Bergedorf

So lässt sich das Hitze-Wochenende überstehen

So lässt es sich aushalten an den Hundstagen: Solveig Weber aus Aumühle und ihr Sohn Linus gleiten – sitzend – mit einem Stehpaddelboot auf der Bille durch das Bergedorfer Gehölz.

So lässt es sich aushalten an den Hundstagen: Solveig Weber aus Aumühle und ihr Sohn Linus gleiten – sitzend – mit einem Stehpaddelboot auf der Bille durch das Bergedorfer Gehölz.

Foto: Thomas Voigt

Der Sommer ist da: Temperaturen steigen am Wochenende auf über 30 Grad. Wir geben Tipps für kühle Orte, Gesundheit und Pflanzenpflege.

Bergedorf. Das wird ein Hitze-Wochenende: Ab heute steigen die Temperaturen in Bergedorf und Umgebung auf 30 Grad oder höher. Wetter-Experte Dominik Jung erwartet sogar noch mehr: „Bis nächsten Donnerstag gibt es täglich Temperaturen von 31 bis 33 Grad – das astronomische Maximum von 13 bis 14 Sonnenstunden inklusive.“

Die Ozonwerte werden sich stark erhöhen, der UV-Index steigt auf Stufe 6 bis 7, was der höchste Wert in unseren Breitengraden ist und dringend Schutzmaßnahmen erfordert. Und natürlich bleibt es bis mindestens Donnerstag völlig trocken. Was also tun, um der Hitze zu trotzen, den Garten und die Haustiere zu schützen? Wir haben Mediziner, Pflanzen- und Tierexperten befragt und uns auch auf die Suche nach Bergedorfs kühlsten Plätzen gemacht (siehe Kasten rechts).

Tipps für die Gesundheit

Dr. Peter Baltes, Chefarzt der Notaufnahme des Bethesda Krankenhauses, rät: „Von morgens an mehr als sonst trinken, vor allem Mineralwasser und ungesüßte Tees. Die Sonne meiden, trotzdem aber Sonnenschutz mit hohem Faktor auf die Haut auftragen und den ganzen Tag über nachcremen.“ Wer das Haus verlässt: Kopfbedeckung nicht vergessen, bei Kindern mit Nackenschutz. Den Körper sollte man mit leichter Kleidung schützen. Sport und andere Aktivitäten, wie etwa Gartenarbeit, legt man am besten in die frühen Morgenstunden. Da ist es noch schön kühl, und die Ozonwerte sind niedrig.

Besonders gefährdet sind bei extremer Hitze neben kleinen Kindern schwangere Frauen mit Vorerkrankungen, Personen mit chronischem Herzleiden oder auch ältere Menschen. Sie sollten das Haus erst abends verlassen, wenn es deutlich abgekühlt ist. Die Ozonwerte sind dann jedoch belastender.

Grundsätzlich gilt: In der größten Tageshitze mittags sollte körperliche Arbeit vermieden werden. Hier empfiehlt es sich, in kühlen, verdunkelten Räumen eine Siesta zu halten oder einen anderen kühlen Ort zum Verweilen zu finden. Kühlung verschaffen unter anderem kalte Wickel oder ein Fußbad, nicht kälter als

15 Grad. Als kalte Wickel dient etwa ein feuchtes Tuch im Nacken, an den Handgelenken oder den Beinen. Durch die Verdunstungskälte wird der Körper gekühlt. Spezielle Kühlpads sind hier unnötig.

Das Auto ist kein guter Aufenthaltsort, weshalb Peter Baltes von der Fahrt an die überfüllten Ostseestrände abrät. Zudem sei es ratsam, um Erkältungen vorzubeugen, die Temperatur der Klimaanlage nie mehr als sechs Grad von der Außentemperatur abweichen zu lassen. Niemals sollten Kleinkinder im Auto gelassen werden, auch nicht ganz kurz. Sie erleiden schnell einen Hitzschlag.

Ausdrücklich warnt Notfall-Mediziner Baltes vor Badeunfällen. Der Körper sei durch die allgemeine Hitze stark belastet. Daher passiere es gerade versierten Schwimmern, dass sie von der plötzlichen Schwäche ihres Körpers überrascht werden. So komme es bei heißem Wetter häufiger zu Badeunfällen. Auch der Sprung ins kühle Nass kann wegen verschiedener Kälteschichten lebensbedrohlich werden.

Besonderer Schutz für Haustiere

Tierärztin Dr. Ulrike Ewe von den Kleintierspezialisten Bergedorf am Brookdeich rät: „Allen Tieren ständig freien Zugang zum Wasser ermöglichen. Hunde niemals allein im Auto lassen. Spaziergänge nur am frühen Morgen und am späten Abend, mittags nur kurz raus für die Notdurft.“ Beim Fahrradfahren mit dem Hund unbedingt vermeiden, dass er über den heißen Asphalt läuft, dies verursacht schlimme Blasen unter der Hornhaut. Abkühlung bringt den Hunden eine feuchte Decke zum Drauflegen oder ein Hundepool. Vom Baden in den heimischen Seen und im Meer sollte man wegen der Blaualgen absehen. Anders als Menschen nehmen Hunde über ihr Fell deutlich größere Mengen giftiger Stoffe auf.

