Stadtbahn

Ratsversammlung will Möglichkeiten prüfen lassen

Foto: bergedorf-fotos.de

Geesthacht. Mit 16 Stimmen von CDU, Grünen und Linken hat die Ratsversammlung beschlossen die Idee einer Stadtbahn von Geesthacht nach Bergedorf näher prüfen zu lassen. Eine Stadtbahn sei zudem zuverlässiger als Busse und kenne keinen Stau, argumentierten die Befürworter. FDP und SPD stimmten weitgehend dagegen.

„Die Schelte für die CDU ist nicht o.k.“, sagte Petra Bolte (Grüne). Und fügte hinzu: „Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich so was hier mal sage.“ Es war das Thema „Schienenanbindung für Geesthacht“, das am Freitagabend in der Ratsversammlung für ungewohnte Bündnisse sorgte. Anlass war der Vorstoß der Bergedorfer CDU, die eine Stadtbahn von Bergedorf nach Geesthacht auf den Weg bringen will (wir berichteten). Eine Idee, die unter den Partei-Kollegen vor Ort viel Anklang fand. Gemeinsam mit den Grünen stellten sie einen Antrag, dass nun alle zuständigen Gremien die Möglichkeiten einer Schienenanbindung prüfen sollen.

„Wir sehen das skeptisch“, sagte SPD-Fraktionschef Samuel Walter Bauer. Gutachten hätten in den 90er-Jahren eindeutig ergeben, dass sich so etwas nicht rechne. Darauf hatte einige Tage zuvor auch schon Ex-Bürgermeister Peter Walter hingewiesen – er saß im Publikum, um sich die Diskussion über eines seiner Lieblingsthemen nicht entgehen zu lassen. Man wecke nur unrealistische Erwartungen, wenn man das Thema jetzt wieder aufgreife, sagte Bauer. Sein Vorwurf: „Das war doch nur Wahlkampfgetöse ein paar Tage vor der Landtagswahl.“

Eben das wollte Petra Bolte nicht stehen lassen: Schließlich bleibe man auch nach der Wahl am Ball und jeder – auch die CDU – habe das Recht, seine Meinung zu ändern. „Es geht darum, dass wir bei langfristigen Planungen einen Fuß in der Tür behalten. Und das kostet uns keinen Cent.“

Ihr Fraktionskollege Gerhard Boll sieht die Chance, dass mehr Menschen auf den Öffentlichen Personen-Nahverkehr umsteigen, gerade bei weiter steigenden Benzinpreisen. Eine Stadtbahn sei zudem zuverlässiger als Busse und kenne keinen Stau. „Es kann nicht sein, dass Geesthacht als größte Stadt im Kreis keine Schienenanbindung hat“, so Boll. Außerdem gebe die Stadt viel Geld für den Busverkehr aus. Das sah auch CDU-Chef Karsten Steffen so: „Der Schienenverkehr ist von den Ländern zu finanzieren. Hier sollten wir unserer Stadt Gewicht verleihen und sagen ‚Wir sind auch noch da’ – schon mit Blick auf unseren Haushalt.“

„Wie käme Hamburg dazu, uns etwas zu schenken?“ fragte dagegen Rüdiger Tonn (FDP). Er sieht große Probleme mit Straßenkreuzungen und Lärmbelastung, außerdem bringe eine Stadtbahn keine Entlastung vom Durchgangsverkehr.

Zum Schluss gab es 16 Ja-Stimmen von CDU, Grünen und Linken für den Prüfungsauftrag – eine klare Mehrheit. Neun Ratsmitglieder von FDP und SPD stimmten dagegen, drei Sozialdemokraten enthielten sich der Stimme.