Klärwerk

Müssen die Becken überdacht werden?

Foto: Timo Jann / Jann

Geesthacht. Anwohner am Heuweg beklagen sich über massive Geruchsbelästigung durch das nahe Klärwerk und fordern die Überdachung der Becken. Brisant: Durch die Beschwerden kam heraus, dass eine vorgeschriebene Immissionsprüfung fehlt.

Rita Franke hat die Nase voll – und das wörtlich. Wenn sie bei Westwind in ihren Garten am Heuweg tritt, weht ihr mitunter der Gestank von Dung und Fäkalien um die Nase. „Gerade im Sommer ist es schlimm. An Grillen ist bei diesen üblen Gerüchen gar nicht zu denken“, sagt die Heilpraktikerin. Die Ursache für den Gestank hat sie einige Hundert Meter entfernt, westlich der B?404 ausgemacht – dort befindet sich die Geesthachter Kläranlage. Rita Franke fordert jetzt Nachbesserungen an den Becken. Sollte sie Recht bekommen, könnte das mehrere Hunderttausend Euro kosten.

Dass am Heuweg ab und an schon einmal dicke Luft herrschen kann, war Rita Franke bekannt, als sie vor zwölf Jahren in das Einzelhaus am Heuweg zog. Doch vor etwa zwei Jahren häuften sich die Ausdünstungen – und wurden unerträglich. „Immer bei Südwest-Wind stinkt es“, sagt Franke. Sie beschwerte sich bei der Stadt. Doch nichts passierte. „Man sagte mir, dass ich die einzige wäre, die sich beschwert. Doch das stimmt nicht“, so Rita Franke. „Meine Nachbarn leiden ebenfalls unter dem Gestank.“ Auch der FDP-Ratsherr Rüdiger Tonn stellte mehrere Anfragen in den Fachausschüssen. „Verbessert hat sich aber nichts.“

Rita Franke führte schließlich Geruchsprotokolle – und konnte allein für September belegen, dass es 28 Prozent der Stunden stank. Der zulässige Grenzwert liegt bei zehn Prozent. Mit diesen Zahlen hat sie sich an das zuständige Landesamt für Umwelt und ländliche Räume gewandt. „Dort sagte man eine Prüfung zu. Vor allem war man aber überrascht, da für das Klärwerk offenbar keine immissionsschutzrechtliche Prüfung vorliegt. Die ist eigentlich Pflicht“, sagt Franke. Vor diesem Hintergrund fordert die Anwohnerin jetzt Taten – beispielsweise eine Überdachung der Klärbecken. Kostenpunkt: rund 300.000 Euro.

Beim Betreiber sieht man das Problem dagegen als Einzelfall. „In den vergangenen Jahren erreichten die Kläranlage ein bis zwei Nachfragen pro Jahr bezüglich störender Gerüche, die sich meist auf kurzfristige Arbeitsgänge wie Laden des Klärschlamms beziehen ließen“, sagt Jens-Peter Schulz, technischer Leiter beim Geesthachter Abwasserbetrieb. Eine gesundheitliche Gefahr schloss er aus. Wie oft und wie heftig seine Anlage stinkt, kann aber auch Schulz nicht sagen. Darüber gebe es keine Daten. Allerdings bestätigte Schulz, dass seit September Untersuchungen des Landesamtes für Umwelt und ländliche Räume bezüglich einer Geruchsbelästigung laufen. „Sollte das Landesamt ein entsprechendes Vorgehen anregen, wird der Abwasserbetrieb ein Geruchsgutachten in Auftrag geben“, so Schneider. Und das könnte teure Folgen haben: „Sollte tatsächlich eine Überschreitung der zulässigen Geruchsemissionen bestätigt werden, wären weitere Maßnahmen zu ergreifen. Diese sind jedoch mit erheblichen Investitionskosten verbunden, welche vom Abwassergebührenzahler zu tragen wären“, so der Leiter. Aus diesem Grund setzt er auf eine fundierte Untersuchung statt auf Schnellschüsse. Für Rita Franke und ihre Nachbarn bedeutet das, dass sie bei Westwind auch in Zukunft auf ihr Grillvergnügen im? Garten verzichten müssen.

Dass die Anlage ohne vorgeschriebene Untersuchungen gebaut wurde, weist Schulz übrigens zurück. „Die Kläranlage wurde Anfang der 70er-Jahre nach den damals geltenden Rechtsstandards auf Basis eines Planfeststellungsverfahrens errichtet, alle damals erforderlichen Genehmigungen liegen vor.“