Geesthachter Elbstraße

"Hier kann Stadtgeschichte als lebendiges Erbe erlebt werden"

Foto: Timo Jann

Geesthacht. Prominente Unterstützung für die Anwohner der Elbstraße in ihrem Widerstand gegen die geplante Umgestaltung der Straße: Professor Dittmar Machule, Dozent für Städtebau an der Hamburger Hafencity-Universität, hat sich in einem Brief an Bürgermeister Volker Manow und die Fraktionen der Ratsversammlung gewandt.

„Meine dringende Bitte ist, die Planung nicht umzusetzen. Aus fachlicher Sicht beurteilt, und auch mit etwas Herzblut für unsere Städte an der Unterelbe gesehen, würde der Umbau an diesem historischen Ort originale städtebauliche Qualitäten der Stadt Geesthacht unweigerlich zerstören“, schreibt Machule.

Im Zusammenhang mit städtebaulichen Studienarbeiten war er auch in Geesthacht und hatte dabei die „Schönheiten und Potenziale“ im alten Ortskern im Blick. „In guter Erinnerung sind die intakten unverwechselbaren Stadträume im Bereich der historischen Elbstraße“, so Machule. Der geplante Eingriff führe zu gravierenden Veränderungen der Flächenorganisation, der Linienführung und der Gestaltung der Elbstraße sowie der Veränderung des Kirchenaufgangs und sei sehr überflüssig. Kritik übt der Ingenieur auch an den Planern des Lübecker Planungsbüros tgp: „Verkehrsfunktionale, städtebauliche, denkmalpflegerische oder stadtgestalterische Begründungen, Qualitäten zu erhalten und zu sichern oder gar hinzuzufügen, sind nicht ablesbar. Der Verlust von Eigenart und Unverwechselbarkeit des Stadtraumes ist programmiert“, schreibt Machule.

Die Elbstraße und ihre Umgebung hätten über Geesthacht hinaus Zeugenfunktion für historische Situationen der Elbstädte, so Machule. „Ich bin sicher, dass dieser Ort mit Kirche, Kirchenmauer, ehemaligem ‚Hotel zur Post' und den Stadtaufgängen von der Elbe her auch einen hohen Identifikationswert für die Menschen in Geesthacht hat, vom touristischen Wert ganz zu schweigen. Hier hat Geesthacht etwas Unverwechselbares zu bieten. Hier wurde Stadtgeschichte gelebt und hier kann Stadtgeschichte von zukünftigen Generationen entdeckt und noch in Zukunft als lebendiges Erbe erlebt werden“, so Machule. Die Stadt Geesthacht würde mit der Umgestaltung einen schwerwiegenden und lange wirkenden Fehler machen. Machule: „So etwas kann nicht von heute auf morgen wieder korrigiert werden.“ Seiner Beurteilung nach seien mit Ausnahme kleiner Ausbesserungen im Natursteinpflaster der Straßen keine Notwendigkeiten für Umbauten vor Ort erkennbar. Er behalte sich vor, seine städtebaulich-denkmalpflegerischen Kollegen im Bereich Denkmalschutz, Städtebau-Stadtplanung einzuschalten, kündigt Machule in seinem Brief an.

Am Montag berät der Ausschuss für Bau und Verkehr die geplante Umgestaltung der Elbstraße. Das Gremium tagt von 18 Uhr an öffentlich im Ratssaal. Der bisher zur Diskussion stehende Entwurf würde die Ansicht der letzten Straße im alten Stadtkern mit ihrem historischen Charakter deutlich verändern. Dagegen wehren sich die Anwohner.