Fußgängerzone

Sind die Mieten in der Bergedorfer Straße zu hoch?

Foto: Kim Nadine Müller / Müller

Geesthacht. Nachdem bekannt wurde, dass die Stadtbuchhandlung schließen wird, ist eine Diskussion entbrannt: um angemessene Mieten, um inhabergeführte Geschäfte, den Konkurrenzdruck großer Filialisten und die Verantwortung von Vermietern.

Vom Bäcker bis zum Schuhladen, vom Optiker bis zum Modegeschäft, vom Fisch- bis zum Buchhändler – eine große Auswahl an Geschäften macht eine Fußgängerzone attraktiv. Doch wie kann man eine solche Vielfalt fördern? Nachdem bekannt wurde, dass die Stadtbuchhandlung in Geesthachts Zentrum schließen wird, ist eine Diskussion entbrannt. Um angemessene Mieten, um inhabergeführte Geschäfte, den Konkurrenzdruck großer Filialisten und die Verantwortung von Vermietern.

„Ich habe Verständnis, dass Vermieter möglichst viel Geld aus ihren Immobilien ziehen wollen“, sagt Paul Apel, Sprecher der Wirtschaftlichen Vereinigung Geesthacht. „Genauso verstehe ich Kleinunternehmer, die bestimmte Mieten nicht mehr zahlen können.“ Sie würden der Konkurrenz von Großkonzernen kaum standhalten können. „Wir können da wenig machen, so funktioniert der Wettbewerb“, sagt Apel. Die WVG versuche allerdings mit den Vermietern, die vor Ort sind, zu sprechen und für einen Branchenmix zu werben. Apel schätzt die durchschnittlichen Quadratmeterpreise für Gewerbeflächen in der Fußgängerzone auf 14 bis 16 Euro. Neubauten und kleinere Flächen kosten durchaus mehr.

18 Euro Nettokaltmiete kosten die Ladenflächen im Neubau der Kreissparkasse (KSK) am unteren Ende der Fußgängerzone. Seit über einem Jahr sucht die KSK nach passenden Mietern. Klar ist, dass in ein Geschäft die Sonnenapotheke einziehen wird. „Außerdem sind wir gerade mit einer Bäckerei mit Café im Gespräch“, sagt Sascha Jaath, Immobilienmakler bei der KSK. Den Mietpreis hält er für gerechtfertigt: „Die Lage ist gut. Außerdem strömen am Tag rund 1500 Menschen durch unser Gebäude, wollen zu den Ärzten in den oberen Stockwerken oder zur Sparkasse“, sagt Jaath. Davon würden künftige Mieter profitieren. Neben der KSK sitzen das Lungenheilzentrum, Asklepios und eine Physiotherapie-Praxis in dem Gebäude. „Außerdem wird noch ein Allgemeinmediziner, eine Zahnärztin und wahrscheinlich eine Krankenkasse hier einziehen.“ Hinzu kommen Büros. Vier Büroeinheiten für 10,50 Euro pro Quadratmeter von 54 bis 280 Quadratmetern Größe seien noch frei. Für die Läden im Erdgeschoss ist es schwer, Mieter zu finden. „Wir haben Anfragen, wollen aber auch Branchen, die zu uns passen“, sagt Jaath, etwa ein Textilgeschäft im mittleren oder hochpreisigen Segment.

Auch Jan Purwin hätte gern ein Modegeschäft für seinen 80 Quadratmeter großen Laden gleich neben seinem Schuhgeschäft in der Fußgängerzone gefunden. Schließlich ist die Telekom hier eingezogen. Er verteidigt den Mietenspiegel in der City: „Ich bin selbst Mieter im Sky-Center und in der Winsener Einkaufszone. Ich finde die Mieten hier angemessen. Geesthacht ist einer der stärksten Standorte in der Region.“ Das unterstreicht auch Nachbar Oliver Fries: „Wir sind, was Verbraucherversorgung angeht, die beste Stadt im Kreis.“ Dennoch weiß er um die Sorge von Mietern. Das Gebäude von Zigarren Fries ist in Familienbesitz. Darüber ist Oliver Fries froh: „Ich kenne Kollegen aus meiner Branche, deren Mietvertrag auslief und die keine Chance hatten zu verhandeln, weil Filialisten die Hand auf der Fläche hatten.“