Steuerkarte

Der dritte Versuch: Abschied von der Pappe

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Kiel/Geesthacht. Die alte Lohnsteuerkarte hat ausgedient. Im dritten Anlauf soll jetzt die elektronische Lohnsteuerkarte das Steuerwesen erleichtern. Schneller und vor allem unbürokratischer soll das Verfahren sein. Doch müssen Freibeträge im Vorfeld eingetragen werden, denn alte Angaben werden nicht übernommen.

Die Pappkarte hat ausgedient – und zwar endgültig. Im nunmehr dritten Versuch soll die elektronische Lohnsteuerkarte zum Jahreswechsel die Papierform ablösen. Für Arbeitnehmer und Firmen wird der Steueralltag durch das im Behördendeutsch sperrig „Elektronische LohnSteuerAbzugsMerkmale“ (Elstam) genannte Verfahren ein Stückweit unbürokratischer. So muss ein Angestellter seiner Personalabteilung nur noch seine Steuer-Identnummer und das Geburtsdatum mitteilen – relevante Änderungen erfährt der Betrieb automatisch. Allerdings: Wer nicht bis Ende 2012 bestimmte Freibeträge neu eintragen lässt, erhält ab Januar weniger netto – denn die bisherigen Eintragungen werden nicht übernommen.

„Zu Beginn des neuen Verfahrens sollten alle Arbeitnehmer ihre persönlichen Lohnsteuerabzugsmerkmale für 2013 genau prüfen“, rät Sebastian Schaffer, Sprecher des Kieler Finanzministeriums. „So stellen Sie sicher, dass der Lohnsteuerabzug zutreffend vorgenommen wird.“

Beispielsweise werden bei der Umstellung abzugsfähige Werbungskosten nicht automatisch übernommen – beispielsweise Auslagen für die Fahrten zur Arbeitsstelle von Berufspendlern oder Ausbildungskosten von erwachsenen Kindern. Sie müssen neu beantragt werden. Ausnahme: Pauschalbeträge für Menschen mit Behinderung und Hinterbliebene, die bereits über das Jahr 2012 hinaus gewährt wurden, werden ohne neuen Antrag berücksichtigt.

Ansprechpartner für neue Eintragungen ist künftig nicht mehr das Einwohnermeldeamt – sondern das zuständige Finanzamt. Die Anträge können ab sofort gestellt werden – aufgrund der erhöhten Nachfrage rät das Finanzministerium allerdings, dies schriftlich zu erledigen. Die Formulare können im Internet unter www.formulare-bfinv.de heruntergeladen werden. Hier findet man zwei verschiedene Formulare: Eines für einen erstmaligen Antrag auf Freibeträge, und eines für Wiederholungstäter, die bereits im Vorjahr einen Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung gestellt haben und nun einen gleich hohen oder geringeren Freibetrag beantragen wollen – die Freibeträge müssen jährlich neu beantragt werden.

Verzichtet man auf einen Antrag, ist die zu viel gezahlte Lohnsteuer allerdings nicht verloren. Mit der Steuererklärung werden die Werbungskosten wieder berücksichtigt. Allerdings gewährt man dem Finanzamt ein zinsloses Darlehen, bis die Rückzahlung auf dem Konto ist.

Wer Einträge seiner Lohnsteuerkarte ändern lassen will, muss künftig nach Ratzeburg fahren: Mit Einführung der elektronischen Steuerkarte, die nach zwei verschobenen Starts nun zum Jahreswechsel kommt, haben die Bürgerbüros in den Rathäusern endgültig nichts mehr mit der Steuerkarte zu tun. „In Sachen Lohnsteuerkartenänderung sind die Gemeinden als Ansprechpartner für den Bürger schon seit 1. Januar 2011 raus“, sagt Heiko Holler, Leiter des Fachdienstes öffentliche Sicherheit – und verweist für Steuerklassenwechsel an die Finanzverwaltung.

Das Rathaus ist nur noch indirekt zuständig: Bei Heirat, Geburt eines Kindes oder dem Kirchenaustritt melden die Behörden die Änderungen automatisch ans Finanzamt weiter, der Steuerpflichtige muss sich um nichts kümmern. Gespeichert werden auf der neuen Elstam ansonsten die Steuerklasse, Religionszugehörigkeit, Kinderzahl, der Familienstand sowie Lohnsteuer-Freibeträge. Ob die Daten alle korrekt sind, kann ab sofort jeder im Internet unter www.elsteronline.de/eportal überprüfen.