Geesthacht.

Geesthachts Nabu sucht diesen Käfer

Walker Besenhorster Sandberge sind einziger nachgewiesener Lebensraum des Insekts in Schleswig-Holstein

Geesthacht. Manch einer mag sie in den Besenhorster Sandbergen bereits erspäht und sich ein wenig gewundert haben. Denn Mitglieder der Geesthachter Ortsgruppe des Naturschutzbundes (Nabu) legen sich, während andere die lauen Sommerabende auf der Terrasse ausklingen lassen, in den Dünen auf die Lauer – sie hoffen auf eine Begegnung mit dem Walker, einem Käfer.

„Im Hochsommer, wenn es ganz heiß ist, kommt der Käfer aus seinem Sandversteck und fliegt los“, beschreibt Nabu-Ortsvereinsvorsitzender Wolfram Staudte ein Schauspiel, das nur an wenigen Orten und in einem kurzen Zeitfenster im Jahr zu beobachten ist. Der 3 bis 3,5 Zentimeter große Käfer hat sich den Binnendünenzug, der unter Naturschutz steht, als einziges Domizil in ganz Schleswig-Holstein auserkoren, weil dort eine für ihn überlebenswichtige Kombination entstanden ist: Kiefernnadeln, von denen er sich ernährt, der Sandboden, in dem der Käfer seine Larven vergräbt und ein durch das Elbtal bedingtes, wärmeres Klima.

Für Naturinteressierte ist er jedes Jahr nur wenige Wochen im Juli und August zu beobachten, wenn er sich als ausgewachsener Käfer an heißen Sommerabenden aus dem Sandboden herauswühlt, um sich zu paaren. Und genau diesen Moment möchte der Nabu abpassen. „Die Käfer machen ein lautes, brummendes Geräusch, so bemerkt man sie“, beschreibt Staudte die Laute, die das Insekt durch das Aneinanderreiben zweier Körperteile erzeugt und die an das „Walken“ in der Tuchherstellung erinnern – daher auch der Name. „Unser Beobachtungsdienst positioniert sich etwa eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang an der großen Düne, die inzwischen auch mit einem Hinweisschild versehen ist. Dort warten wir dann meist bis kurz vor 23 Uhr“, nennt Staudte das Vorgehen, das vergangenen Sommer zwei Mal, in diesem Jahr aber noch nicht zum Erfolg führte. „Ich glaube, das liegt an der Hitze. Wir haben einen derart heißen Sommer, dass die Käfer angesichts der Temperaturen vielleicht früher dran sind und schon im Juni gedacht haben, es ist Juli“, ordnet der Nabu-Vorsitzende ein. Denn der Walker, der auch „Türkischer Maikäfer“ genannt wird, verlässt den Sandboden, in dem er sich zuvor als Engerling drei bis vier Jahre von den Wurzeln der Gräser und Kiefern ernährt hat, im Hochsommer bei mindestens 28 Grad Tagestemperatur – meist Ende Juli. Über den August paart sich das Insekt mit dem charakteristischen Fleckenmuster. Danach legen die Weibchen nahe von Kiefern 20 bis 40 Eier mehrere Zentimeter tief in den Boden, bevor sie kurz darauf schließlich sterben.

Damit die Tiere, die empfindlich aufs Betreten der Düne reagieren, möglichst wenig gestört werden, weisen Info-Tafeln im 250 Hektar großen Flora- und Fauna-Habitates auf ihren Lebensraum hin. Staudte: „Der Bereich ist teilweise sogar abgesperrt, damit ihn Reiter nicht nutzen.“