Frau schwer verletzt

Brutaler Beziehungsstreit legt S 21 lahm

Polizisten nehmen an der S-Bahn-Station Nettelnburg den Tathergang auf. Hinter dem Sichtschutz wird die 30-Jährige behandelt.

Polizisten nehmen an der S-Bahn-Station Nettelnburg den Tathergang auf. Hinter dem Sichtschutz wird die 30-Jährige behandelt.

Foto: Carsten Neff / NEWS & ART

Vor den Augen der kleinen Tochter schlägt 31-Jähriger in der S-Bahn auf seine Lebensgefährtin ein. Zug wird in Nettelnburg gestoppt.

Bergedorf. Ein blutiger Beziehungsstreit hat am Sonnabend um 20.30 Uhr den S-Bahn-Verkehr zwischen Bergedorf und Hamburg Hauptbahnhof für mehr als eine halbe Stunde lahmgelegt. Ein 31-Jähriger hatte im Zug so brutal auf seine Lebensgefährtin (30) eingeschlagen, dass andere Fahrgäste dazwischen gingen, die Polizei alarmierten und der Zugführer die Bahn an der Station Nettelnburg stoppte.

Streit beginnt schon am Bahnhof Bergedorf

Vor den Augen der Passagiere war das junge Paar in der voll besetzten S 21 schon am Bahnhof Bergedorf aneinandergeraten. Die beiden hatten nebeneinander in einer der Sitzgruppen gesessen, die gemeinsame Tochter befand sich neben ihnen in der Kinderkarre im Gang.

Nasenbeinbruch, Schädel-Hirn-Trauma und Platzwunde

Der anfangs verbale Streit des Bergedorfer Paars mit afghanischen Wurzeln wurde schnell lauter und schlug schließlich in Gewalt um: Der Mann schlug mit den Fäusten auf den Kopf seiner Lebensgefährtin ein. Die Wucht seiner Hiebe war so heftig, dass die Frau vom Sitz in den Gang stürzte, wo er sie weiter mit gezielten Schlägen bearbeitete. Die 30-Jährige erlitt einen Nasenbeinbruch, ein Schädel-Hirn-Trauma und eine Platzwunde am Auge.

Junger Fahrgast stoppt prügelnden Mann

Ihr Lebensgefährte ließ erst von ihr ab, als ein junger Mann aus dem Kreis der geschockten Fahrgäste eingriff. Ihm gelang es, die Prügelattacke zu beenden und den Mann zu beruhigen. Als der Zug an der Station Nettelnburg stoppte, ließ sich der 31-Jährige widerstandslos von den dort bereits wartenden Polizisten aus dem Zug führen.

Auf dem Bahnsteig: Behandlung und Verhör parallel

Auch die Frau wurde auf den Bahnsteig gebracht, wo sie von einer Rettungswagenbesatzung versorgt und schließlich zur stationären Behandlung ins Bethesda Krankenhaus gebracht wurde. Nur durch eine Rettungsdecke als Sichtschutz von ihr getrennt, stellte sich ihr Partner noch auf dem Bahnsteig dem Verhör durch die Polizei. Er wurde schließlich wieder auf freien Fuß gesetzt, muss sich demnächst aber wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht verantworten. Die Tochter blieb bei der Mutter.

Zeugin (16) erleidet Schock

Die Szenen in der Bahn waren so brutal, dass sogar noch ein zweiter Rettungswagen gerufen werden musste: Auf dem Bahnsteig rang eine 16-jährige Zeugin nach Luft. Sie wurde von den Sanitätern vor Ort behandelt und schließlich in die Obhut ihrer Mutter übergeben.

Polizei wertet jetzt Video-Aufzeichnungen der Zug-Kamera aus

Um den genauen Hergang der Tat nachzuzeichnen, hat die für die
S-Bahn zuständige Bundespolizei umfangreiche Ermittlungen gestartet. „Vor Ort auf dem Bahnsteig wurden diverse Zeugenaussagen aufgenommen. Jetzt sind wir dabei, das Videomaterial aus dem Zug auszuwerten“, sagte Bundespolizei-Sprecher Rüdiger Carstens gestern.