Geesthacht/Ratzeburg.

Vorbereitung für den ErnstfallSchweinepest – nicht nur ein Problem Osteuropas

Schweinepest Kreis startet Maßnahmen

Geesthacht/Ratzeburg. Mit einem ganzen Bündel an Maßnahmen will Schleswig-Holstein den Ausbruch und die Verbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) verhindern – und das wird bald auch für Spaziergänger in den Wäldern des Kreises Herzogtum Lauenburg sichtbar. Denn unter anderem sollen noch dieses Jahr Sammelstellen entstehen, an denen tote Tiere abgegeben und untersucht werden können. Als relativ sicherer Standort gilt das Forstgebäude in Farchau bei Ratzeburg. Die Revierförsterei Grünhof, die als Standort im Spiel war, entpuppte sich gestern als „wahrscheinlich nicht geeignet“, sagt Kreissprecher Tobias Frohnert auf Anfrage. Es werde ein Standort im Südkreis gesucht.

Vorsorge trifft der Kreis, abgesprochen mit Land, Kreisjägerschaft und Bauernverband, mehrgleisig: Die Jäger sollen mehr Schwarzwild schießen – auf die Gebühren, die für die vorgeschriebene Untersuchung des Wildschweinfleisches auf Trichinen anfallen (pro Tier 450 Euro), verzichtet der Kreis für zwei Jahre. „Auf der anderen Seite soll die Jägerschaft motiviert werden, Fallwild an Sammelstellen abzugeben, damit Monitoring, konzentrierte Überwachung und Entsorgung möglich sind und so mögliche Ausbreitungsherde vermieden beziehungsweise reduziert werden“, erklärt Landrat Dr. Christoph Mager (CDU) in der Vorlage für den zuständigen Ausschuss. Die Kosten für die dafür erforderlichen Sammelcontainer und die Abfuhr der Kadaver solle das Land tragen.

Doch auch für den Kreis macht sich die ASP noch vor deren Ausbruch finanziell bemerkbar: In Vorbereitung auf den Seuchenfall sollen mobile Kühlanhänger und Aufbruchcontainer zur Aufnahme von Fallwild aufgestellt werden. Denn im Kreis existiert keine Wildkammer, in der Schwarzwild dem Seuchenschutz entsprechend ausgenommen werden könnte. Mager: „Damit die Container angenommen werden, ist eine möglichst dezentrale Aufstellung im Kreisgebiet erforderlich.“ 200 000 Euro rechnet die Verwaltung für Pflasterung, Einzäunung, Wasser-, Abwasser- und Stromversorgung von drei Standorten, die die Möglichkeit zur Desinfektion bieten müssen. Weitere 50 000 Euro kalkuliert der Kreis für die Anschaffung der Container.

Nächste Woche ist eine Übung zum Verhalten im Ernstfall geplant: Unter anderem werden Bergung und Transport infizierter Kadaver geübt. „Wir finden die Maßnahmen, die der Kreis eingeleitet hat, sehr gut“, sagt Ute Olsson-Wollner von der Kreisjägerschaft. Sie betont, dass die Jäger helfen wollen, die gestiegene Wildschweinpopulation einzudämmen. Wichtig zu wissen sei: „Die Schweinepest verbreitet sich nicht in erster Linie über die Ansteckung der Tiere untereinander. Der Mensch sorgt dafür, dass sie sich verbreitet – auch über seine Schuhsohle, wenn er in ASP-Gebieten war.“

Die afrikanische Schweinepest, die in Osteuropa bereits ausgebrochen ist, ist für Menschen ungefährlich. Bei Haus- und Wildschweinen ist das Virus fast immer tödlich. Einen Impfstoff gibt es nicht. Bauern- und Jägerverband fordern seit Monaten, vor Wildtieren sichere Mülleimer auf Parkplätzen und an Raststätten aufzustellen. Zudem müssten Lebensmitteleinfuhren besser kontrolliert werden. Denn Schweinepesterreger könnten durch in Osteuropa gekaufte Wurstwaren eingeschleppt werden – etwa durch Wildschweine, die belastete Lebensmittelreste fressen. (dpa)