Bundestagskandidat

Dr Kurt Duwe (FDP)

Bergedorf. Mit 58 Jahren zählt Dr. Kurt Duwe zu den älteren Direktkandidaten im Wahlkreis Bergedorf-Harburg, dennoch darf sich der Ozeanograph als Newcomer sehen: Der Harburger kandidiert erstmals für den Bundestag. Er will auf schwierigem Terrain ein gutes FDP-Ergebnis holen.

In Harburg ist den Liberalen dies bereits gelungen: "Mit sechs Prozent haben wir bei den Wahlen zur Bezirksversammlung das zweitbeste Hamburger Ergebnis geholt. Wir sind mit drei Abgeordneten in Fraktionsstärke in die BV eingezogen", sagt Duwe. Die Liberalen sind damit seit 1991 erstmals wieder im Harburger Bezirksparlament vertreten. Die dort seit gut fünf Jahren bestehende schwarz-grüne Koalition galt unter Anhängern als Modell für Hamburg, hat aber zugleich die Werte für die liberale Opposition befördert.

Duwe trat erst vor acht Jahren in die FDP ein. Fünf Jahre hat er an der GKSS in Geesthacht gearbeitet, "in der nach-atomaren Phase", wie er selbst betont. Heute verdient er als selbstständiger Ozeanograph mit Beratungen und Gutachten zu Strömungsverhältnissen und Sedimentablagerungen seinen Lebensunterhalt, entwickelt etwa Modelle zur Vorhersage zu von Menschen verursachten Veränderungen.

Dass er Verantwortung nicht scheut, stellt er auch innerhalb der Hamburger FDP unter Beweis. Seit Februar ist Duwe Vize-Landesvorsitzender der Partei, zudem umweltpolitischer Sprecher. Auf die Frage nach seinem Lieblingsamt muss er nicht lang überlegen: "Als Fraktionsvorsitzender in der Bezirksversammlung habe ich den bislang größten Gestaltungsspielraum."

Und gestalten will der Mann in Energie-, Umwelt- und der Wirtschaftspolitik. "Soziale Marktwirtschaft ist mir wichtig." Dazu zähle selbst verantwortetes Unternehmertum. Geld, das verteilt werden solle, müsse zuerst erarbeitet werden. "Der Staat darf sich nicht aufführen wie Eltern, die ihre Kinder nicht in die Selbstständigkeit entlassen wollen: Mit Bemuttern und Geldeinsatz lassen sich nicht alle Probleme lösen." Trotz solcher Grundüberzeugungen will sich Duwe nicht als Wirtschaftsliberaler einordnen lassen, sieht die FDP als Bürgerrechtspartei: "Unser Wahlprogramm zeigt, dass die FDP viel mehr ist als eine Partei der Besserverdienenden."

Die Finanzkrise sei nicht das Ergebnis der sozialen Marktwirtschaft: "Nicht die Regulierung war das Problem, sondern die fehlende Überwachung durch staatliche Aufsicht." Duwe widerspricht der Kritik, die Partei, die in der Vergangenheit gegen "zu viel Staat" polemisiert habe, mache nun den Staat für die Fehler der Banken verantwortlich. "Wir können die Krise nicht bewältigen, indem wir die Marktwirtschaft abschaffen. Auch nicht, indem wir Unternehmen wie Opel zu einer Behörde machen."

Anders als Guido Westerwelle hält er aber den Einstieg des Staates bei Unternehmen wie der Hypo Real Estate für richtig - auch gegen den Willen der Anteilseigner: "Das ist keine Enteignung der Aktionäre. Wenn der Staat sich engagiert, muss er auch als Unternehmer agieren", fordert Duwe.

Die Förderung des Wettbewerbs sei die zentrale Aufgabe. "Wir können nicht das Engagement deutscher Unternehmen im Ausland begrüßen, anderseits aber beklagen, dass sich der schwedische Staatskonzern Vattenfall bei uns engagiert."

Dies gelte auch für das deutsche Stromnetz. "Es geht nicht, dass sich vier Anbieter das gesamte Netz teilen." Für die Energie-Erzeugung setzt er auf einen Mix. "Wir dürfen nicht allein auf erneuerbare Energien setzen. Die werden auch in Jahrzehnten nicht mal die Hälfte der Strom-Grundlast decken können." Schließlich müsse die Endlagerfrage für Atommüll geklärt werden. Ein weiteres Zuwarten sei unverantwortlich: "Vor allem, wenn man sich eingesteht, dass das AKW Krümmel abgeschaltet werden muss, wenn Vattenfall die Sicherheitsprobleme nicht in den Griff bekommt."

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