Kneipe

Aus für die "Hafenschänke": Abschied mit Freibier

Foto: Timo Jann

Geesthacht. Bier, Korn und Brause bis die Fässer und Flaschen leer waren: Das Aus der "Hafenschänke" ist jetzt besiegelt.

Am Sonntag hatte Wirtin Walburga Cox-Budig ihre Stammkunden eingeladen, um noch einmal gemeinsam ein Gläschen zu trinken. Nach 22 Jahren schließt sie ihre Kneipe am Hafenrand für immer. „Die massive Pachterhöhung der Stadt war für mich einfach nicht zu realisieren“, sagt die 65-Jährige, die sehr gern noch etwas weitergemacht hätte. Doch sie sollte künftig das Fünffache ihrer bisherigen Pacht an die Stadt zahlen. Und weil die gemütliche Kneipe nicht immer so voll war wie zum Abschied, war diese Pachterhöhung nicht zu stemmen.

Mit dem Rückzug von Walburga Cox-Budig geht eine Ära zu Ende. 1990 hatte sie gemeinsam mit ihrem Mann die „Hafenschänke“ erst zu dem gemacht, was sie die letzten Jahre war – einem Treffpunkt für ein vielschichtiges Publikum. Was künftig in dem alten Haus am Hafen passiert, ist unklar. „Wir werden die Immobilie zur Pacht als Kneipe Mitte Januar neu ausschreiben“, kündigt Torben Heuer, der Sprecher der Stadtverwaltung, an. Ob sich noch ein Interessent findet, der tatsächlich wieder eine Kneipe einrichtet, dürfte fraglich sein. Walburga Cox-Budig hat angekündigt, das Gebäude ohne Inventar besenrein zu hinterlassen.

„Das, was die Stadt hier plattmacht, nimmt uns die Identität. Das ist ein Beleg dafür, wie praxisfremd in der Verwaltung gearbeitet wird“, ärgert sich Hafenschänke-Stammgast Volker Ommer über die 500-prozentige Pachterhöhung. „Es war immer schön hier, und man hat oft nette Menschen getroffen, die bei einem Feierabendbier auch einfach nur von der Arbeit abschalten wollten. So ein Angebot gibt es in Geesthacht künftig nicht mehr. Das ist für mich eine eindeutige Inkompetenz der Stadt gegenüber der Bedürfnisse der Bürger“, findet Volker Ommer.

Auch Tanja Neumann tut das Kneipen-Aus weh. Sie ist die Tochter der Wirtin, und ihr ist die „Hafenschänke“ in den vergangenen Jahren ans Herz gewachsen. „Als wir vor 22 Jahren hier angekommen sind, mochte ich das hier alles gar nicht. Aber wir haben es so schön hergerichtet, dass es mein Zuhause geworden ist. Und nun ist das alles vorbei“, sagt sie traurig. Am letzten Tag packte sie zum Abschied noch einmal mit an.

„Uns Stammgästen geht mit der ‚Hafenschänke’ vieles verloren. Unser Sparclub Klabautermann ist Geschichte, unser Frauenknobelabend ebenso“, erklärt auch Veronika Tobias, die immer wieder gern in die „Hafenschänke“ kam. „Ich finde es unmöglich, dass die Stadt die Pacht so massiv erhöht“, sagt sie.

Im Rathaus verweist man darauf, dass es sich nicht um große Summen handeln würde, außerdem die Wohnung der Wirtin inklusive sei, und die Erhöhung gestaffelt über mehrere Jahre erfolgen sollte – doch es bleibt dabei: für die „Hafenschänke“ sind die neuen Forderungen nicht zu erfüllen. Damit verliert Geesthacht eine bei den Menschen beliebte Kultkneipe.