Einzelhandel

Stadtbuchhandlung gibt auf - Miete verdoppelt

Foto: Kim Nadine Müller / Müller

Geesthacht. Die Stadtbuchhandlung muss im August für immer schließen. Inhaber Axel Brinkmann kann die künftig mehr als doppelt so teure Miete nicht bezahlen. Ein Handy- und ein Damenmodegeschäft werden die alteingesessene Buchhandlung ablösen.

Bald ist Geesthachts Fußgängerzone um ein weiteres alteingesessenes Geschäft ärmer: Die Stadtbuchhandlung an der Bergedorfer Straße/Ecke Liliehof wird im August ihre Türen schließen.

„Unser Mietvertrag läuft regulär aus“, sagt Ladeninhaber Axel Brinkmann. „Im Frühjahr teilte uns der Vermieter mit, dass wir künftig mehr als das Doppelte an Miete bezahlen müssen, wenn wir bleiben wollen.“ Eine Nachricht, die für den 47-Jährigen und seine Mitarbeiter vollkommen aus heiterem Himmel kam. „Es sind ohnehin schwere Zeiten für den Buchhandel, aber wir stehen immer noch besser da als der Branchendurchschnitt. Das allerdings können wir nicht bezahlen.“

Brinkmann beschäftigt drei fest angestellte Mitarbeiter auf 25-Stunden-Basis sowie zwei 400-Euro-Kräfte. „Erst vor wenigen Jahren haben wir unsere Kinderbuchabteilung im hinteren Teil des Geschäftes komplett erneuert“, erzählt Brinkmann traurig. „Und für meine Mitarbeiter wird es schwierig, in der Branche einen neuen Job zu finden.“ Im Spätsommer wird das Geschäft zweigeteilt, ein Handy- und ein Damenmodegeschäft werden einziehen.

Brinkmann erinnert sich noch gut daran, wie er und seine Lebensgefährtin Anja Haslach den seit Jahrzehnten bestehenden Buchladen in Geesthacht vor zehn Jahren übernommen haben. „Ich habe Geschichte und Deutsch studiert und meine Lebensgefährtin hat im Lektorat beim Heyne Verlag gearbeitet. Die Affinität zu Büchern war also da“, sagt Brinkmann. Und die Lust, sich nach Jahren in einer PR-Agentur selbstständig zu machen, auch. „Am Anfang bedeutete das, mit Wucht ins kalte Wasser zu springen. Alles war neu: die Verantwortung für das Personal, das betriebswirtschaftliche Denken.“ Brinkmann lernte dazu und ergründete den Lesegeschmack der Geesthachter. „Zuerst gingen Sachbücher sehr gut. Das ist etwas weniger geworden. Auch Kinderbücher und Lesestoff zur Region wird gut verkauft“, sagt Brinkmann. Krimis mag die lokale Leserschaft ebenfalls.

Statt um spannende Geschichten dreht sich Axel Brinkmanns künftige berufliche Tätigkeit um heiße Räder. Er wird im Familienbetrieb, im Mercedes Autohaus Brinkmann Bleimann in der PR-Abteilung anfangen. Einen neuen Buchladen zu eröffnen, würde er in der heutigen Zeit nicht mehr wagen. „Die Konkurrenz durch den Internethandel ist enorm. Außerdem lesen die Menschen immer weniger“, so der Fachmann. Das führe dazu, dass gerade kleinere Buchläden kaum noch überleben könnten. Das treffe aber auch andere Branchen.

„Ich möchte an die Menschen appellieren, das Motto ‚Think global, act local’ (denke global, handele lokal) mehr zu beherzigen. Auch unser Geschäft hat einen Onlineshop, wir können Bücher von heute auf morgen nach Hause liefern und aufgrund der Buchpreisbindung ist das nicht teurer als anderswo“, sagt Brinkmann. Es reiche nicht, darüber zu meckern, dass kleine Läden schließen müssen, immer mehr Filialisten kommen, Geschäfte leer stehen und Fußgängerzonen immer ähnlicher werden. Man müsse eben auch vor Ort einkaufen, um das zu verhindern. Denn schließlich seien es die lokalen Händler, die etwas für den Ort tun, sich dauerhaft engagieren. „Wir haben viele Lesungen organisiert, für Schulen gespendet und uns an kulturellen Veranstaltungen beteiligt“, sagt Brinkmann.

Bis Ende August sind Brinkmann und sein Team noch wie gewohnt für Kunden da. Wer Interesse an den Möbeln im Geschäft hat, kann sich direkt vor Ort melden.