Bergedorf

Schnelle Hilfen für Geflüchteten von Moria gefordert

Mahnwache im Bergedorfer Sachsentor für Flüchtlinge.

Mahnwache im Bergedorfer Sachsentor für Flüchtlinge.

Foto: Arne Andersen

Bergedorfer Menschenrechtler fordern Aufnahme in Unterkünften des Bezirks. Am Sonnabend ist eine Großdemonstration geplant.

Bergedorf.  Ihre Zelte und Container sind verbrannt, auch ihre Papiere zur Weiterreise, auf die sie teils monatelang hatten warten müssen. Nach dem verheerenden Brand im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos sind schnelle Hilfen gefragt: Wo können die Menschen, die ihr weniges Hab und Gut verloren haben, jetzt hin? „Wir könnten ad hoc Tausende aufnehmen, denn nicht alle Unterkünfte sind ausgelastet, auch nicht in Bergedorf. Die sollten wir jetzt bitte nutzen“, sagt Girija Harland, Vorsitzende des Vereins „Bergedorfer für Völkerverständigung. Sie war erst am Sonnabend dabei, als eine Menschenkette mit gut 70 Aktivisten durchs Sachsentor zog und auf Plakaten forderte: „Moria jetzt evakuieren: Geflüchtete aufnehmen!“

Ob bei den Patenschaftprojekten des Vereins oder bei Begegnungen im „Haus für alle“ in Lohbrügge: „Wir hören von Geflüchteten immer wieder ihre Sorgen um Geschwister, Onkel und Tanten in Moria und anderen Lagern. Es ist für sie eine große Belastung, so wenig helfen zu können“, sagt Girija Harland, die auf jeder Kundgebung dieselbe Forderung aufstellt: „Es ist furchtbar. Wir müssen die Menschen aus dieser humanitären Katastrophe herausholen.“

„Bergedorf muss sich als sicherer Hafen erklären“

Auch Ingo Werth vom Verein „Resqship“ , der sich bereits als Käpitän auf dem Seenotrettungsschiff „Sea Watch“ im Mittelmeer engagierte, fordert deutlich: „Bergedorf muss sich als sicherer Hafen erklären und die Leute aufnehmen.“ Er erinnert daran, dass das Camp im Moria einst für 3000 Menschen gebaut wurde, inzwischen „aber mindestens 20.000 Menschen aus 24 Nationen dort leben – auch, wenn die Zahlen jetzt gerade auf 12.000 runtergekocht werden und es angeblich nach dem Brand keine Verletzten und Toten gibt“.

Unmögliche Zustände in den Latrinen, zu wenig frisches Trinkwasser und absolut keine Chance auf Corona-Abstandsregelungen: „Es war doch absehbar, dass das irgendwann zusammenbricht“, meint Werth, dessen Verein auf der Insel Lesbos schon längst eine mobile Arztpraxis betreiben wollte – gemeinsam mit dem Mainzer Verein „Armut und Gesundheit“, dem ein entsprechendes ein Fahrzeug gehört. „Mit dem deutschen Außenministerium haben wir sechs Monate lang verhandelt, bis uns die Griechen eine Genehmigung erteilten. Allerdings scheiterte es daran, dass man uns nicht versichern wollte, dass unsere Fahrzeuge mit einem vergleichsweise diplomatischen Status vor einer Beschlagnahme geschützt sind.“ Er weiß von einer anderen Hilfsorganisation, deren Wagen die (schlecht bezahlte) Polizei nicht herausgibt, ehe 6000 Euro bezahlt werden. „Bevor wir willkürlich beschlagnahmt irgendwo hinter einem Rathaus, Zollamt oder einer Polizeiwache abgestellt werden, sind wir jetzt lieber in Italien im Einsatz. Bei Sizilien hilft das Arztmobil den Flüchtlingen, die in der Landarbeit eingesetzt werden.“

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Großdemo am 12. September am Rathausmarkt geplant

Bei den nächsten Aktionen der Menschenrechtler wird die Hilfe für Griechenland im Vordergrund stehen: Geplant ist aktuell eine große Demonstration, die am Sonnabend, 12. September, um 14 Uhr auf dem Hamburger Rathausmarkt beginnt. Zahlreiche Mitglieder des Vereins „Fluchtpunkt Bergedorf“ und der Initiative „#unteilbar“ Bergedorf wollen teilnehmen – und haben Hoffnung: Zwar seien Hamburgs Unterkünfte ausgelastet, heißt es bei fördern & wohnen, so Sprecherin Susanne Schwendtke: „Allerdings hält die Innenbehörde noch Reserveplätze vor.“