Geesthacht

Ohne ihre Flosse geht „Doriell“ nicht ins Wasser

Meerjungfrau lädt für Sonntag zum Probeschwimmen mit Monoflosse ein

Geesthacht. . Ohne ihre Flosse geht Franziska Ernst nicht ins Wasser. Die Hamburgerin lebt ihren ganz persönlichen Meerjungfrauentraum – und den können am Sonntag Kinder und mutige Erwachsene im Geesthachter Freibad mitträumen. Denn dann bittet die
45-Jährige zum Schnupperschwimmen im Nixendress. Redakteurin Wiebke Jürgensen sprach im Vorfeld des Events mit „Meermaid Doriell“, so nennt sich die Friseurin in ihrem Meerjungfrauenleben, über die Tücken der Flosse und ihre Liebe zur Unterwasserwelt.

„Doriell“, Sie sagen, Sie betreten kein Wasser mehr ohne ihre Monoflosse. Wie reagieren andere Schwimmer auf Sie?

Natürlich sorge ich für Aufsehen mit meinem Outfit. Viele finden es cool – aber auch echt durchgedreht. Ich lebe meinen Traum und bekomme darauf tolle Reaktionen. Ich war zum Beispiel gerade in Ägypten im Urlaub – natürlich mit Flosse. Es endete damit, dass ich
drei ägyptischen Männern Schwimmunterricht in der Monoflosse gab. In Schwimmbädern frage ich immer vorher an der Kasse, ob ich mit Flosse ins Becken kann. Wenn nicht, gehe ich wieder.

Wie wurden Sie zur Meerjungfrau in Teilzeit?

Ich wollte immer Meerjungfrau sein. Ich bin am Wasser aufgewachsen. Das Wasser gibt mir Sicherheit und ich wollte mich mit ihm verbinden. Als ich den Film „Splash – Eine Jungfrau am Haken“ gesehen habe, war das der endgültige Auslöser. Heute verbringe ich jede freie Minute mit meinem Meerjungfrauen-Ding, mache Teile meines Kostüms – zum Beispiel die Haarbänder und Seesterne – selber. Ein Tag in der Woche kommt so sicher zusammen.

In Ihr erstes Kostüm sind Sie aber erst 2013 geschlüpft. Was hat so lange gedauert?

Als ich klein war, gab es noch keine Kostüme für Meerjungfrauen und später waren sie sehr teuer. Also begeisterte ich mich für alles andere, was mit Wasser zu tun hat. Ich wurde Rettungsschwimmerin bei der DLRG, lernte das Surfen und Gerätetauchen. Mit mittlerweile 42 Jahren und Kleidergröße 46 verschwieg ich meiner Umwelt meinen Traum, eine Meerjungfrau zu sein. Dann hatte ich eines Tages eine andere Meerjungfrau in meinem Friseursalon und wir unterhielten uns. Meine erste Flosse bestellte ich im Internet – und probierte sie direkt in meinem Salon an. Es war perfekt.

Bei der Flosse blieb es nicht. Wie lange brauchen Sie für die Verwandlung von der
Friseurin Franziska zur Meerjungfrau „Doriell“?

Für Bikini, Flosse und Haarschmuck brauche ich zehn Minuten. Ein bisschen Unterwasser-Make-up ist in fünf Minuten aufgetragen. Eine Meerjungfrau braucht nicht viel Schminke, nur Liedstrich und Wimperntusche. Meerjungfrauen sind naturhübsch – das sage ich auch immer den Mädels, die zum Probeschwimmen kommen. Am liebsten sind mir diejenigen, die einfach im Badeanzug kommen. Es geht um eine Lebenseinstellung – nicht ums Schaulaufen.

Der von Ihnen gegründete Meerjungfrauentreff Nord stellt den Spaßfaktor in den Mittelpunkt. Anderen

Vereinen geht es um sportliche Erfolge – sie messen sich in Wettkämpfen. Treten Sie bei solchen auch an?

Von meinem Team machen einige bei Wettkämpfen mit. Aber ich möchte Spaß haben und den Kindern unbeschwerten Spaß geben. Um Leistung geht es bei mir nur im Job.

Dennoch funktioniert Ihr Wasserspaß nur mit körperlicher Anstrengung. Wie schwer ist so ein Kostüm und wer kann es nutzen?

Meine Flosse ist 60 mal 60 Zentimeter lang – zum Vergleich: Die Sportflosse der Profis hat 90 mal 90 Zentimeter. Die Flosse an sich ist aus normalem Badeanzugstoff und darum nicht schwer – meine hat 80 Gramm. Aber im Wasser bewegt man damit 22 Kilogramm. Das unterschätzen auch viele Erwachsene.

Die DLRG kritisiert, dass bei Meerjungfrauenschwimmwettkämpfen teils Teilnehmer ab Schwimmabzeichen Seepferdchen zugelassen werden. Wie stehen Sie dazu? Am Sonntag können Kinder mit Ihnen in Monoflosse schwimmen.

Grundsätzlich darf bei mir kein Kind allein ins Wasser. Und mit Seepferdchen nehme ich niemanden in die Monoflosse. Die Kinder müssen schwimmfähig sein – das sind sie ab Bronze. Sind die Kinder zudem zu klein, können die Gelenke unter dem Gewicht leiden. Darum sage ich: Ab Schuhgröße 34 dürfen sie ins Wasser, sonst drohen Überbeanspruchungen. Und ich passe immer auf, dass sie nicht zu aufgeregt sind. Wenn man im Wasser hyperventiliert, könnte der Auftauchreflex nicht mehr funktionieren – und das kann gefährlich werden.

Meerjungfrauenschwimmen ist ein Trend, der in den vergangenen Jahren aus den USA nach Europa und Deutschland geschwappt ist. Bisher gibt es nur wenige Vereine, die die Monoflosse für sich entdeckt haben. Grundsätzlich lassen sich die Fans der fabelhaften Meeresbewohner in zwei Gruppen unterteilen: Erstens die Nixen, bei denen wie bei „Doriell“ und dem Meerjungfrauentreff Nord (www.
meerjungfrauentreff-nord.de
)
der Spaß im Vordergrund steht, und zweitens die Leistungsschwimmer, die auch bei Meisterschaften antreten und sich messen. In Suhl (Thüringen) treten Kinder über die 50-Meter-Distanz, Erwachsene über 100 Meter an.