Kurzfilm

Wenn das Wohnzimmer zum Drehort wird

Foto: Christoph Brix

Geesthacht. Mit seinem Kurzfilm „Sachlich“ reist der Geesthachter Filmemacher Stephan Piko im Oktober nach Dublin. Dort präsentiert er sein Beziehungsdrama beim „Dublin International Short Film and Music Festival“. Der Streifen entstand im heimischen Wohnzimmer.

Beziehungsdramen leben eigentlich von den Emotionen – die Wut des Betrogenen, die Verzweiflung der verlassenen Ehefrau oder dem angestauten Frust des vernachlässigten Partners. „Doch was passiert eigentlich, wenn einer völlig emotionslos reagiert?“ Um diese Frage kreist der Film „Sachlich“ von Stephan Piko, der im Oktober beim „Dublin International Short Film and Music Festival 2013“ gezeigt wird.

Die Handlung ist schnell erzählt: Ein junger Mann kommt nach einem harten Arbeitstag nach Hause, seine Frau gesteht ihm einen Seitensprung mit seinem besten Freund. Seine Reaktion: kalt, distanziert, manipulativ. Das Ende: Es gab keinen Seitensprung, allerdings auch keine einzige emotionale Entgleisung des vermeintlich Betrogenen, was dann zum endgültigen Beziehungsende führt.

Aggression und Manipulation

„Man kann meinen Film unterschiedlich interpretieren“, sagt der gebürtige Hamburger und Wahl-Geesthachter Piko. Ob man sein Werk als Wechselspiel von Aggression und Manipulation im Verhältnis Mann und Frau sieht oder als Symbol für die streitenden Teile der Psyche in jedem Menschen, müsse der Zuschauer selbst entscheiden.

„Es ist ganz schön schwer, seine Rolle zu entwickeln, wenn dein Partner so distanziert bleibt“, erinnert sich Wiba Stein (27). Die Absolventin der Schauspielschule Hamburg und professionelle Schauspielerin spielt in „Sachlich“ die weibliche Hauptrolle und ist mit Piko, dem Produzenten, Cutter und Drehbuchschreiber in Personalunion, seit drei Jahren befreundet. Ihr männlicher Gegenpart wird gespielt von Michael Druschka. Der 28 Jahre alte Chemiestudent ist kein ausgebildeter Darsteller, sondern verfügt lediglich „über etwas Erfahrung im Schultheater“. Druschka: „Als das Drehbuch-Skript fertig war, hat mich Stephan einfach über Facebook angetickert.“

Hobby wird zur Berufung

Auch Produzent Stephan Piko verfügt über keine professionelle Ausbildung in der Filmbranche. In seinem Alltag wartet der 27-Jährige als Fachkraft Rauchmelder in privaten Haushalten. Die Filmerei ist sein Hobby. Mehr noch - eine Berufung, für die Piko nicht nur seinen Feierabend und die Wochenenden opfert, sondern auch sein Wohnzimmer zu Probebühne, Schnittraum und Drehort umfunktioniert.

Die Leidenschaft für das Medium Film entdeckte Piko schon während seiner Schulzeit beim Laientheater. Nach dem Abitur experimentierte er mit Musikvideos und kurzen Stummfilmen.

Filmprojekt mit Förderung

Bei „Sachlich“ ging der Filmemacher neue Wege: Erstmals gibt es Dialoge, auf optische Verfremdungen wurde verzichtet. Und auch der Finanzplan wurde neu aufgestellt. Zwar zahlt Piko immer noch einen Großteil der Produktionskosten aus eigener Tasche, aber ein Anteil wurde bei diesem Projekt auch über private Förderer, sogenanntes Crowdfunding, abdeckt. Auf der Internetplattform Startnext können Künstler ihre geplanten Projekte vorstellen und um Geldgeber werben. Piko hatte Erfolg: „Wir hatten 300 Euro angesetzt und am Ende haben uns 18 Personen unterstützt und 460 Euro gestiftet.“ Piko selber hat nach eigenen Angaben deutlich mehr als 2000 Euro zusätzlich investiert.

Wer „Sachlich“ sehen möchte und es am 15. Oktober nicht nach Dublin schafft, kann sich das 15-minütige Beziehungsdrama auch im Internet auf Pikos Youtube-Channel anschauen.