Geesthacht.

Retter häufig verspätet am EinsatzortRettung in Hilfsfrist

Hilfsfrist in 14 Prozent der Fälle verfehlt

Geesthacht.  Maximal zwölf Minuten von der Alarmierung bis zur Versorgung – diese Frist gilt für Rettungseinsätze. Denn nach diesem Zeitfenster kann die Überlebenschance für Schwerverletzte und akut Erkrankte rasant schwinden. Der Geesthachter Rettungsdienst hielt diese gesetzlich vorgeschriebene Hilfsfrist 2017 bei 2826 von insgesamt 3009 Einsätzen ein. Nur in 6,1 Prozent der Alarmierungen brauchten die Retter länger zum Einsatzort. Damit liegt die Elbestadt im Kreisvergleich im oberen Drittel – dennoch muss in einigen Bereichen nachgebessert werden.

Insgesamt wurden die Rettungskräfte des Herzogtums Lauenburg im vergangenen Jahr 15 945-mal alarmiert – bei 2236 Einsätzen (14 Prozent) brauchten sie länger als zwölf Minuten zum Patienten. Angestrebt werden vonseiten des Kreises 90 Prozent Einhaltung der Hilfsfrist. Im Südkreis wurde diese teils bei mehr als 20 Prozent der Einsätze 2017 nicht erreicht (Kasten). Auffällig: Trotz der recht guten Gesamtzahl gibt es auch in Geesthacht Nachbesserungsbedarf. 183-mal brauchten die Retter der Elbestadt mehr als 15 Minuten vom Notruf bis zum Einsatzort. 77-mal verpassten sie die Hilfsfrist um bis zu drei Minuten.

In Geesthacht ließe sich die Situation durch mehr Personal und Rettungswagen verbessern. Eine weitere Rettungswache – etwa in Kombination mit der diskutierten zweiten Feuerwache an der Mercator­straße – würde nach Aussagen von Rettungsassistenten die Situation verbessern.

Die Zahl der Einsätze steigt aufgrund des demografischen Wandels und der Aufgabe von Arztpraxen im ländlichen Bereich seit Jahren. Zudem steigt die Zahl der Menschen, die wegen Lappalien den Rettungsdienst rufen. Die Kassenärztliche Vereinigung hat darum einen eigenen Notdienst eingerichtet, der außerhalb der Öffnungszeiten von Arztpraxen medizinische Hilfe leistet, Rettungsdienst und Notaufnahmen entlasten soll.

Um eine bessere Quote bei der Hilfsfrist zu erreichen, haben sich Kreis und Krankenkassen längst auf ein neues Gutachten verständigt, das die nötigen Finanzmittel und geeignete Standorte aufzeigen soll. Es hapert aber an der Umsetzung. „Der Kreis Stormarn ist mit seiner Integrierten Regionalleitstelle weiterhin nicht in der Lage, die Einsatzdaten entsprechend der Anforderungen des Gutachters aus dem Einsatzleitrechner zu exportieren“, schreibt Kai Fabian Steffens von der Kreisverwaltung in seiner Vorlage für den Fachausschuss. Landrat Christoph Mager hatte den Kreis Stormarn, der der Dienstleister für das Herzogtum Lauenburg ist, bereits im April 2017 dazu aufgefordert.

Auf neue Informationen zum Sachstand können Politik und Einwohner des Kreises heute Abend hoffen. Ab 16 Uhr tagt der Haupt- und Innenausschuss (Kreishaus Ratzeburg, Barlachstraße 2) öffentlich zu dem Thema.

Im Südkreis hielten die Retter teils bei mehr als 20 Prozent der Einsätze die Hilfsfrist nicht ein:

Börnsen: 29,2 Prozent
(bei 319 Einsätzen)

Dassendorf: 20,7 Prozent (bei 232 Einsätzen)

Escheburg: 24,6 Prozent
(bei 138 Einsätzen)

Hamwarde: 8,8 Prozent
(bei 34 Einsätzen)

Lauenburg: 9,7 Prozent
(bei 1274 Einsätzen)

Schwarzenbek: 9,6 Prozent (bei 1376 Einsätzen)

Büchen: 10,6 Prozent
(bei 622 Einsätzen)