Zwischenlager

Bund übernimmt den Atommüll in Krümmel

Das Kernkraftwerk Krümmel (Archivbild).

Das Kernkraftwerk Krümmel (Archivbild).

Foto: Timo Jann

Geesthacht. Könnte ein Endlager erst nach 2080 die Arbeit aufnehmen? AKW-Rückbau in Krümmel soll von 2020 bis 2035 laufen.

Geesthacht.  Die vom Bund gegründete neue „Gesellschaft für Zwischenlagerung mbH“ (BGZ) übernimmt zum 1. Januar 2019 die Zuständigkeit für das Standortzwischenlager (SZL) am Kernkraftwerk Krümmel. Auch die geplante zusätzliche Atommülllagerstätte am Elbufer, das „Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle am Zwischenlager“ (LasmAaZ), wird unter die Zuständigkeit der BGZ fallen. Das berichtete Kraftwerksleiter Torsten Fricke bei der Dialogveranstaltung „Perspektive Krümmel“ zum Rückbau des ehemals leistungsstärksten Siedewasserreaktors der Welt.

BGZ übernimmt alle zwölf Zwischenlager

Nach der Neuordnung der Zuständigkeiten für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle hatte das Bundesumweltministerium auch den Betrieb von atomaren Zwischenlagern neu geordnet. Diese bisher von den Atomkonzernen wahrgenommene Aufgabe fällt jetzt in die Verantwortung des Bundes. Zum Geschäftsfeld der BGZ gehören bereits die zentralen Zwischenlager in Gorleben und Ahaus, ab 2019 auch die zwölf dezentralen Zwischenlager. Anfang 2020 wird sie zudem die Verantwortung für die zwölf geplanten LasmAaz übernehmen.

Das ist eine Folge des 2017 in Kraft getretenen Gesetzes zur Neuordnung der Verantwortung in der kerntechnischen Entsorgung. Darin wurde neu geregelt, wer für die Stilllegung und für den Rückbau der Atomkraftwerke sowie für die Entsorgung der radioaktiven Abfälle verantwortlich ist. Während die Kraftwerksbetreiber nach dem Gesetz für die Abwicklung und Finanzierung von Stilllegung und Rückbau sowie die fachgerechte Verpackung der radioaktiven Abfälle zuständig bleiben, liegen Betrieb und Finanzierung der Zwischen- und Endlagerung jetzt in der Verantwortung des Bundes. Gut 24 Milliarden Euro wurden von den Energiekonzernen dafür in einen Fonds eingezahlt.

Endlager erst im Jahr 2080?

Das Krümmeler SZL wird bereits baulich so hergerichtet, dass es künftig autark von den Sicherheitseinrichtungen des Kernkraftwerkes betrieben werden kann. Bis 2046 hat das Zwischenlager, in dem aktuell 41 Castorbehälter mit abgebrannten Brennelementen stehen, eine Betriebsgenehmigung. „Was über 2046 hinaus geht, wird der neue Eigentümer klären müssen“, so Fricke. Nach Einschätzung von Experten könnte ein Endlager für hochradioaktiven Atommüll erst 2080 seinen Betrieb aufnehmen. Der Bund geht von 2050 aus.

Fricke rechnet für 2020 mit der Genehmigung zum Rückbau des Reaktors, der dann frei von atomaren Brennstoffen sein soll. Die Atomaufsichtsbehörde arbeite „mit Hochdruck“ an der Genehmigung, so Fricke. Etwa 15 Jahre werde es dann dauern, das Kraftwerk zurückzubauen. Im SZL und im LasmAaZ sowie auf dem Gelände des Helmholtz-Zentrums bleibt der strahlende Müll noch auf Jahrzehnte in Geesthacht liegen.

48 Brennelemente werder abgefahren

60 fabrikneue Brennelemente und 154 sogenannte Sonderbrennstäbe (gebündelt ergeben Brennstäbe ein Brennelement) befinden sich noch im Kernkraftwerk Krümmel. Der Rest an Brennstoff wurde bereits ausgelagert. Das berichtete Kraftwerksleiter Fricke.

48 Brennelemente aus dem Trockenlager will Vattenfall im September per Lastwagen in eine Brennelementefabrik (Lingen) fahren. Dort sollen sie zerlegt werden, um das Uran wieder für neue Brennelemente nutzen zu können. Zwölf Brennelemente, die schon im Nasslager standen und äußerlich mit Kobalt 60 belastet sind, sollen abgespült und in einem speziellen Transportbehälter zur Verarbeitung in die USA verschifft werden (wir berichteten).

Große Zahl Sonderbrennstäbe sind defekt

Die Handhabung der 154 Sonderbrennstäbe gestaltet sich kompliziert, 68 davon sind defekt. Aktuell läuft das Genehmigungsverfahren für einen Spezialköcher, um sie zu verpacken. Der würde in einen Castorbehälter kommen und voraussichtlich Ende 2019 in das Standortzwischenlager (SZL) gebracht werden – dann wäre das eigentliche Atomkraftwerk brennstofffrei.

Um danach den Rückbau starten zu können, ist ein LasmAaZ (Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle am Zwischenlager) nötig. Geplant ist eine 56 Meter lange, 60 Meter breite und 23 Meter hohe Halle hinter dem Standortzwischenlager. Bereits jetzt laufen Arbeiten, den „Core-Schrott“ zu zerlegen, etwa Steuerstäbe. „Das können wir wegen starker Strahlung nur unter Wasser handhaben“, so Fricke, der die Zeit dafür auf zwei Jahre schätzt.

Unklar ist, wann das Schiedsgericht in Amerika, vor dem Vattenfall die Bundesregierung auf Schadenersatz verklagt hat, ein Urteil fällt – möglicherweise im Mai.