Corona

52 Prozent Masken-Muffel in Bergedorfs Bussen und Bahnen

Daniela-Nadiné Kämmerer startet mit dem 124er zum Masken-Test in Bus und Bahn.

Daniela-Nadiné Kämmerer startet mit dem 124er zum Masken-Test in Bus und Bahn.

Foto: Ulf-Peter Busse

Unter der Nase, unterm Kinn oder ganz blank: Die Maskenpflicht in Bus und Bahn wird immer häufiger ignoriert. Eine Testfahrt.

Bergedorf. Die Maskenpflicht in Bus und Bahn wird immer häufiger ignoriert. Das berichten besorgte Senioren, die täglich auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen sind, neuerdings regelmäßig unserer Redaktion. Ein Eindruck, den der gestrige Test unserer Mitarbeiterin Daniela-Nadiné Kämmerer bestätigt: Während Hamburgs Verkehrsverbund (HVV) von „mehr als 95 Prozent Fahrgästen mit Maske“ spricht, traf sie bei ihrer zweistündigen Tour mit öffentlichen Verkehrsmitteln im Bezirk auf mehr als 50 Prozent ohne Schutz. Auch die angeblich regelmäßigen Ansagen in Bussen, Bahnen und auf Bahnsteigen hörte sie nur ein einziges Mal.

Die typischen Ausreden der Masken-Muffel gestern lauteten: „Ich kann darunter nicht richtig atmen“; „Es ist mir einfach zu warm“; „Beim Telefonieren versteht man mich sonst so schlecht“; oder: „Ich habe keine Angst vor Corona“. Dabei wird offenbar die Konsequenz dieses Handelns ausgeblendet. Ein Fahrgast, der ohne Maske im Bus saß, ließ sich in epischer Breite über das Fehlverhalten der anderen aus, ohne zu bemerken, dass er gerade selbst ohne Maske dasaß. Er machte sogar andere auf ihr Fehlverhalten aufmerksam.

Fahrlässig waren zumeist die Männer mittleren Alters

Unsere Testfahrt begann gestern um 10.47 Uhr mit der Linie 124 an der Haltestelle Lehfeld in Richtung Bahnhof Bergedorf. Weiter ging es mit der S 21 bis Mittlerer Landweg und wieder zurück bis zur Station Nettelnburg. Von dort mit der Linie X 30 bis Bergedorf ZOB, dann weiter mit dem 136er bis Haltestelle Binnenfeldredder, mit dem 234 bis Bergedorf-West, wieder zurück zum ZOB mit der Linie 235 und schließlich mit dem 8800 bis vor die Tür unseres Verlagshauses, wo die Tour exakt um 13.01 Uhr endete.

Insgesamt haben wir 191 Fahrgäste gezählt, wovon 86 die Maske unter der Nase, neun unter dem Kinn und sechs gleich gar keine Maske trugen. Zusammen sind das 52 Prozent ohne Schutz. Unterwegs war zur Mittagszeit eine bunte Mischung aus Schülern, Rentnern und Müttern mit Kindern. Fahrlässig im Schutzverhalten waren zumeist die Männer mittleren Alters, aber auch einige ältere Menschen und sogar ein paar Mütter. Nur die Schüler verhielten sich vorbildlich.

In Schleswig-Holstein sollen Maskenverweigerer in Bussen und Bahnen künftig ein Bußgeld von 150 Euro bezahlen. Das beschloss die Landesregierung gestern. Hamburg belässt es vorerst bei der Androhung, ein Bußgeld zu beschließen. 750 Kontrolleure im Verkehrsverbund HVV sollen verstärkt auf das Maskentragen achten.

Unsere Umfrage:

Während Schleswig-Holstein jetzt mit 150 Euro Bußgeld gegen notorische Maske-Muffel in Bus und Bahn vorgeht, bleibt Hamburg zurückhaltend: „Die Mitarbeiter unseres Prüfdienstes sind ab sofort verstärkt unterwegs, ebenso die Kollegen bei der Hochbahn und die S-Bahn-Wache“, sagt Christine Sluga, Sprecherin der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH). „Sie haben die Anweisung, alle Fahrgäste auf das korrekte Tragen von Masken hinzuweisen. Wer das nicht einsieht wird geben, an der nächsten Haltestelle auszusteigen. Notfalls ziehen wir dann die Polizei hinzu.“

Auch das fehlerhafte Tragen der Masken ist kein Kavaliersdelikt, unterstrich gestern ein S-Bahn-Sprecher: „Unsere automatischen Ansagen sind gerade nochmal verändert worden. Sie machen jetzt klar, dass der Mund-Nasen-Schutz wirklich über Mund und Nase getragen werden muss, um den gewünschten Schutz zu entfalten.“ Bei den Fahrgästen erzeugt der lockere Umgang einiger mit der Maskenpflicht Ängste: „Das ist rücksichtslos. Es geht ja gerade nicht darum, sich selbst zu schützen, sondern die anderen.“ sagt Mohadedsseh Arbabzadeh (18), die als Schülerin am Gymnasium Bornbrook regelmäßig Bus fährt.

„Selbst junge Eltern sitzen oft ohne Maske in Bus oder Bahn. Und wenn dann mal eine Durchsage kommt, passiert auch nix. Es kontrolliert ja doch keiner“, beschwert sich Liane Gröning, die selbst in der Krankenpflege arbeitet und nie auf die Maske verzichten würde.

„Ich nutze die Maske konsequent von Anfang an. Besonders erschreckend finde ich, dass oft auch ältere Menschen keinen Schutz tragen“, sagt Seniorin Hildegard Kreft aus Nettelnburg.