Kindertagesstätten

Kreis ändert das Finanzierungskonzept

Foto: Monika Retzlaff / Retzlaff

Geesthacht. Der Kreis Herzogtum Lauenburg hat das Finanzierungssystem für die Kindertagesstätten umgestellt. Dies schlägt sich für Geesthacht mit Mindereinnahmen in sechsstelliger Höhe nieder. Nun denkt man über die Erhöhung der Eltern-Beteiligung nach.

In Geesthacht gibt es zehn Kindertagesstätten. Das Betreuungsangebot wird am Spakenberg und am Neuen Krug just ausgebaut. Unablässig für den Bedarf der Eltern – ziemlich teuer für die Stadt. Schon jetzt bezuschusst Geesthacht die Betriebskosten der Kitas mit etwa zwei Millionen Euro. Doch schon im Jahr 2013, spätestens aber 2014 wird dieser Betrag voraussichtlich nicht mehr ausreichen.

Denn der Kreis Herzogtum Lauenburg hat das Finanzierungssystem für die Kindertagesstätten umgestellt. Konsequenz: Ein sechsstelliges Minus in der Stadtkasse. „Ich schätze, dass wir künftig 150.000 bis 200.000 Euro weniger Förderung vom Kreis bekommen werden“, prophezeite Christoph Wieck, Fachdienstleiter Soziales, nachdem Stefanie Krüger-Johns vom Fachdienst Kinderbetreuung im Kreis Herzogtum Lauenburg das neue Finanzierungskonzept vorgestellt hatte.

„Wir müssen den Blick darauf richten, was eine Kita leistet und nicht mehr nur auf die Personalkosten gucken“, sagte Krüger-Johns. „Wir müssen weg von dem Gedanken, eine Kita sei nur gut, wenn sie viel Personal beschäftigt.“

Entsprechend basiert die Förderung des Kreises ab Januar nicht mehr auf den Personalstunden, sondern auf einem Leistungspunktesystem. Zur Berechnung werden Angebote mit unterschiedlichen Faktoren gewichtet. Grundlage ist der Regelplatz für Kinder von drei bis sechs Jahren. Er hat den Faktor 1. Ein Krippenplatz hingegen hat den höheren Faktor 2,58. Aufgeführt sind auch Integrationsgruppen (1,3), Waldgruppen (1,5) und so weiter. Das zusammen ergibt die Gesamtleistungspunktzahl für eine Einrichtung. Sie wird mit dem Wert eines Leistungspunktes in Euro multipliziert. Dieser ergibt sich aus den im Kreis zur Verfügung gestellten Mitteln – bisher etwa 4,25 Millionen Euro – , dividiert durch die Summe der Leistungspunkte aller Kitas im Kreis.

In der Praxis sind mit diesem Modell vor allem jene Kitas benachteiligt, die viele Erzieherstunden vorhalten – wie etwa die Kita Regenbogen am Neuen Krug. „Nach bisherigen Schätzungen bekommt diese Einrichtung künftig nur noch etwa 330.000 Euro Förderung, statt bisher 410.000 Euro“ Zwar wird das Defizit in einer Übergangszeit vom Kreis noch zu 50 Prozent abgefedert. „Aber die Mittel werden noch weiter sinken“, ist sich Wieck sicher. „Denn schließlich müssen sie auf immer mehr Betreuungsplätze verteilt werden.“

Inge Born-Nauß (FDP) zeigte sich entsetzt von diesen Zahlen: „Ich halte das für ein unnötiges Experiment mit unseren Kitas. Wie passt dieses Modell dazu, dass wir Kinder und Jugendliche Fördern wollen. Das ist eine Gängelung des Kreises, runtergebrochen auf die Kommune.“ Bürgermeister Volker Manow fragte mehrfach nach, was die Stadt tun könne, um die Förderung zu bekommen wie bisher. Doch dieser Punkt blieb offen, soll in Einzelgesprächen mit Stefanie Krüger-Johns geklärt werden. Diese ließ allerdings durchblicken, dass die Stadt auch über die Erhöhung der Gebühren für Eltern nachdenken müsse und darüber, Personalstunden zu reduzieren. „Es ist gewollt, dass sich die Einrichtungen mit ihrem Angebot auseinandersetzten.“ Volker Manow zweifelte genau wie die Gleichstellungsbeauftragte Jutta Scharnberg-Sarbach an der Verteilungsgerechtigkeit des Systems. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass auch ein kleiner Kindergarten auf dem Land mit einem Defizit von 25 Prozent rechnen muss“, sagte der Bürgermeister.

In Schwarzenbek mit fünf Kitas wartet Büroleiter Björn Warmer auf „belastbare Zahlen“. Die sollen im April 2013 vorliegen. Bislang gibt es Schätzungen, nach denen die Belastungen für die Stadt wohl nicht steigen werden. Allerdings wird es Unterschiede in der Förderung der einzelnen Kitas geben.