahrens der Anlage aus, die seit einem Trafobrand 2007 stillsteht. „Das ist nicht an allen Standorten so“, ordnet Schulze mit Hinweis auf Gespräche mit anderen Asketa-Mitgliedern ein – dennoch will Geesthachts Bürgermeister mehr erreichen.

Einheitliche Sicherheitsstandards als Ziel

So fordern die Vertreter der 1994 gegründeten Asketa beispielsweise eine Stimme im Begleitgremium zur Endlagersuche zu haben. Und sie wollen mitreden, wenn es um bundeseinheitliche Sicherheitsstandards für Zwischenlager geht. „Ja, wir haben als Stadt vom Kernkraftwerk profitiert. Aber wir haben auch die Risiken getragen. Und wer damals entschieden hat, dass Geesthacht Kernkraftwerkstandort wird, hat das mit dem Wissen entschieden, dass es ein anderes Endlager geben wird“, betont Schulze, der seit diesem Jahr im Vorstand von Asketa ist und so den Standpunkt der Standortkommunen vertritt.

Maximal 42 Castoren in Geesthacht

Das KKK ging 1983 ans Netz. Den Abbauantrag hat Vattenfall 2015 gestellt. Beim Rückbau, der laut Unternehmensschätzungen zehn bis 15 Jahre dauern wird, müssen etwa 540.000 Tonnen Material abgetragen werden – ein bis zwei Prozent davon laut Vattenfall hochradioaktive Stoffe fürs Endlager. „Die übrigen Stoffe können erwartungsgemäß so weit dekontaminiert werden, dass diese mit behördlicher Freigabe als nicht radioaktive Stoffe entsorgt oder rezykliert werden können“, informiert der Energiekonzern im Internet auf www.perspektive-kruemmel.de . Das 2006 in Betrieb genommene Zwischenlager am Standort soll maximal 42 Castoren Platz bieten. Heute lagern dort bereits 41 Castoren mit hochradioaktivem Atommüll. Zudem will der Energiekonzern ein weiteres Zwischenlager für radioaktiven Abfall auf dem Gelände in Krümmel bauen.