Elbufer

Kinderstube für den Stör

Links neben der Fischtreppe soll am Stauwehr eine Aufzuchtstation für Störe entstehen.

Links neben der Fischtreppe soll am Stauwehr eine Aufzuchtstation für Störe entstehen.

Foto: Timo Jann

Geesthacht. Von Geesthacht aus soll der Stör wieder in der Elbe angesiedelt werden. Dazu soll kommendes Jahr eine Aufsuchtstation auf der Elbinsel entstehen.

Geesthacht.  Er kann bis zu 5,40 Meter lang und 850 Kilogramm schwer werden – der Europäische Stör, das letzte lebende Fossil. Schon vor 250 Millionen Jahren lebten Tiere der Art, die der Mensch im 20. Jahrhundert beinahe ausgerottet hätte. Doch mit großem Erfolg läuft aktuell ein Aufzuchtprogramm des Leibnitz-Instituts für Gewässerökologie (IGB, Berlin), um den Stör auch in der Elbe wieder anzusiedeln – Geesthacht soll dabei im Mittelpunkt stehen. Verläuft alles nach Plan, könnte schon im Sommer 2018 auf der Elbinsel eine Störaufzucht und Laichfischhaltung in Betrieb gehen.

Der Umweltausschuss hat sich dafür ausgesprochen, die Pläne zu unterstützen. „Das wäre ein Pfund mehr, mit dem Geesthacht wuchern könnte“, sagte der Ausschussvorsitzende Gerhard Boll (Grüne). An der Elbinsel gibt es bereits Europas größte Fischtreppe, die viele Gäste anlockt. Die Stadt würde das Areal kostengünstig verpachten.

„Wir sind bereits seit einiger Zeit mit dem IGB in Kontakt. Jetzt geht es darum, dass wir uns als Stadt positionieren“, sagte Umweltamtsleiter Peter Junge in dem Gremium. Um die Politiker zu überzeugen, lieferte Jörn Geßner vom IGB einen perfekten Vortrag ab. Mit vollem Einsatz – inklusive Krawatte und Ansteckpin mit Stör-Motiven – sprach er vom Ziel, den Stör wieder heimisch zu machen. 20 000 Jungtiere wurden bereits in der Elbe ausgesetzt. Die Nordsee ist dann zunächst ihr Lebensraum. Im Alter von etwa 20 Jahren werden sie ihrer Nase folgen und dorthin zurückkehren, wo sie aufgewachsen sind. Deshalb, so Geßner, sei es wichtig, dicht an der Elbe eine Aufzuchtstation mit Elbwasser etablieren zu können.

„Der Standort auf der Elbinsel ist nahezu perfekt. In unserer Matrix, in der wir verschiedene Standorte bewertet haben, ist er ganz oben gelandet“, so Geßner. Wachsen die Störe mit dem Geesthachter Elbwasser auf, werden sie aus der Nordsee immer wieder in die Region zurückkehren und später selbst hier laichen. Geßner: „Der Stör als großer Wanderfisch schafft auch Wege für andere Arten.“ Dank der Fischtreppe am Geesthachter Stauwehr können 500 Kilometer Elbe und Nebengewässer, die als mögliches Laichgebiet dienen, erschlossen werden.

Aktuell hält das IGB in Berlin 700 Elterntiere. Deren Nachwuchs wird regelmäßig in die Natur entlassen. Langfristig soll der Bestand auf 1400 Tiere gesteigert werden. Daher, so Geßner, ergebe sich ein Flächenbedarf von etwa 3000 Quadratmetern für die geplante Aufzuchtstation, die aus einem Gebäude mit mehreren, zehn Meter großen Wasserbecken, Büroräumen und Infozentrum bestehen soll. Auf der Elbinsel wäre ein Bereich östlich des Parkplatzes an der Fischtreppe geeignet.

Geßner hofft, nach dem positiven Votum im Sommer die Geldgeber zusammenbringen und im Herbst mit der Planung beginnen zu können.