Hilferuf

Zebrastreifen: Lebenshilfe sorgt sich um Mitarbeiter

Ärgern sich, dass der Zebrastreifen an der Spandauer Straße verschwindet: Annika Albers, Sabrina Neurath und Marco Kröbler vom Werkstattrat der Geesthachter Werkstätten mit Werkstattleiter Ludwig Beckmann (v.li.)

Ärgern sich, dass der Zebrastreifen an der Spandauer Straße verschwindet: Annika Albers, Sabrina Neurath und Marco Kröbler vom Werkstattrat der Geesthachter Werkstätten mit Werkstattleiter Ludwig Beckmann (v.li.)

Foto: Gerrit Pfennig / BGZ

Geesthacht. Der Ärger um den Überweg an der Spandauer Straße hält an. Lebenshilfe-Mitarbeiter richten Hilferuf an den Bürgermeister.

Geesthacht.  Jetzt geht alles ganz schnell: Auf der Spandauer Straße waren am Mittwoch Mitarbeiter der GTS Gehweg-Bau im Einsatz. Sie verbreiterten die Fahrbahn an der Ecke Tegeler Straße, indem sie eine Aufpflasterung abtrugen und den Bordstein versetzten. Das zurückbleibende Loch soll mit Asphalt verfüllt werden.

Fahrbahn muss für Laster verbreitert werden

Nötig wurden die Arbeiten durch den Plan der Stadtverwaltung, zwischen Heuweg und Tegeler Straße eine Sprunginsel auf die Fahrbahn montieren zu lassen, um einen sicheren Überweg zu gewährleisten. Für Lastwagen muss die Fahrbahn verbreitert werden, damit diese künftig um die Sprunginsel herumkommen. Nach einer Anfrage der CDU-Fraktion hatte die Stadtverwaltung festgestellt, dass der Zebrastreifen, der sich seit fast 30 Jahren an der Ecke Heuweg befindet, zu nah an der Einmündung in eine abknickende Vorfahrtsstraße liegt und damit verschwinden muss (wir berichteten).

Lebenshilfe: „Wir sorgen uns um unsere Mitarbeiter“

Bei der Lebenshilfe sorgt der Schritt für Ärger: „An dieser Sprunginsel hält doch kein Autofahrer. Wir sorgen uns um unsere Mitarbeiter, die mitunter nicht einschätzen können, ob ein Auto an der Sprunginsel halten wird“, kritisiert Ludwig Beckmann, Leiter der Geesthachter Werkstätten. Sie beschäftigen 180 Menschen mit Behinderungen. Dazu kommen 20 Menschen in Tagesförderstätten-Plätzen.

„Viele unserer Mitarbeiter sind auch an unserem zweiten Standort am Tempelhofer Weg im Einsatz. Sie müssen deshalb die Straße überqueren“, betont Beckmann. Er schätzt, dass allein morgens und abends jeweils mindestens 30 Mitarbeiter den Überweg nutzen. Dazu kämen diejenigen, die zwischendurch den Standort wechseln.

Fußgängerzahlen reichen nicht aus

Das Problem: Die Zahlen reichen laut den „Richtlinien für die Anlage und Ausstattung von Fußgängerüberwegen“ (R-FGÜ) nicht aus. Diese besagen, dass ein solcher Überweg erst ab 50 querenden Fußgängern und 300 passierenden Autos pro Stunde „möglich“ und erst ab ab 450 Autos „empfohlen“ sei. Nur „in begründeten Ausnahmefällen“ könne ein Zebrastreifen angeordnet werden, wenn die Zahlen unter diesen Werten bleiben – hier seien in der Regel aber „bauliche Querungshilfen“ ausreichend.

Werkstattrat richtet Hilferuf an Bürgermeister

Sabrina Neurath, Annika Albers und Marco Kröbler vom Werkstattrat der Lebenshilfe wandten sich hilfesuchend in einem Brief an Bürgermeister Olaf Schulze (SPD). Sie fordern, anstelle der Sprunginsel den Zebrastreifen zu verlegen. Bei einer Sprunginsel könnten die Behinderten nicht mehr ohne Assistenz die Straße queren: „Dieses würde den Zielen der UN-(Behindertenrechts)-Konvention ebenso wie dem Inklusionsgedanken vollkommen entgegenstehen.“

Bürgermeister Schulze betont, dass etwas anderes als die Verkehrsinsel rechtlich leider nicht möglich sei: „Normalerweise müsste ich den Zebrastreifen sofort entfernen lassen.“ Der Überweg soll jedoch für die Dauer der Arbeiten noch erhalten bleiben.