Schüler machen Zeitung

Ganz schön hart: Leben ohne Handy

Foto: BGZ / GSB / GSB

Bergedorf. SMS senden, Musik hören, wecken lassen oder mal eben Bescheid sagen. Mit Handy kein Problem. Aber ohne?

95 Prozent der Jugendlichen besitzen mittlerweile eins, und 84 Prozent der Jugendlichen nutzen ihr Handy täglich oder zumindest mehrmals in der Woche. Mädchen mit 91 Prozent etwas mehr als Jungen mit 78 Prozent. Das ergab eine aktuelle JIM-Studie (Jugend, Information und MultiMedia).

Wir – Darja, Helen (beide 15), Jean-Pierre und Leon (beide 14) – wollten wissen, wie es ist, eine ganze Woche rund um die Uhr ohne Handy zu existieren und gaben unsere Handys mit einem mulmigen Gefühl an unsere Lehrerin Frau Schröter ab. Schon kurze Zeit später spürten wir den Verzicht.

„Meine Mutter machte sich oft Sorgen und hatte schlechte Laune, weil ich ständig ohne Ansage zu spät kam“, so Jean-Pierre. „Einmal musste ich in der Nacht von einem Freund in den Vier- und Marschlanden eine Stunde bis zum ZOB laufen, verpasste den Bus und kam dann erst zwei Stunden später als vereinbart zu Hause an.“

„Ich war auf dem Geburtstag eines Freundes und sollte am nächsten Morgen um 10 Uhr wieder zu Hause sein“, erzählt Darja. „Aber ich bin erst um 12 Uhr aufgewacht. Ich musste eigentlich meinen Vater anrufen, um zu sagen, dass mir nichts passiert ist, aber ich konnte die Nummer von meinem Vater nicht auswendig. Sie war in meinem Handy gespeichert. Als ich nach Hause kam, bekam ich großen Stress, weil er sich Sorgen gemacht hat.“

„Einmal hatte ein Freund Verspätung und konnte mich nicht erreichen. Anschließend musste ich noch 60 Minuten in der Kälte am Jungfernstieg sitzen, bis er endlich kam. Ein anderes Mal wurde eine ältere Frau in der Buslinie 12 ohnmächtig. Zum Glück hatte ein anderer Fahrgast sein Handy dabei, um den Notarzt zu rufen“, berichtet Leon.

„Ohne mein Handy ging es gar nicht. Ich brauche mein Handy jetzt unbedingt zurück“, bettelt Helen am Tag der Handyrückgabe. „Ich habe zweimal in den sieben Tagen verschlafen, weil ich meinen Handy-Wecker nicht hatte und habe deshalb auch meinen Bus zur Schule verpasst, sodass mein Vater mich fahren musste. Einmal habe ich mein Handyverbot unterbrochen. Weil ich nachts erst eine Stunde später nach Hause kam, musste ich vom Telefon meiner Freundin zu Hause anrufen.“

Die handyfreie Zeit war hart für uns, unsere Eltern und Freunde. Aber einen kleinen Vorteil hatte sie schon: Unsere Telefonrechnung war am Ende des Monats niedriger.