Forschungsreaktor

Kaum Interesse an Rückbau-Akten

Christina Bertram mit den Unterlagen zum Rückbauantrag des Forschungszentrums, die im Rathaus derzeit eingesehen werden können.

Christina Bertram mit den Unterlagen zum Rückbauantrag des Forschungszentrums, die im Rathaus derzeit eingesehen werden können.

Foto: Timo Jann

Geesthacht. Seit Anfang Dezember liegen umfangreiche Akten über den geplanten Rückbau des Forschungsreaktors im Geesthachter Rathaus öffentlich aus - doch nur drei Bürger nahmen in den letzten fünf Wochen Einsicht.

Geesthacht.  Seit 59 Jahren steht er von außen kaum einsehbar hinter hohen Zäunen und Mauern – der Forschungsreaktor FRG-1 des Helmholtz-Zentrums (HZG) an der Max-Planck-Straße. Jetzt soll der Reaktor verschwinden. Doch so, wie er jahrelang kaum in der Wahrnehmung der Geesthachter war, scheint den Menschen das Prozedere zum Rückbau eher egal zu sein. Denn außer einem ehemaligen Mitarbeiter, der SPD-Bundestagsabgeordneten Nina Scheer und einer Bürgerin hat in den vergangenen fünf Wochen niemand einen Blick in die umfangreichen Rückbauunterlagen geworfen, die öffentlich im Rathaus bereit stehen.

„Die Unterlagen liegen hier noch bis zum 6. Februar aus. Vielleicht kommt ja noch jemand“, sagt Christina Bertram. Die Vorzimmerdame des Bürgermeisters empfängt Interessierte in ihrem Büro im ersten Stockwerk des Rathauses. Zu den Unterlagen zählen neben der Umweltverträglichkeitsuntersuchung auch Sicherheitsberichte zum FRG-1 sowie zur geplanten Transportbereitstellungsanlage für anfallende Materialien. „Viele Informationen zu dem Thema gibt es ja auch im Internet, vielleicht haben da ja auch schon Bürger Einsicht genommen“, so Bertram.

Wie berichtet, hatte das HZG den zehn Megawatt starken Forschungsreaktor 2010 stillgelegt, 2012 wurden die letzten Brennelemente abtransportiert. Das für den FRG-1 beantragte Genehmigungsverfahren umfasst auch den Rückbau der „Heißen Zelle“, in der mit radioaktiven Materialien hantiert wurde, sowie die Zerlegung des eingelagerten Reaktordruckbehälters des Atomfrachters „Otto Hahn“. Für kommenden Montag lädt das HZG um 19 Uhr zu einer öffentlichen Diskussionsrunde zum Thema Rückbau ein. „Wir hoffen natürlich, dass dann das Interesse größer ist als an den ausgelegten Unterlagen“, so HZG-Sprecherin Heidrun Hillen. Das Forschungszentrum bietet um 18.30 Uhr sogar einen kostenlosen Busshuttle vom ZOB an.

Möglicherweise hat die breit angelegte Öffentlichkeitsbeteiligung des HZG mit einer Begleitgruppe dazu beigetragen, dass das Interesse an den Unterlagen so gering ist. „Da wurden ja ganz viele Dinge schon geklärt“, sagt Hillen. Einwendungen gegen den bis 2030 angesetzten Rückbau sollen ab 21. März im Sachsenwaldforum Reinbek mit Kritikern und Vertretern des HZG erörtert werden. Die Wahl auf den Saal in Reinbek fiel, weil es in Geesthacht keine ähnlich großen Räumlichkeiten gibt – wie es sich derzeit darstellt, hätte ein Konferenzraum im Rathaus ausgereicht.