Geesthacht.

Eldorado für Vandalen und Brandstifter

Teppichfabrik Feuer zerstört ehemalige Villa – Ermittler gehen erneut von Fremdverschulden aus

Geesthacht.  Hat jetzt auch Geesthacht einen Feuerteufel? Zum zweiten Mal in nur 14 Stunden brannte es auf dem Gelände der ehemaligen Teppichfabrik an der Düneberger Straße. Diesmal ging eine historische Villa, die noch aus der Zeit der Düneberger Pulverfabrik stammt, in Flammen auf. Das etwa 15 mal 25 Meter große Gebäude wurde komplett zerstört. Zunächst hatte Mittwoch gegen 12.10 Uhr ein altes Büro der Weberei der Fabrik gebrannt (wir berichteten), davor gab es Feuer in den alten Werkshallen

Gegen 1.30 Uhr hat ein anonymer Anrufer der Polizei eine Rauchentwicklung auf dem 22 Hektar großen Grundstück gemeldet. Eine Streife fuhr los und schaute sich um. Zu sehen war aufgrund des heftigen Schneefalls nichts, allerdings lag Brandgeruch in der Luft. Zur Suche wurde um 1.51 Uhr die Feuerwehr mit dem Stichwort „unklare Rauchentwicklung“ alarmiert. „Unsere ersten Einsatzkräfte erkundeten die Lage, kontrollierten die Brandstelle von Mittwochnachmittag und entdeckten dann bei der weiteren Absuche im hinteren Teil des Grundstücks das in Vollbrand stehende Gebäude“, berichtete Heiko Brett. Der stellvertretende Wehrführer leitete den Einsatz, der durch die Drehleiter der Lauenburger Wehr unterstützt wurde. Geesthachts Drehleiter und das Tanklöschfahrzeug waren defekt außer Dienst.

Die Feuerwehrleute hatten beim Einsatz nicht nur mit dichtem Schneetreiben und einer über mehrere Hundert Meter aufzubauenden Wasserversorgung zu kämpfen. Auf der Anfahrt mussten am Heizwerk der Fabrik erst Trümmer beseitigt werden, weil kein Durchkommen war. Brett: „Als dann alles passte, hatten wir den Brand relativ schnell unter Kontrolle.“

Doch die Villa konnte nicht gerettet werden. Mit einem Bagger vom Technischen Hilfswerk (THW) aus Hamburg mussten Gebäudeteile eingerissen werden, um Brandnester ablöschen zu können. „Wir haben wegen der Einsturzgefahr niemanden zum Löschen ins Gebäude geschickt, das erfolgte alles aus sicherem Abstand“, so Brett.

Ermittler gehen von Brandstiftung aus

Der Einsatz zog sich bis 10 Uhr hin. Ordnungsamtsleiter Heiko Holler besorgte ein Frühstück für die vom Einsatz und Winterwetter erschöpften Retter. Die Ermittler gehen von Brandstiftung aus. Nachdem Altmetalldiebe über den Jahreswechsel 2016/2017 auf dem Areal zugeschlagen hatten, gibt es dort weder Strom, Gas noch Öl. In einer Produktionshalle hatte es bereits 2017 gebrannt, doch das Feuer war von selbst erloschen, die rußgeschwärzte Gebäudestruktur zeugt von dem Brand. Das 22 Hektar große Fläche, die der Insolvenzverwalter der Norddeutschen Teppichfabrik betreut, ist zwar eingezäunt, doch sie hat sich zum Eldorado für Vandalen entwickelt. Die Stadt denkt an eine Nutzung für Wohnen, Gewerbe, Kultur und Freizeit – doch es fehlt an einem Konzept dafür.

Video: goo.gl/eTrBxF