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AG gibt Antworten: Wie geht es den Bergedorfer Senioren?

Edle Tropfen als Pralinen und in Flaschen sind gern genommene Preise beim Bingo-Wettbewerb im Seniorentreff.

Edle Tropfen als Pralinen und in Flaschen sind gern genommene Preise beim Bingo-Wettbewerb im Seniorentreff.

Foto: Marc Post

Seit Februar geht die neu gegründete „AG Senioren“ der Frage nach. Dem Sozialausschuss wurde nun ein erster Überblick präsentiert.

Bergedorf.  Wie geht es den Bergedorfer Senioren? Mit dieser Frage beschäftigt sich seit Februar die neu im Bezirksamt gegründete „AG Senioren“, da zuvor Zweifel aufkamen, ob das aktuelle Angebot überhaupt ausreicht und zeitgemäß ist. Einen ersten Überblick präsentierte nun Jan Smith dem Sozialausschuss. Der Leiter der Abteilung für integrierte Sozialplanung weiß um 24.081 Senioren (über 65 Jahre) im Bezirk, das sind immerhin 19 Prozent der Bevölkerung. „Und 7311 sind sogar über 80 Jahre alt. Manche Stadtteile wie Lohbrügge und Bergedorf-Nord sind wirklich überaltert. Hinzu kommt, dass in Bergedorf-West und Neuallermöhe viele Senioren auf Grundsicherung angewiesen sind“, so Smith.

„Viele Angebote für Senioren sind altbacken“

Immerhin 178 Angebote finden sich im aktuellen Seniorenwegweiser, darunter Beratungs- und Freizeitmöglichkeiten, Wohnangebote und Unterstützung im Alltag wie Fahrdienste, betreutes Reisen, Umzugsservice, Tagespflege und Mahlzeitendienste. Passen denn aber all die Angebote auch zum tatsächlichen Bedarf der Menschen? Jan Smith ist zufrieden: „Es passt relativ gut, bei normalem Gehen sind die meisten Angebote sogar fußläufig in 20 Minuten erreichbar“, fand er mit seiner „virtuellen Sozialraumkarte“ heraus – mit Blick vor allem auf Nachbarschaftstreffs, Vereine, Bürgerhäuser und Begegnungsstätten.

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Auch die drei Seniorentreffs, die ganz offiziell von Rahmenzuweisungen aus Hamburg profitieren, werden aufgeführt: Der Awo-Treff (derzeit im H4-Hotel), der DRK-Treff an der Leuschnerstraße und der Seniorentreff der Diakonie am Kurt-Adams-Platz. Abgesehen davon, dass nicht alles auf den Schultern von fleißigen Ehrenamtlichen lasten sollte und längst hauptamtliche, verlässliche Kräfte gefordert werden, scheint auch anderes im Argen zu liegen: „Viele Angebote sind altbacken, da muss ein Umdenken passieren. Ich jedenfalls will nicht Bingo spielen und ,An der schönen blauen Donau’ singen“, bringt es Brigitte Michiels-Lein aus dem Seniorenbeirat auf den Punkt. Davon fühle sich ihre Altersgruppe nicht angesprochen, so die 72-Jährige. „Leute in meinem Alter sind mobil und gesund. Die Medizin schafft es, uns in Takt zu halten. Und wir kommen auch mit der modernen Technik mit.“ So brauche es Treffs mit Internet-Anschluss, „wo man aber auch gemütlich Zeitung lesen und Menschen treffen kann“.

Offener Seniorentreff in Bergedorf-West erwünscht

„Was wollt ihr eigentlich?“ will das Bezirksamt die Senioren fragen und spricht von Quartiersnetzwerken: „Kooperationen mit Kita und Kirche wären wünschenswert, um die Generationen zusammenzubringen“, schlägt Jan Smith vor. Auch könnten sich die Besuchsdienste öffnen: „Die müssen ja nicht immer privat in der Wohnung stattfinden, man könnte auch zum interkulturellen Treff im Haus Brügge gehen.“ Auf jeden Fall stehe Qualität statt Quantität im Mittelpunkt: „Für einen vierten Seniorentreff im Bezirk gibt es keinen Bedarf.“

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Das hingegen sieht Karin Rogalski-Beeck ganz anders: „Wir brauchen auch einen offenen Seniorentreff in Bergedorf-West. Erst recht, wenn das Bürgerhaus Westibül abgerissen wird“, fordert die Vorsitzende des Seniorenbeirats. Hier seien neue Ideen gefragt: „Wir brauchen in Bergedorf-West ein Begegnungszentrum für Menschen aller Kulturen und jeden Alters.“

Wie geht es weiter? Nun sollen weitere Senioren befragt werden, auch Deutsche aus Russland und die griechische Gemeinde. „Wir haben uns vorgenommen, zweimal jährlich einen Sachbericht zur offenen Seniorenarbeit vorzulegen“, verspricht Sozialplaner Jan Smith.