Lohbrügge

So ein Ford Mercury hat vorn Platz für drei

Ami-Oldtimer von Christoph Peske und Hanna Johnsson

Ami-Oldtimer von Christoph Peske und Hanna Johnsson

Foto: Thomas Voigt

Hanna Johnsson und Christoph Peske haben ein ungewöhnliches Hobby: Sie fahren in einem mehr als 50 Jahre alten US-Oldtimer spazieren.

Lohbrügge.  So ein alter Ami-Schlitten, ein Straßenkreuzer aus längst vergangenen Zeiten, davon hatte Christoph Peske (49) aus Lohbrügge schon mehr als 20 Jahre geträumt. „Wenn nicht jetzt – wann dann?“ fragte ihn irgendwann seine Freundin Hanna Johnsson. „Hol’ Dir doch einfach mal so einen Schlitten.“

So populär wie bei uns der VW-Käfer

Gemeinsam mit einem fachkundigen Freund fuhr der gelernte Elektro-Installateur nach Siek bei Ahrensburg, entschied sich für einen hellblauen Ford Mercury, Baujahr 1969. „Der war damals in den USA so weit verbreitet wie bei uns der VW Käfer, daher gibt es für ihn heute noch genügend Ersatzteile“, sagt er. 40.000 Meilen auf dem Zähler, das sind etwa 65.000 Kilometer, zwei Jahre TÜV – 8000 Euro legte Peske für den 5,70 Meter langen und 2 Meter breiten Wagen hin. Im Jahr 2018 war das. Bis heute hat Peske keine Sekunde bereut.

Spaß-Mobil braucht mindestens 20 Liter auf 100 Kilomeer

„Es ist ein Spaß-Mobil“, sagt der Lohbrügger klipp und klar. Denn genau genommen braucht er überhaupt kein Auto. „Hier in Lohbrügge kann ich alles zu Fuß erreichen, und auch zur Arbeit am Achterdwars ist es nicht weit.“ Im Mercury macht er mit seiner Hanna regelmäßig Spazierfahrten – zur Oldtimer-Tankstelle in Rothenburgsort, zum Zollenspieker Fährhaus oder mal nach Timmendorf an der Ostsee.

6,4-Liter-Motor mit 410 PS

„Weiter sind wir bisher noch nicht gefahren“, sagt Peske und berichtet vom großen Durst, den sein Liebling aus viel Chrom und Blech an den Tag legt. Der riesige 6,4-Liter-Motor leistet 410 PS, benötigt mindestens 20 Liter Super Plus auf 100 Kilometer. Mit dem 80-Liter-Tank bedeutet das gerade mal 400 Kilometer Reichweite. „Und wenn du ihn schnell fährst, dann kannst du richtig zusehen, wie die Tankuhrnadel sich nach links bewegt“, beschreibt er. Bis zu 115 Meilen pro Stunde (etwa 185 km/h) schafft es der Mercury laut Tacho, Aber sein Besitzer bleibt lieber unter Tacho 100, fährt außerdem immer rechtzeitig zur Tankstelle: „Wenn der Sprit ausgeht, setzt auch die Servolenkung aus, und das möchte ich nicht erleben. Da brauchst du richtig Kraft zum Lenken.“ Und manchmal, weil es den Ventilen gut tut, bekommt das Auto an Sonntagen ein Leckerli für den Tank: Power-Sprit mit 100 oder mehr Oktan, der bis zu 1,80 Euro pro Liter kostet und den es nicht an jeder Tankstelle gibt.

Motorradfahrer winken und blinken

Christoph Peske und Hanna Johnsson genießen es, wenn sie beim Aus- und Einsteigen angesprochen und nach dem Oldie befragt werden. „Ältere Leute, die solche Autos noch von frühere kennen, aber auch viele Motorradfahrer finden das Auto klasse. Viele winken uns zu oder blinken uns an“, freut sich die Beifahrerin.

Beim Mercury kann man noch selbst schrauben

Weiterer Vorteil eines solchen Chromveteranen ist für Christoph Peske, dass man vieles selbst reparieren kann. „Da ist alles noch mechanisch und mit gesundem Verstand nachvollziehbar – ohne all den elektronischen Schnickschnack, den die heutigen Autos haben.“ Im vergangenen Herbst musste er feststellen, dass der Wagen Öl verliert. Er wechselte mit einem Freund das Getriebe aus: „200 Kilo – hätte ich allein nicht gepackt.“