Geesthacht

Unternehmen startet nach Insolvenz voll durch

Riftec  Für fünf Millionen Euro entsteht an der Mercatorstraße eine neue Produktionsanlage

Geesthacht.  Nach vierzehn Jahren als Mieter im Geesthachter Innovations- und Technologiezentrums (GITZ) wird die Firma Riftec „erwachsen“: Für aktuelle Serienfertigungen benötigt das Unternehmen zusätzliche Kapazitäten und baut im Gewerbegebiet an der Mercatorstraße ein neues Produktionsgebäude.

Insgesamt fünf Millionen Euro investiert die Firma am neuen Standort: Das 12.000 Quadratmeter große Grundstück hat Riftec von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Herzogtum Lauenburg (WFL) gekauft. In der Summe enthalten sind auch die Kosten für das Gebäude und zusätzliche moderne Anlagentechnik fürs Schweißen sowie die vor- und nachgelagerte Bearbeitung. Damit kann das Unternehmen seinen Kunden zukünftig noch umfangreichere Lösungen „aus einer Hand“ anbieten.

Die Riftec GmbH blickt auf eine abwechslungsreiche Geschichte zurück: Bereits Ende der 90er-Jahre hatten sich die Firmengründer, Dr. Axel Meyer und Alexander von Strombeck, in einer Forschungsgruppe der damaligen GKSS kennengelernt. Dort hatten sie den ersten Kontakt zum Rührreibschweißen, einem Verfahren, das erst kurz zuvor in England entwickelt wurde und bis dahin allein in der Forschung im Einsatz war. 2003 gründet sich Riftec mit der Absicht, dieses Verfahren in die industrielle Anwendung zu überführen. Mit Erfolg: Die neue Technik für Leichtbaumaterialien schlug hohe Wellen in der Fachwelt – sie ermöglichte Schweißverbindungen ohne Zusatzstoffe und von hoher Qualität an Stellen, wo herkömmliches Schweißen kaum möglich war. So kam die Geesthachter Technik unter anderem beim Bau des Mercedes SL und des Audi R8 zum Einsatz.

Die beiden Geschäftsführer zählten zu Deutschlands besten Gründern: 2005 erhielten sie den Technologiepreis, 2008 waren sie „Gründerchampions“. Als sich jedoch im Jahr 2012 mehrere Serienaufträge, für die das Unternehmen weitere Investitionen getätigt hatte, nicht wie abgesprochen entwickelten, folgte die Insolvenz. Der guten Reputation des Unternehmens war es jedoch zu verdanken, dass sich schnell ein Investor fand: Seit Februar 2013 ist Riftec Teil der österreichische HAI-Gruppe (Hammerer Aluminium Industries).

Nach vier erfolgreichen Jahren ist die Mitarbeiterzahl deutlich gestiegen. Die Auftragslage ist so gut, dass inzwischen die Produktions- und Lagerflächen ebenso wie die Büroräume nicht mehr ausreichen. Eine erste Anfrage beim Vermieter nach passenden Erweiterungsflächen ergab, dass auch das GITZ aus allen Nähten platzt. Mit der WFL, Teilhaberin am Technologiezentrum, hat sich das Unternehmen auf die Suche begeben und ist an der Mercatorstraße fündig geworden.

Dort entstehen ab Herbst dieses Jahres nicht nur eine neue Produktionshalle, sondern auch neue Arbeitsplätze: Für den zusätzlichen Maschinenpark werden weitere Mitarbeiter aus der Metallbranche sowie Auszubildende gesucht. Vorkenntnisse im Rührreibschweißen sind laut Aussage der beiden Geschäftsführer nicht nötig: In internen Lehrgängen werden die neuen Mitarbeiter schnell mit dem Verfahren vertraut gemacht. Bereits im Frühsommer 2018 soll die Produktion am neuen Standort beginnen.