Lohbrügge

Diamantpreis ist niedriger als vor 15 Jahren

Zieroth-Mitarbeiterin Sybille Petterson zeigt ein Collier mit eingearbeiteten Diamanten. Auch Petterson kann die Edelsteine bewerten, hat ihre Lupe gleich griffbereit.

Zieroth-Mitarbeiterin Sybille Petterson zeigt ein Collier mit eingearbeiteten Diamanten. Auch Petterson kann die Edelsteine bewerten, hat ihre Lupe gleich griffbereit.

Foto: Jan Schubert

Corona schränkt Minenproduktion ein. Juweliere wie Burkhard Zieroth kaufen Edelsteine auf. Extrapreis für eingearbeitete Diamanten.

Lohbrügge. Der Wertzuwachs war atemberaubend: Seit den 1960er-Jahren hat sich der Preis für Einkaräter-Diamanten in der besten Qualität nach Aufzeichnungen des „International Diamond Exchange“ (IDEX) verzehnfacht. Doch nun hat die Corona-Krise auch Auswirkungen auf diesen Markt. Weil Juweliere weltweit zeitweilig schließen mussten und Minenbetreiber die Produktion runterfuhren, sackte der Durchschnittspreis für Ein-Karat-Diamanten Anfang Mai 2020 auf das niedrigste Niveau seit 15 Jahren: 5720 US-Dollar (Durchschnittswert sonst 7890 US-Dollar).

Auch Burkhard Zieroth, Geschäftsführer von „Juwelier Zieroth“ in der Alten Holstenstraße 22-24, ist ein Kenner der Könige der Edelsteine. Das ist bei dem 74-Jährigen, der jüngst die Geschäftsführung der Filiale im Sachsentor an Tochter Tanja übergab, nicht so dahergesagt: Seit 2. Juni 1978 darf sich Zieroth senior offiziell Diamantgutachter nennen. Jetzt sollen auch seine Kunden davon profitieren, denn seit Kurzem werden in beiden Juwelier-Filialen auch Diamanten von Privatleuten angekauft.

Bereits 100 Exemplare in Zahlung gegeben worden

„Wir sind seit 30 Jahren im Edelmetallhandel“, begründet Zieroth die Sonderaktion, „unsere sauberen Bewertungen haben sich herumgesprochen.“ Der Clou: Für eingearbeitete Diamanten im Schmuckstück, sei es ein Silberarmreif, eine Goldbrosche oder ein Platincollier, zahlt Zieroth einen Extrapreis. Was sich für Kunden lohnen kann, denn: „Diamanten sind manchmal viel wertvoller als das Schmuckstück selbst.“ Etwa 100 Exemplare sind bereits in Zahlung gegeben worden, der teuerste Diamant war immerhin 6000 Euro wert.

Experte Burkhard Zieroth kann echte von synthetischen Diamanten und Imitationen mit dem fachmännischen Blick und mithilfe der Zehnfach-Lupe unterscheiden. Es gehört zur Grundausbildung eines Diamantengutachters, dass er bei der Bewertung der Edelsteine die vier englischen „C“ verinnerlicht: „clarity“ (Reinheit), „colour“ (Farbe), „cut“ (Schliff) und „carat“ (Gewicht). Dieses Wissen eignete sich der gelernte Chemielaborant Zieroth im Speziallehrgang „Diamantengraduierung, Echtheits- und Wertbestimmungen“ mit Abschlussprüfung an.

Diamantenankauf lief auch in der corona-geschwächten Zeit

„Der Diamantenankauf läuft bei uns auch in der corona-geschwächten Zeit gut“, befindet Burkhard Zieroth, der nicht so viel zur Motivation des Verkaufs sagen kann: „Unser Berufszweig lebt von Diskretion. Wenn jemand das Geld braucht, sagt er das auch nicht.“ Jedoch erinnert er sich an zwei Herren, die erst kürzlich Diamanten abgaben – mit emotional schmerzhaftem Hintergrund: „Beide Männer sind Witwer geworden. Sie können den Schmuck ihrer Lebenspartnerinnen einfach nicht mehr sehen, das ruft zu viele schmerzhafte Erinnerungen hervor.“

Was aber macht Zieroth mit diesem Schmuck? Weiterverkauft wird nicht, üblicherweise landen die Stücke in Scheideanstalten für Gold und andere Metalle. Die Aktion „Diamantenankauf zu Höchstpreisen“ läuft noch bis Mitte August.