Fußball-EM

Die Polizei will weiter durchgreifen

Foto: Timo Jann / Jann

Geesthacht. Für die Vollsperrungen in Geesthacht nach dem Deutschland-Spiel am Samstag musste die Polizei kräftig Kritik einstecken. Am Mittwochabend drückten die Beamten jetzt ein Auge zu - bis die Situation erneut eskalierte.

Kaum schrillte der Abpfiff am späten Mittwochabend durch das EM-Stadion von Charkow, füllten sich in Geesthacht die Straßen. Hupend feierten die Fans in Autokorsos den 2:1-Sieg der Deutschen Nationalmannschaft, andere zogen lautstark singend zur Aral-Tankstelle an der Geesthachter Straße. Nachdem die Polizei beim ersten Spiel der Deutschen die Straßen konsequent freihalten wollte (wir berichteten), ließ sie am Mittwoch die Feiernden gewähren – bis die Situation eskalierte.

„Für uns hat sich nun gezeigt, dass ein präventives Eingreifen durchaus Sinn macht“, so Geesthachts Polizeichef Thomas Specht. Gegen 23.30 Uhr war der Autokorso auf etwa 100 Fahrzeuge angewachsen, immer wieder fuhren die mit Deutschland-Flaggen geschmückten Autos zwischen der Post und dem Ortsausgang die alte B?5 entlang. Gleichzeitig feierten etwa 300 Fans auf der Tankstelle und feuerten die Autofahrer an. „Grenzwertig wurde es dann, als die Polizei immer öfter provoziert wurde und die Autos mit durchdrehenden Reifen starteten“, so Specht. Eingreifen musste die Polizei gegen 23.45 Uhr, als es vor dem Quix-Imbiss zu einer kleinen Schlägerei kam. „Leider ist genau das passiert, was wir immer befürchtet haben: Im Zuge der Rangelei wurde ein junger Mann vor ein fahrendes Auto geschubst“, so Specht. Der Mann musste mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden. Die Polizei sperrte daraufhin doch die B?5 und versuchte die Feier aufzulösen.

Während der Autokorso beendet wurde, machten sich die Feiernden auf den Weg zur Esso-Tankstelle. Hier wurde gegen Mitternacht ein lautstarker Feuerwerkskörper gezündet, bei dem es sich laut Polizei um einen verbotenen „Polen-Böller“ gehandelt haben könnte. „Wir konnten die Täter feststellen und ermitteln“, so Specht. Geprüft werde ebenso, ob die Täter auch für einen Böllerwurf bei der Weltmeisterschaft vor zwei Jahren infrage kommen könnten, bei dem ein Polizist am Ohr verletzt wurde. „All das hat unsere Maßnahmen bestätigt. Es kann nicht sein, dass in Geesthacht mitten auf der Bundesstraße lautstark gefeiert wird, gerade wenn hier Anwohner betroffen sind. Es ist nicht unsere Aufgabe, die Straße abzusperren, damit hier in Ruhe gefeiert werden kann.“

Auch auf der Homepage unserer Zeitung wird unter www.bergedorfer-zeitung.de weiter kontrovers über das EM-Konzept der Polizei diskutiert. „Feiern ja, aber nicht so, dass hunderte oder tausende Bürger unter dem ‚Feierlärm’ leiden“, schreibt Leser „Nicht-Fußballgucker“. Leser „Columbo“ merkt an: „Für viele gehört ,Dichtsaufen’ und randalieren scheinbar dazu, wobei ich mich frage, was das mit Fußball zu tun hat.“

Specht kündigte an, beim Spiel Deutschland – Dänemark am Sonntag erneut mit vielen Kräften auf den Straßen präsent zu sein. „Wir können das nicht ruhigen Gewissens laufen lassen. Das haben wir jetzt gesehen“, so Specht. Überrascht zeigte er sich über die Masse der Feierwütigen auf der Straße. „Weder in Bergedorf noch in den umliegenden Gemeinden gab es Vergleichbares.“