Missverständnis

Haferberg: Bäume fallen Kommunikations-Panne zum Opfer

22. Februar 2018: Arbeiter bei der Fäll-Aktion an der Straße Am Haferberg. Sieben Bäume waren laut B-Plan nicht dafür vorgesehen.

22. Februar 2018: Arbeiter bei der Fäll-Aktion an der Straße Am Haferberg. Sieben Bäume waren laut B-Plan nicht dafür vorgesehen.

Foto: privat / BGZ

Geesthacht. Anwohner reagierten Am Haferberg schockiert, als die Bäume fielen – einige offenbar wegen einer Kommunikationspanne.

Geesthacht.  Vor drei Wochen dröhnten in der Oberstadt die Kettensägen – so fielen an der Straße Am Spakenberg vier Linden, während an der benachbarten Straße Am Haferberg Vogelbeeren, Eichen und Kiefern gefällt wurden. Dabei hätte die Haferberg-Fällung in der Größenordnung nicht passieren dürfen, nachdem der Umweltausschuss lange hinsichtlich des Naturschutzes um Änderungen des Bebauungsplanes (B-Plan) an dieser Stelle gerungen hatte.

Sieben Bäume hätten geschützt werden sollen

Die Änderungen waren notwendig geworden, weil die Baugenossenschaft Neue Lübecker in den Häusern am Haferberg 19 und 21 die Zahl der Wohnungen von 121 auf 145 aufstocken will. Während für die Nummer 19 bereits eine Baugenehmigung erteilt ist, läuft laut Stadtverwaltung das Genehmigungsverfahren für die Nummer 21. Laut Baugenossenschaft ist diese nicht sanierungswürdig und wird aktuell abgerissen.

Der geänderte B-Plan sah den Schutz von rund 70 Bäumen vor und die Genehmigung, bis zu 45 Bäume für die Erweiterung zu fällen. Während laut Verwaltung vier der Bäume, die eigentlich hätten gefällt werden können, jetzt erhalten bleiben, sind sieben schutzwürdige Bäume zum Abholzen freigegeben worden. Ursache war offenbar eine fehlerhafte Abstimmung von Stadtplanung und Umweltamt sowie der Bauaufsicht.

Bürgermeister reagiert auf Panne

„Wir werden die Kommunikationswege im Haus verändern“, kündigte Bürgermeister Olaf Schulze (SPD) im Ausschuss für Planung und Umwelt an. Die städtischen Abteilungen hätten sich über den im Oktober beschlossenen Änderungsantrag nicht ausgetauscht. Dadurch sei es zu der Fällgenehmigung gekommen. Als Anwohner Politiker über die Fällaktion informierten, war es zu spät.

Andreas Pagel, Leiter der Bauaufsicht, nahm auf Anfrage von Dr. Friedhelm Ringe (Grüne) Stellung zum Verfahren. Zu den Hintergründen der Fällgenehmigung schreibt er: „Durch die geplanten Aufstockungen der bislang zweigeschossigen Gebäude auf vier Vollgeschosse werden erstmalig Feuerwehrzufahrten, insbesondere für die Feuerwehrdrehleiter, erforderlich. Im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens wurden diese, wie auch die zukünftige Anordnung der Kfz-Stellplätze [...] festgesetzt.“ Letztere bräuchten mehr Platz, weil sie auf 2,50 Meter Breite verbreitert werden sollen. Gleichzeitig werde die Neue Lübecker statt elf nun 13 Bäume pflanzen.

Politiker üben Kritik an Verwaltung

„In Zukunft bitte ich, auf solche Entscheidungen ein besonderes Augenmerk zu legen. Verluste an städtischem Grün können wir nicht so einfach ersetzen. Unsere Beschlüsse sollten auch umgesetzt werden“, sagte SPD-Fraktionschefin Kathrin Wagner-Bockey. „Wir werden hier vor vollendete Tatsachen gestellt“, ärgerte sich Rüdiger Tonn von der FDP. „Die Neue Lübecker hat bei mir damit richtig Punkte gemacht“, sagt Petra Burmeister (SPD) und meinte Minuspunkte. „Das mag rechtens sein, aber die Entscheidung ist nicht transparent“, kritisierte Gerhard Boll von den Grünen.