Fischzucht

Aufzuchtstation: Stör soll bei uns wieder groß werden

Junge Störe von etwa 10 Zentimetern Länge schwimmen in einem Behälter. Bald sollen sie das auch in der Elbe tun.

Junge Störe von etwa 10 Zentimetern Länge schwimmen in einem Behälter. Bald sollen sie das auch in der Elbe tun.

Foto: Patrick Pleul / dpa

Geesthacht. Er ist seit Jahrzehnten in Deutschland ausgestorben. Jetzt soll der Stör bei uns wieder heimisch werden.

Geesthacht.  Um die Wiederansiedlung zu unterstützen, soll in Geesthacht nach Standorten für eine Stör-Anzuchtstation gesucht werden.

Einen entsprechenden Antrag der FDP im Kreistag haben alle Politiker unterstützt. „Geesthacht wäre mit seiner Fischtreppe dafür perfekt“, sagt FDP-Fraktionschef Thomas Kuehn. Zwar wurden seit 2008 einige Störe in der Elbe ausgewildert, doch es fehlt eine Anzuchtstation. Das soll sich jetzt ändern.

Das Berliner Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) des Leibnitz-Instituts sucht schon längere Zeit nach einem geeigneten Standort. Vor eineinhalb Jahren gab es Gespräche mit den örtlichen Stadtwerken, ob sich das Wasserwerk an der Elbuferstraße nutzen ließe. Doch das war nicht möglich. Kuehn: „Störe laichen an den Oberläufen der Flüsse, schwimmen ins Meer und kehren zum Laichen dorthin zurück, wo sie aus dem Ei geschlüpft sind.“ Es sei daher optimal, so Kuehn, die Anzuchtstation in der Nähe des Gewässers anzusiedeln, in das sie eingesetzt werden sollen. „Es ist wichtig, die Tiere möglichst früh mit dem richtigen Wasser zu prägen“, sagt Dr. Jörn Gessner vom IGB.

Schlüsselposition durch die Fischtreppe

Die Spuren des Störs reichen zurück bis ins Zeitalter der Dinosaurier. „Geesthacht hat heute mit der Fischtreppe für Wanderfische eine Schlüsselposition an der Elbe“, so Gessner.

Zuletzt waren Ende April 250 gerade einmal 25 Zentimeter lange junge europäische Störe (Acipensar sturio) in der Elbe vor Geesthacht ausgesetzt worden. „Innerhalb von nur 30 Jahren von 1885 bis 1915 hat der Mensch es fertiggebracht, durch Flussverbauungen, industrielle Verschmutzung und exzessive Fischerei den Stör in der Elbe nahezu auszulöschen“, hatte Umweltminister Robert Habeck (Grüne) während der Aktion gesagt. Die ausgesetzten jungen Fische stammten aus einer französischen Nachzucht und wurden einige Monate vom Leibniz-Institut aufgezogen. Gessner: „Besser wäre es, wir könnten das direkt an der Elbe machen, deshalb freuen wir uns sehr, dass der Kreistag unser Anliegen einstimmig unterstützt, damit wir die Elterntierhaltung und die Anzucht sichern können.“

Bis 1920 Laichgebiet

Ziel ist es, wieder freilebende Bestände in den Flüssen zu etablieren. Die Fischer und Angler aus der Region helfen dem IGB bei einem umfassenden Monitoring, indem sie bereits ausgesetzte Störe melden und wieder ins Wasser setzen. Der Stör kann bis zu 100 Jahre alt werden und ein Gewicht von bis zu 300 Kilo erreichen. Dank der vom Energiekonzern Vattenfall am Stauwehr errichteten 20 Millionen Euro teuren Fischaufstiegsanlage können die Störe von der Nordsee elbaufwärts in ihre künftigen Laichgewässer ziehen.

Die Elbe war bis in die 1920er-Jahre ein Laichgebiet für den Stör, dann setzten Überfischung und Wasserverschmutzung den Tieren zu. Heute stimmt die Wasserqualität zwar wieder, doch es ist schwierig, den Stör aus Frankreich wieder an der Elbe anzusiedeln. Die vom Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei geplante Zuchtanlage soll pro Jahr 100 000 Jungtiere für die Aussiedlung hervorbringen.