Escheburg.

Wolliger Nachwuchs einer bedrohten Rasse

Houth-Fuchsschafe Escheburgerin zieht Lämmer auf

Escheburg. Seit etwa drei Jahren hat Britt Oestmann-Schreiber neben ihrer 16-jährigen Tochter weitere Familienmitglieder – ihre Houth-Fuchsschafe. Und diese haben nun zum ersten Mal Nachwuchs bekommen: „Gleich sieben Lämmer. Zwei der drei Muttertiere hatten sogar Drillinge. Und das, obwohl sie nur zwei Zitzen haben. Das ist eigentlich eher selten“, sagt die Immobilien-Dienstleisterin, die sich mit der Anschaffung der Schafe einen Kindheitstraum erfüllt hat. „Wir haben immer in der Großstadt Hamburg gelebt. Eigene Tiere gab es da nicht. Aber ich war häufiger an der Nordsee. Auf dem Deich habe ich mich sofort in die Schafe verliebt und jede freie Minute bei ihnen verbracht.“

Über den Tierpark „Arche Warder“, der sich in der Nähe von Kiel um bedrohte Tierrassen kümmert, kam Oestmann-Schreiber an die seltene belgische Rasse: Drei Houtland-Fuchsschafe blöken seitdem jeden Winter durch den rückwärtigen Garten. „Ich habe auch eine kleine Fläche, wo die Tiere im Sommer leben“, sagt die 49-Jährige, die nun eigene größere Flächen sucht. Denn das bisherige Sommerquartier sei nur für drei Jahre gepachtet und inzwischen zu klein – erst recht mit dem ungeduldigen Nachwuchs: „Das ging so schnell. Am Sonntag kamen fünf Babys, zwei weitere genau zwei Tage später“, schildert Oestmann-Schreiber.

Nur ein Lamm überlebte nicht: Eine Drillingsmama hatte ihr erstes Lamm bereits geboren, zwei weitere hingen dann fest. Eines davon konnte mithilfe eines Tierarztes per Kaiserschnitt gerettet werden. „Alle drei Stunden bekommt eines der Drillinge nun die Flasche“, berichtet die Schafsbesitzerin von ihrem Sorgenkind, das bei der Geburt nur 2,5 Kilo wog. Zwischen 3,5 und 5,5 Kilogramm bringen die übrigen Lämmer auf die Waage.

„Eigentlich wollte ich nur die Mädchen behalten, da die Jungs doch sehr schnell mit dem Bockgehabe anfangen. Das kann, spätestens wenn sie ausgewachsen sind, sehr gefährlich werden. Doch nun bin ich unsicher“, sagt Oestmann-Schreiber und schaut verliebt zu einem der drei Böcke hinüber. Er ist komplett schwarz, nur an der Schwanzspitze und mitten im Gesicht ziert ihn ein weißer Fleck. Einen Namen hat er noch nicht. Anders als alle Muttertiere und die weiblichen Lämmer. „Erstaunlich ist, dass seine Mutter die rote Lulu hier ist – und der Vater ein weißer Merino-Bock“, sagt Oestmann-Schreiber.

Bevor sie sich auf ihr Abenteuer Schaf einließ, hatte sich Oestmann-Schreiber gut vorbereitet – unter anderem mit Seminaren bei der Landwirtschaftskammer in Lüneburg. Inzwischen verkauft sie auch Wolle und handversponnenes Strickgarn ihrer Schafe. „Aber viele wollen fertige Stücke haben – und nicht nur Wolle“, sagt die 49-Jährige. Vielleicht strickt sie darum bald Kleidung aus ihrer eigenen Wolle. Langweilig wird es also, auch wenn die Kleinen aus dem Gröbsten heraus sind, nicht – wie es in einer Familie so ist.