NS-Kinderkrankenhaus

Forscher sucht Spuren von zwei Medizinern aus Bergedorf

Dr. Ilse Hinz, geboren am 9. Juni 1916 in Altona, zog 1969 an den Doktorberg 34. Von Mai 1960 bis zu ihrer Pensionierung im August 1978 war sie Leiterin der Tuberkulose-Fürsorgestelle Bergedorf.

Dr. Ilse Hinz, geboren am 9. Juni 1916 in Altona, zog 1969 an den Doktorberg 34. Von Mai 1960 bis zu ihrer Pensionierung im August 1978 war sie Leiterin der Tuberkulose-Fürsorgestelle Bergedorf.

Foto: Babel / Andreas Babel

Dr. Ilse Hinz und Dr. Hans-Jürgen Petersen praktizierten und lebten nach dem Zweiten Weltkrieg Jahrzehnte im Osten Hamburgs.

Bergedorf. Der Celler Autor und Journalist Andreas Babel sucht nach Informationen über und Erlebnissen mit den Bergedorfer Ärzten Dr. Ilse Hinz und Dr. Hans-Jürgen Petersen. Beide praktizierten und lebten nach dem Zweiten Weltkrieg Jahrzehnte im Osten Hamburgs – und hatten in ihrem Lebenslauf ein dunkles Kapitel: Während der Ausbildung arbeiteten sie nach Babels Recherchen Anfang der 40er-Jahre einige Wochen im Kinderkrankenhaus Rothenburgsort.

„In dieser Klinik wurden während der NS-Zeit 56 behinderte Kinder getötet. Nach neueren Forschungen sogar 127“, sagt Babel, der darüber in seinem Buch „Kindermord im Krankenhaus“ schreibt. „Von 1940 bis 1945 verabreichten meist junge Ärztinnen geistig behinderten Kindern Spritzen mit einer Überdosis Luminal. Die Kinder starben einige Tage später an einer Lungenentzündung.“

Forscher will die beiden Ärzte mit in sein Buch aufnehmen

Ein Schauplatz der grausamen NS-Euthanasie, den Schüler der Stadtteilschule Bergedorf unter anderem mit Babels Hilfe vor einem Jahr mit einem preisgekrönten Musical samt Aufführung vor Ort an der Marckmannstraße in Rothenburgsort zurück ins Gedächtnis holten. Sie enthüllten auch ein Denkmal – ein vergittertes Kinderbett, beschwert mit weißen Steinen – das aber nicht vor der 1982 geschlossenen Klinik stehen darf: Die Stadt Hamburg möchte die Gebäude nach der Umsiedlung des heute hier untergebrachten Hygienischen Instituts verkaufen. Das Denkmal würde den Preis drücken.

Die beiden gesuchten Bergedorfer Ärzte sieht Andreas Babel nicht als Täter: „An Kindermorden waren sie sehr wahrscheinlich nicht beteiligt. Im Gegensatz zur 2012 gestorbenen Dr. Gisela Colberg, geborene Schwabe, die fast ihr ganzes Leben am Glindersweg lebte und mindestens drei behinderte Kinder getötet hat.“ Trotzdem will er Dr. Ilse Hinz und Dr. Hans-Jürgen Petersen in die gerade vorbereitete dritte Auflage seines Buches aufnehmen.

Dr. Petersen war vermutlich Homöopath

Über Dr. Hinz, Jahrgang 1916, ist bekannt, dass sie seit den 1960er-Jahren am Doktorberg 34 wohnte. Sie war bis zu ihrer Pensionierung 1978 Leiterin der Tuberkulose-Fürsorgestelle Bergedorf.

Dr. Petersen, Jahrgang 1918, war vermutlich Homöopath. Er praktizierte wohl am Rappoltweg 3 in Lohbrügge, lebte bis 1971 an der Ernst-Mantius-Straße in Bergedorf und zog dann an den Schaumannskamp in Reinbek.Kontakt zu Andreas Babel: a.babel@cellesche-zeitung.de.