Technologie

Vorzeigeunternehmen meldet Insolvenz an

Foto: GKSS

Geesthacht. 2008 waren sie noch Gründerchampion, jetzt ist die RifTec GmbH von Axel Meyer und Alexander von Strombeck insolvent. Die Wirtschaftskrise und hohe Investitionen haben die Firma lahmgelegt.

Eigentlich sind Axel Meyer und Alexander von Strombeck Geesthachter Vorzeigeunternehmer. 2005 haben sie den Technologiepreis gewonnen, 2008 waren sie Gründerchampion, doch jetzt sind sie pleite. Die RifTec GmbH an der Max-Planck-Straße musste Insolvenzantrag stellen. Zum vorläufigen Insolenzverwalter wurde der Hamburger Rechtsanwalt Jens-Sören Schröder bestellt, der in Geesthacht bereits mehrere Insolvenzverfahren betreut hat. Betroffen sind 25 Mitarbeiter, die für namhafte Kunden wie Audi, BMW und Siemens gearbeitet haben.

Die 2003 aus einem Forschungsprojekt des damaligen GKSS-Forschungszentrums gegründete Gesellschaft hatte sich auf ein modernes und für Leichtbaumaterialien mögliches Schweißverfahren spezialisiert: die bei der GKSS entwickelte Reibrührtechnik, ergänzt durch das Punktreibschweißen. Eine Technik, die hohe Wellen in der Fachwelt schlug – sie ermöglichte Schweißverbindungen ohne Zusatzstoffe und von hoher Qualität an Stellen, wo herkömmliches Schweißen kaum möglich war. So kam die Geesthachter Technik unter anderem beim Bau des Mercedes SL und des Audi R8 zum Einsatz. Die beiden Geschäftsführer wurden schließlich zu Deutschlands besten Gründern gewählt.

Doch die Wirtschaftskrise und eigene hohe Investitionen hatten zuletzt zu einem nicht mehr lösbaren Liquiditätsproblem geführt. Am Ende ist die Firma jedoch nicht. Der Insolvenzantrag wird jetzt von Meyer und von Strombeck als Chance gesehen. Vorerst sind die Gehälter der Beschäftigten drei Monate lang durch die Agentur für Arbeit über das Insolvenzgeld gesichert. Danach, so die Erwartung, wird der Betrieb weiterlaufen. „Ich bin sehr guter Dinge, dass wir im Januar den Einstieg eines großen ausländischen Investors bei RifTec vermelden können“, sagt Schröder. Nach Informationen unserer Zeitung handelt es sich bei dem Investor um einen österreichischen Aluminiumhersteller, der vom Know-how der Geesthachter profitieren würde. Schröder: „RifTec ist gut geführt, hatte aber mit Absatzproblemen zu kämpfen, weil die Abnahmemenge deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben war.“ Der Insolvenzverwalter geht davon aus, dass das Unternehmen nach einer Umstrukturierung und Personalanpassungen gut in die Zukunft weitergeführt werden und auch wieder wachsen kann.

„Nach einem massiven Umsatzeinbruch mussten wir den Mitarbeiterstamm zu Recht schrumpfen, denn irgendwann geht einem sonst ja die Luft aus“, sagt Alexander von Strombeck. Er ist von der Technik überzeugt und setzt auf den Einstieg des Investors. RifTec war 2003 die bisher letzte Ausgründung aus einem GKSS-Projekt. Seitdem hat das Forschungszentrum keine neuen Unternehmen mehr hervorgebracht, die sich mit ihrer in Geesthacht entwickelten Technologie auf den Markt gewagt haben. Dabei ist das Geesthachter Innovations- und Technologiezentrum (GITZ) eigentlich genau für diese Ausgründungen vorgesehen. „Für mich ist es Neuland, im GITZ eine Insolvenz zu begleiten. Aber ich bin zuversichtlich, dass es bei RifTec ab Januar wieder bergauf geht“, sagt GITZ-Geschäftsführer Rainer Döhl-Oelze. „Es war bemerkenswert, zu erleben, wie dramatisch sich die Geschäftssituation verändern kann, wenn die Kunden sich nicht an Absprachen halten. Im Frühjahr gab es noch große Pläne“, sagt Döhl-Oelze.