Falscher Handwerker

77-jährige Lohbrüggerin wird Opfer eines Trickbetrügers

Machte leider dem falschen Monteur die Haustür auf: Renate M. möchte andere vor dem äußerst charmanten Trickbetrüger warnen.

Machte leider dem falschen Monteur die Haustür auf: Renate M. möchte andere vor dem äußerst charmanten Trickbetrüger warnen.

Foto: Jan Schubert

Warnung vor falschem Heizungsmonteur: Opfer (77) verliert Bargeld und einen Ring. Täter ist auffällig charmant und umgarnt die Frau.

Lohbrügge. Vergangener Donnerstag etwa um 11 Uhr: Gerade steht Renate M. am Küchenfenster ihrer Zwei-Zimmer-Wohnung, als draußen vom Fußweg ein Mann ihr freundlich zuwinkt und gestikuliert, sie möge bitte die Wohnungstür öffnen. Der Rentnerin kommt das Gesicht bekannt vor: „Der war doch schon mal da, hat vor einem Jahr die Heizungen geprüft“, denkt die 77-Jährige. Mittlerweile weiß sie, dass sie in den folgenden Minuten Opfer eines Trickbetrügers wurde. Und das nagt an ihr: „Das kann ich mir nicht verzeihen, den reingelassen zu haben.“

Täter blieb unbeobachtet

Die Masche des Unbekannten ist ebenso perfide wie typisch: Er gibt sich als „Heizungsmonteur“ aus, der die Thermostate überprüfen muss. Dazu kontrolliert er den Heizkörper im Wohnzimmer, während Renate M. im Schlafzimmer die einzelnen Temperaturstufen einstellen soll, dann tauschen sie die Positionen. Der Täter, das ist jetzt klar, sucht, als er unbeobachtet ist, nach Wertsachen. M. kommt glimpflich davon, am Ende fehlen „nur“ 30 Euro Bargeld und ein Ring.

Vertrauensvolle Fragen

Auffällig ist die Vertrautheit, mit welcher der Täter (35 bis 40 Jahre alt, etwa 1,70 Meter groß, korpulent mit dunklen zurückgekämmten Haaren, mit Mundschutz aber ohne Monteurkleidung) Renate M. umgarnt. Er fragt beispielsweise nach Kater „Benni“, der erst im Mai verstorben war. „Er war höflich. Wegen der Frage nach dem Kater bin ich sicher, dass er schon mal bei mir war“, sagt die Geschädigte, die damals den Mann nicht aus den Augen ließ.

Jetzt beim zweiten Besuch legt der charmante Monteur seinen Arm um die Lohbrüggerin, nennt sie „liebe Frau“ oder „Schatzi“, streicht ihr gar über den Rücken. Das geht Renate M. deutlich zu weit, sie dreht sich weg. Nach einer halben Stunde verschwindet der vermeintliche Ableser.

Aus der Handtasche fehlt Geld

Als er fort ist, packt Renate M. die Verunsicherung: Bei der Hausverwaltung weiß niemand etwas von einer Kontrolle, normalerweise werden Handwerker postalisch oder per Aushang angekündigt. Schnell merkt sie, dass Geld aus ihrer Handtasche fehlt. Angezeigt hat die 77-Jährige den Besuch des falschen Monteurs leider erst Tage später. M. sagt jetzt: „Ich will andere vor diesem Betrüger warnen.“

431-mal falsche Handwerker gemeldet

Zwar sieht die Polizei aktuell keine signifikante Häufung in Bergedorf, was falsche Handwerker oder Polizisten anbetrifft. Doch durch Haustürbetrüger entstand 2019 hamburgweit ein Sachschaden von 1,31 Millionen Euro in 878 angezeigten Fällen. Den Löwenanteil mit 431 Versuchen machen falsche Handwerker aus. Deutlich rückläufig ist die Lage in diesem Jahr (Stand 24. Juli): Bei 359 Betrugsversuchen erbeuteten die Täter bisher Güter im Wert von 361.000 Euro. „Während der Corona-Einschränkungen gab es einen spürbaren Einbruch bei den Fallzahlen, einhergehend mit den Lockerungen steigen diese aber wieder ran“, sagt Florian Abbenseth von der Hamburger Polizei.