Bergedorf

So schön war der Urlaub im Corona-Sommer

Ferienrückkehrer Laurenz (15, l.) und Louis Busse (17) auf Wandertour im bayerischen Alpenland.

Ferienrückkehrer Laurenz (15, l.) und Louis Busse (17) auf Wandertour im bayerischen Alpenland.

Foto: Thomas Voigt

Reiselustige aus Bergedorf und Umgebung schildern, was in diesem Jahr anders war als sonst – und manchmal sogar besser.

Bergedorf. Es war riskant, in diesem Sommer eine Urlaubsreise zu buchen. Kaum ein Kunde konnte sicher sein, ob bei mitunter wöchentlich neuen Regularien die Reise nicht im letzten Moment storniert wird. Und: Erst gestern ist am Hamburger Flughafen für zurückkehrende Reisende ein Corona-Testzentrum installiert worden.

„Wer sich auf den Weg gemacht hat, wurde belohnt – mit leeren Stränden, herrlicher Ruhe im Hotel und ausnehmend freundlichem, entspanntem Personal“, sagt Gisela Matscheck von „Ihr Privates Reisebüro“ in Bergedorf. Sie hat nur positive Rückmeldungen von Kunden, die bereits wieder hier sind. Ebenso geht es Susann Hamann vom Tui-Reisebüro: „Die zusätzlichen Formalitäten wie Online-Registrierungen sind sehr einfach und waren für keinen unserer Kunden eine Hürde. Und fast jeder hat heute ein Smartphone, sodass die Veranstalter ihm noch während der Reise aktuelle Informationen liefern können.“

Familie Schulz buchte zehn Tage Rhodos

Ihre Kunden Käte und Jörg Schulze aus Bergedorf hatten zehn Tage Rhodos gebucht, flogen mit zwei Enkelkindern dorthin. „Es war super entspannt und komfortabel“, schwärmt Käte Schulze. „In unserer Hotelanlage, wo sonst 1200 Leute reinpassen, waren in den ersten Tagen im Restaurant nur zehn Tische besetzt. Und wir haben spontan ein kostenloses Upgrade bekommen: Appartement mit eigenem Pool und Meerblick. Beim Büfett gab es keine Selbstbedienung, sondern das Personal hat nach Wunsch die Teller belegt. Und die haben sich irrsinnig viel Mühe gegeben.“ Auf Ausflüge hat Familie Schulze in diesem Jahr allerdings lieber verzichtet: „Wir waren die ganze Zeit in der Anlage, aber es hat uns an nichts gefehlt.“

Stammkundin Anja Kirys hat Gisela Matscheck die Besonderheiten des Fliegens in Zeiten von Corona beschrieben. „Eingestiegen wird einzeln, erst die Fensterplätze, dann die Mitte, dann der Gang. Und aussteigen funktioniert dann reihenweise von vorn nach hinten.“ Essen und Getränke kommen nicht wie sonst automatisch, können aber nach dem Druck auf die Stewardess-Taste bei einer der Damen bestellt werden.

Zwei Reinbeker radelten an der Ostseeküste entlang

Birgit und Detlef Ohlsen aus Glinde sind vor wenigen Tagen von einem der ersten Kreuzfahrtschiffe zurückgekehrt, die wieder ausliefen: „Mit ,Mein Schiff’ waren wir drei Tage unterwegs.“ Eine dreitägige Mini-Kreuzfahrt von Hamburg zum norwegischen Kristiansand und wieder zurück. „Landgang gab es wegen Corona nicht, aber wir hätten uns auch nicht getraut“, erzählt die Glinderin. „An Bord hat aber alles gut geklappt, Passagiere und Crew waren mit ihren Masken sehr diszipliniert. Und Stationen mit Desinfektionsmittel gab es diesmal noch mehr als ohnehin schon auf Kreuzfahrtschiffen.“ Das Ehepaar genoss in vollen Zügen, dass es so viel Platz auf dem Dampfer hatte: 1200 Passagiere fuhren mit, 2800 Plätze gibt es normalerweise: „Das fühlte sich so an, als wäre doppelt so viel Personal im Dienst.“ Im Schiffstheater blieb jede zweite Reihe frei, Trampolinspringen und Shuffleboardspiel gab es nur mit Maske, obwohl an frischer Luft.

Holger Kehl und Dagmar Studier aus Reinbek warfen eine geplante Englandreise sicherheitshalber über Bord, radelten lieber an der Ostseeküste in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. „Wir brauchten kein Hotel, konnten das Ferienhaus meiner Eltern in Sierksdorf nutzen“, beschreibt Kehl. „Und wir haben immer einen Bogen um größere Menschenmengen gemacht.“ Die Radtouren wurden Tag für Tag länger, die beiden Urlauber immer besser trainiert. „Am letzten Tag sind wir von Sierksdorf nach Boltenhagen und wieder zurück geradelt“, sagt Holger Kehl. „Mehr als 100 Kilometer, ein richtiger Ritt.“

Familie Busse wanderte in Deutschland

Isabell Busse aus Bergedorf ist im Juli mit Ehemann und zwei Söhnen in den Alpen gewandert. „Das haben wir schon im letzten Jahr gemacht, sind von Deutschland nach Österreich rüber“, sagt sie. „Diesmal sind wir lieber in Deutschland geblieben, Stützpunkt war eine Ferienwohnung in Tegernsee. Da haben wir uns auch verpflegt und Restaurants lieber gemieden.“

Gewandert ist auch der Bergedorfer Christopher Benson mit seiner Freundin, allerdings in Österreich: „Wegen Corona haben wir nur ein ganz kleines Hotel im Dorf Leogang bei Salzburg genommen.“

Reise storniert: Jeder Dritte wartet noch auf sein Geld

Etwa jeder dritte Deutsche, dessen Reise coronabedingt vom Veranstalter abgesagt wurde, wartete Ende Juli noch auf die Erstattung des Reisepreises. Das ergab eine Blitzumfrage der Social-Shopping-Plattform „MyDealz“ unter 1200 Verbrauchern. In fast jedem zweiten Fall (46,46 Prozent) haben die Tourismusunternehmen den Reisepreis zurückerstattet, in 18,5 Prozent der Fälle nur einen Gutschein ausgestellt. 16,14 Prozent der Befragten erklärten, der Reiseanbieter hätte zumindest schon angekündigt, den für die ausgefallene Reise bezahlten Betrag erstatten zu wollen. 7,09 Prozent haben einen vom Reiseanbieter angebotenen Gutschein abgelehnt und nur in 6,3 Prozent der Fälle hat sich der Reiseanbieter bislang geweigert, den Reisepreis zu erstatten. tv