Ungeschminkt? Das geht gar nicht

Hilfe, immer dieser Schönheitsdruck!

Foto: BGZ / GSB / GSB

Bergedorf. Viele junge Mädchen machen sich große Sorgen um ihr Aussehen. Sie schminken sich so sehr, dass man ihr wahres Alter kaum noch erkennen kann. Die meisten stylen sich älter als sie sind: Wer 13 ist, sieht manchmal schon aus wie 16. Ist es Druck oder Neid auf andere?

Das ist einfach zu erklären: Viele Mädchen wollen nicht nur älter, sondern auch am schönsten aussehen. Jede will die neueste Mode tragen. Keine will als Außenseiterin dastehen, und alle wollen durch ihr Aussehen eines am meisten: dazugehören.

Die meisten 13- bis 16-Jährigen nehmen dafür in Kauf, eine Stunde früher aufzustehen als eigentlich nötig, einfach um perfekt gestylt in die Schule zu kommen. Sie haben Angst, ungeschminkt gesehen zu werden, weil ihre Freunde und andere, die sie kennen, sie verständnislos angucken würden.

So wie Johanna (14) geht es vielen Mädchen: „Ich hatte für einen Monat Schminkverbot, weil meine Mutter meine zu dunkel geschminkten Augen und mein Make-up im Gesicht zu übertrieben fand. Als ich dann ungeschminkt zur Schule kam, haben mich alle schräg angeguckt. Ich habe mich sehr unsicher und ‚gesichtsnackt’ gefühlt. Vor allem Jungs reagierten sehr darauf. Sie sagten beleidigende Wörter wie: ‚Gesichtsgrätsche’ oder ‚Opfer’ zu mir. Ich fühlte mich richtig schlecht, wie eine Außenseiterin. Ich wäre am liebsten so schnell wie möglich nach Hause gerannt. Ich habe mich dann heimlich in der Schule geschminkt und kurz bevor ich zu Hause war wieder abgeschminkt!“

Wir wollten wissen, ob die Mädchen ihre Schminke sogar mit in die Schule nehmen und haben in den 8. und 9. Klassen Taschenkontrollen gemacht. Es war sehr interessant zu sehen, was die Mädchen so alles mit sich tragen: Natürlich Hefte, Bücher, Federtasche und eventuell einen Taschenrechner. Doch das war noch nicht alles. Den größeren Teil ihres Tascheninhaltes machten Handy, Mascara, Make-up, Kajal, Haarspray, Kamm, Rouge, Spiegel, Lipgloss, Deo, Lidschatten und Eyeliner aus.

In den Schultaschen der 10. bis 13. Klassen sah es dagegen ganz anders aus: Hefte, Bücher, Mappen, Federtaschen, Taschenrechner, Blöcke, Infohefte und das Handy. Das einzige, was die älteren Schülerinnnen als „Schminksachen“ dabei hatten, waren Lipgloss, Kamm und Deo.

Die Oberstufenschüler konzentrieren sich wohl weniger darauf, wie sie in der Schule aussehen. Es geht ihnen mehr darum, was sie lernen wollen. Sie haben das Wesentliche des Lebens erkannt: Es geht nicht um das Aussehen, sondern darum, was sie erreichen wollen.