Hilfsfrist

Lange Wege für die Helfer: Politik sucht nach Lösung

Foto: Timo Jann / Jann

Geesthacht. Die Feuerwehr in Geesthacht kann die gesetzliche Hilfsfrist nicht immer eingehalten - im Ausschuss für Bau und Verkehr wird dieses Problem nun thematisiert. Von einer Wache in der Nähe des Neubaugebietes Finkenweg-Ost würden nicht nur die Haushalte in der Umgebung, sondern auch viele Firmen profitieren.

Wenn es brennt, geht es um jede Minute. Doch mitunter dauert die Anfahrt der Feuerwehr ins Neubaugebiet Finkenweg-Ost, ins Gewerbegebiet an der Mercatorstraße und weitere Teile der Oberstadt zu lange. Dieses Problem soll jetzt im Ausschuss für Bau und Verkehr thematisiert werden. Der CDU-Ortsvorsitzende Sven Minge hatte im Hauptausschuss nachgefragt, wie die Stadt das Problem lösen will. „Der Bürgermeister hat erklärt, dass man damit leben müsse, nicht überall im Stadtgebiet die Hilfsfrist einhalten zu können. Die Frage muss aber sein, wo unsere Schmerzgrenze liegt“, sagte Minge. „Immerhin haben sich in den betroffenen Gebieten viele Familien und Unternehmen angesiedelt, denen man einen vernünftigen Schutz bieten sollte“, sagt er.

Wie berichtet, hatte das mit sechs Rettern besetzte erste Löschfahrzeug (LF) bei einem Einsatz am Johannes-Krause-Ring 16 Minuten bis zum Einsatzort benötigt. Die Drehleiter folgte mit zwei Mann zwei Minuten später, erst nach 20 Minuten war durch das zweite LF die Löschgruppe (neun Mann) komplett. Laut Brandschutzgesetz soll sie aber bereits zehn Minuten nach dem Notruf vor Ort sein.

Abhilfe schaffen könnte ein zweiter Standort für die Feuerwehr, beispielsweise am Kreisel bei „Norma“ oder auf dem Gelände der städtischen Betriebe an der Mercatorstraße. Mit dezentralen Wachen arbeiten immer mehr Wehren, um den Schutz der Bürger zu optimieren. In Neuallermöhe beispielsweise fordert die Feuerwehr Hamburg einen neuen Standort, weil man von Bergedorf und Billstedt zu weite Anfahrtswege hat. In Geesthacht könnte ein Standort im Norden der Stadt für ein Dutzend Feuerwehrleute, die dort leben oder arbeiten, interessant sein. Sie könnten von zu Hause oder von der Arbeitsstelle aus bei Alarm zum neuen Standort fahren, das dort stationierte LF besetzen und schneller in der Nachbarschaft sein als vom Kehrwieder aus. Von dort könnten die Unterstützungskräfte kommen.

Von dieser schnelleren Hilfe würden mehrere Tausend Menschen, unzählige Verkehrsteilnehmer und viele Firmen profitieren. Denn nicht nur das Neubaugebiet, auch die B 404 nach Hohenhorn und in Besenhorst, die A 25, die Siedlungen vom Sophie-Scholl-Ring über den Zöllnersweg bis hin zum Dösselbuschberg und in Besenhorst sowie die Firmen an der Mercatorstraße wären schneller erreichbar. Im Gewerbegebiet mit der Akkufabrik und der Zentrale von „Sensient Food Colors“ wären im Brandfall Produktionen von schneller Hilfe abhängig. Möglicherweise würden sich diese Firmen an den Investitionen für eine Feuerwache beteiligen, weil sie von günstigeren Versicherungsprämien oder Steuervorteilen profitieren könnten.

Der Feuerwehrbedarfsplan (FWBP) hat die Missstände offenbart. Als Grundlage dient der „kritische Wohnungsbrand“, ein bundesweit einheitliches Feuer im ersten Stock, bei dem die Feuerwehr Menschen retten muss. Eigentlich spätestens nach zehn Minuten, so die Vorgabe.