Baupläne

Kein riesiger Zebrastreifen vor dem Schiller-Center

Foto: Timo Jann / Plaungsbüro Elbberg

Geesthacht. Der Entwurf um die moderne Platzgestaltung vor dem Schiller-Center ist gestoppt. Zu wild und erschreckend wirkte die Zebrastreifengestaltung auf die Ausschussmitglieder. Eine politische Mehrheit für den vorgestellten Entwurf fand sich nicht.

Die Millionenmetropolen Barcelona und London als Gestaltungsvorbilder für das heimelige Geesthacht? Das wollten Planer und Verwaltung für das südliche Ende der Bergedorfer Straße vor dem Schiller-Center umsetzen. Geesthachts Politiker zogen jetzt die Notbremse. Zumindest vorerst – die präsentierten Entwürfe sollen nun in den Fraktionen beraten werden. Dabei hatte eine nicht öffentlich tagende Lenkungsgruppe das Projekt über Monate beraten und mit dem Planungsbüro „Elbberg“ aus Hamburg entwickelt.

In der Lenkungsgruppe, die vor fünf Jahren gegründet worden war, um die verfahrene Planung zur Umgestaltung der Fußgängerzone voranzubringen, treffen sich einige ausgewählte Politiker und Verwaltungsmitarbeiter immer öfter, um auch andere Planungen im Vorwege zu vereinbaren. Erst mit konkreten Ergebnissen geht man dann in die Öffentlichkeit. Die Idee, den Platz zwischen Norderstraße und Schillerstraße mit einem quer zur Fahrbahn zweifarbig gestreiften Granitsteinpflaster von Hausfront zu Hausfront zu belegen, konnte jedoch nur die in den höchsten Tönen schwärmenden Planer überzeugen. Im Ausschuss für Bau und Verkehr fiel der Entwurf durch.

Ingenieur Christoph Schnetter, der seit den ersten Schritten für das Städtebauprojekt „Geesthacht an die Elbe“ immer wieder an den Umgestaltungen in der Stadt beteiligt ist, präsentierte ähnliche Gestaltungsvarianten aus London. Sein Kollege Marc Springer stellte Sitzgelegenheiten vor, die die Menschen in Barcelona begeistern würden. Der Platz vor dem Schiller-Center würde schließlich eine besonders angenehme Aufenthaltsqualität bieten, ist er doch erst mit Millionenaufwand umgestaltet worden, waren sich die von hohen Baukosten profitierenden Ingenieure einig. Sie hatten auch einen anspruchsvollen Zeitplan dabei: Mit dem von ihnen erwarteten grünen Licht aus dem Ausschuss hätte die Planung verfeinert werden können, im März 2013 hätte Baubeginn und im September Fertigstellung sein können.

Tatschlich kam es – vermutlich auch aufgrund früherer Pflaster-Desaster – anders.

„Wenn man mir erzählen will, dass das ein Platz sein soll, auf dem man sich aufhält, dann verstehe ich das nicht“, sagte Hans-Werner Madaus (SPD). „Erschreckend“ nannte er den Entwurf mit den „Zebrastreifen“. „Mir ist das zu wild“, pflichtete ihm sein Parteifreund Jürgen Leonhardt bei. Erstaunt zeigte sich Heide-Lucia Gloor (CDU), die in der Lenkungsgruppe mitarbeitet. „Durchgehende Streifen hatten wir da von vornherein abgelehnt“, sagte sie. Bauamtsleiter Peter Junge räumte ein, dass Schnetter diese Variante mit ihm abgestimmt hatte. „Solche Zebrastreifen wollen wir nicht“, sagte auch Egon Bargisen (Linke). Jutta Bellwinkel von den Grünen versuchte zu überzeugen: „Glauben Sie mir, das wird ganz toll, da werden menschenfreundliche Flächen entstehen“, wandte sie sich an die Ausschussmitglieder.

Doch dafür fand sich keine Mehrheit. Zu viele Punkte sind unklar. So soll der Platz ebenerdig sein, Rampen von den Zufahrten auf das erhöhte Areal führen. Aber für die Einstiege an den Bussen sind 15 Zentimeter hohe Bordsteine an dem im selben Muster wie die Gehwege gepflasterten Fahrbahnrand geplant. Böse Stolperfallen, solange dort kein Bus zum Ein- und Aussteigen hält. „Es darf nie wieder passieren, dass wir wegen unserer Rampen Klagen bekommen“, mahnte Axel Gloor (CDU) in Erinnerung an entsprechende Niederlagen vor Gerichten. Horste Teichmann (Grüne) plädierte dafür, „eine Geschichte aus einem Guss“ zu planen. Denn erst wurden die Plätze vor dem Kleinen Theater und dem Krügerschen Haus gestaltet, an die jetzt angeschlossen werden soll. Nun will man den Platz vor dem Schiller-Center anfassen und irgendwann auch die Fußgängerzone. Mit immer anderen Materialien, immer neuen Laternentypen.

Nun werden Schnetter und seine Kollegen ihren Entwurf überarbeiten müssen. Wie, dazu gab es keine Entscheidung.

Zunächst wollen die Fraktionen intern beraten und dann Vorschläge abgegeben.