St. Nikolai

Stammt das Altarbild doch von Anthonis van Dyck?

Foto: BGZ / Altarbild Hohenhorn / Altarbild Hohenhorn

Hohenhorn. Das Altarbild von Hohenhorn hält die Experten in Atem. Jetzt hat der Historiker William Boehart in den Kirchenarchiven ein Schriftstück entdeckt, das belegt: Das Bild stammt möglicheweise doch von dem Künstler Anthonis van Dyck.

Das Altarbild in der Hohenhorner St.-Nikolai-Kirche beschäftigt mittlerweile eine ganze Reihe von Experten. Die Wiener Kunsthistorikerin Wencke Deiters besuchte die Kirche, Restaurator Gerold Ahrends wird das Gemälde unter die Lupe nehmen und Historiker William Boehart gräbt in den Archiven zur Kirchengeschichte. Letzterer hat jetzt eine weitere spannende Entdeckung gemacht.

„Hundertprozentige Sicherheit haben wir noch nicht, aber anhand der Archivdokumente besteht die Vermutung, dass das Bild doch von Anthonis van Dyck stammt“, sagt Geesthachts Stadtarchivar. Es handelt sich um eine Kopie der ‚Beweinung Christi‘, deren Original von Rubens im Kunsthistorischen Museum Wien hängt. „Auf alle Fälle schmückt den Hohenhorner Altar ein berühmtes Bild, das einst mehrfach kopiert wurde, was schon zu Lebzeiten der großen Maler üblich war“, so Boehart.

Er war in einer kirchlichen Nachricht, die er von der Hohenhorner Familie Wittkamp zur Verfügung gestellt bekam, auf Worte von Heinz-Friedrich Haese gestoßen, der 1968 in der Kirche Pastor war. Haese schrieb über das Altargemälde, „welches sein soll und wahrscheinlich ist von dem berühmten niederländischen Meister van Dyck. Es ist von einer dem Pastor dieser Gemeinde befreundeten Familie in Lübeck, einer Witwe Hestermann, geb. Souchay, von der Französisch-Reformierten Gemeinde, geschenkt worden.“

Laut Boehart bezieht sich Pastor Haese in seiner Nachricht auf ein älteres Schriftstück, das sich in der im „Denkstein eingemauerten, bleiernen Kapsel“ befindet. Das galt es zu prüfen. Fieberhaft durchforstete der Stadtarchivar die Akte „Kirchenchronik“ im Archiv der Hohenhorner Gemeinde – und tatsächlich: Boehart stieß auf ein Schriftstück, das Haeses Nachricht bestätigt und der Handschrift nach von Pastor Karl-August Zurhelle stammt, der von 1817 bis 1842 der Hohenhorner Kirche vorstand. „Dieses Schreiben stellt für uns den ältesten schriftlichen Beleg für die Herkunft des Gemäldes dar“, so Boehart begeistert. „Es hat also einen sehr hohen Aussagewert und bringt uns einen entscheidenden Schritt weiter.“

Jetzt gilt es, die ursprüngliche These, Anthonis van Dyck (1599-1641) könnte das Original von Rubens kopiert haben (zu der Zeit nicht unüblich) wieder genauer zu prüfen. Dafür wollen William Boehart und Heimatforscher Helmut Schlingemann das Stadtarchiv in Lübeck besuchen und den Nachlass der Familie Souchay sichten. Auch zur Französisch-Reformierten Gemeinde gebe es dort Unterlagen. Restaurator Gerold Ahrends startet mit wissenschaftlichen Untersuchungen am Gemälde und auch das Alter des Holzes, auf das das Bild gemalt wurde, soll demnächst bestimmt werden.