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Katzen mit sehr hellem Fell können an den Ohren Sonnenbrand bekommen, daher sollten sie mit speziellem Sonnenschutz für Katzen geschützt werden, der in Zoohandel oder Internet erhältlich ist. Auch Pferde können auf heller oder rosa Nüster Sonnenbrand bekommen und sollten eingecremt werden.

Für Kleintiere wie Kaninchen im Außengehege gilt, dass sie zwingend die Möglichkeit brauchen, sich an schattige Orte zurückzuziehen. Ein kleiner Unterschlupf reicht nicht. Kaninchen kommen mit Hitze viel schlechter zurecht als mit Kälte. Sollte eine Fahrt zum Tierarzt nicht aufschiebbar sein, dann den kürzesten Weg nehmen, das Auto vorher kühlen und Kühlakkus unter die Liegedecke legen.

Pflanzen auf Balkon und im Garten

Gärtnerin Christina Heuer vom Blumenpavillon Burmester an der August-Bebel-Straße: „Da die typischen, im Frühjahr gepflanzten Sommerblumen inzwischen gut verwurzelt sind, haben sie einen hohen Wasserbedarf. Es empfiehlt sich, vor allem morgens zu gießen, weil die Pflanze dann genug Zeit hat abzutrocknen und nicht feucht in die Nacht geht, wodurch Pilzerkrankungen gefördert werden. Tagsüber nur im Notfall gießen.“

Sollte eine Pflanze mal besonders trocken geworden sein, empfiehlt es sich, sie einige Minuten zu tauchen und danach gut abtropfen zu lassen. Tagsüber die Pflanzen möglichst von unten gießen, da gerade dickfleischigere Blätter sonst leicht einen Sonnenbrand bekommen. Einige für Pilzerkrankungen besonders anfällige Pflanzen wie beispielsweise Tomaten mögen es so generell am liebsten.

Besonders viel Wasser benötigen Hortensien, Petunien, Fuchsien. Auch bei den Nutzpflanzen mögen es Zucchini und Gurke besonders gerne feucht, wobei die Gurke sich sogar über reichlich Wasser auf den Blättern freut. Etwas weniger Wasser mögen alle dickfleischigen Pflanzen wie Sukkulenten, flammendes Kätchen, fette Henne und Begonien.

Während Pflanzen wie die Hortensie eher den Schatten und der Sonnenhut eher die Sonne bevorzugen, hat die Clematis ganz eigene Ansprüche. Ihre Blüten und Blätter lieben die Sonne, während ihr Fuß stets beschattet werden möchte.

Kühle Orte im Bezirk Bergedorf:

Bergedorfer Gehölz: Der rund zwei Quadratkilometer große Mischwald aus zumeist Buchen und Eichen und den zwei neu angelegten Blühwiesen ist ein wunderbarer Ort zum Schlendern und Verweilen. Die Buslinie 235 Richtung Reinbek fährt direkt an die grüne Lunge Bergedorfs, etwa zur Haltestelle Höppnerallee. Durch das Gehölz ist es in Bergedorf immer ein paar Grad kühler als im übrigen Hamburg, berichtet ein Mitarbeiter der Försterei.

Bergedorfer Schloss: Kühle Mauern findet man im Bergedorfer Schloss. Neben der derzeit laufenden Ausstellung „Protest in Bergedorf“ empfiehlt Museums-Chefin Schanett Riller die Ausstellung der Künstlergruppe Tsetse. Sie lädt ein zum Mitmachen und Erleben und bietet viele interessante Exponate. Bei der Tablet Rallye haben Kinder die Möglichkeit, mit kostenlos ausgeliehenen Tablets die Ausstellungen auf ihre ganz eigene Art zu entdecken.

Bootshaus Bergedorf: Beim Bootshaus kann man Kraft tanken und abschalten, gleichzeitig die Natur an der Bille genießen. Der Kaltwasserfluss entspringt mit acht Grad Celsius an seiner Quelle und bleibt durch die üppige Beschattung ein kaltes Gewässer. Auf den sechs Kilometern Richtung Reinbek kann man das alte Wasserwerk und die ehemalige Billebrauerei sehen. Verliehen werden Kajaks, Kanus, Tretboote und Stand Up Paddling in verschieden Größen. Schwimmwesten und Gewässerkarte gibt es gratis dazu.

CCB: Wer Besorgungen machen möchte, ist im gut klimatisierten CCB an einer passenden Adresse. Denn auch hier ist es immer angenehm temperiert – sechs Grad kühler als außerhalb. Die Luft aus den 33.000 Quadratmetern der klimatisierten Ladenlokale kühlt auch die Ladenstraße. Die Luft ist zusätzlich von Staub gefiltert und entfeuchtet, was die gefühlte Temperatur noch senkt.