Kriminalität

Bergedorf: So kommen Autodiebe an ihre teure Beute

Mit dem Schraubenzieher werden heute selten Autos geknackt (Symbolbild). Meist nutzen die Diebe moderne Techniken.

Mit dem Schraubenzieher werden heute selten Autos geknackt (Symbolbild). Meist nutzen die Diebe moderne Techniken.

Foto: Foto / www.polizei-beratung.de

Bereits 49 Fälle in Bergedorf im ersten Halbjahr 2020. Diebe nutzen häufig hochmoderne Technik. Doch was rät die Polizei?

Bergedorf.  110.000 Euro war der Range Rover Hybrid wert, den unbekannte Diebe vergangenen Dienstag aus dem Gräpelweg stahlen – reiche Beute für die Täter. Und ein Coup, der längst kein Einzelfall mehr ist: Bereits 49 Autodiebstähle gab es laut vorläufiger Statistik im ersten Halbjahr 2020 im Bezirk Bergedorf, nach 38 Fällen in den ersten sechs Monaten des Jahres 2019. Oft geht der Schaden in die Zehntausende.

Die Kriminalpolizei ermittelt intensiv zu den Hintergründen. Und hat auch einige Erkenntnisse. „Die Ermittlungen lassen den Schluss zu, dass zumindest ein Teil der entwendeten hochwertigen Fahrzeuge wie Porsche und Range Rover in Richtung Polen und angrenzende baltische Staaten verbracht wird“, sagt Polizeisprecher Florian Abbenseth. „Ein weiterer Vertriebsweg ist der Versand in Containern über den Hamburger Hafen in afrikanische Staaten.“ Dort interessieren sich die Abnehmer dann nicht mehr, ob es Fahrzeugschein und Fahrzeugbrief gibt – oder diese werden kurzerhand gefälscht. Manche Autos werden auch ausgeschlachtet, um die Einzelteile zu Geld zu machen.

„Keyless Go“: Komfortabel, aber sicherheitsanfällig

Dass hochmoderne, teure Autos gestohlen werden können, ist oft den sogenannten „Keyless-Go-Systemen“ geschuldet, die in vielen Fahrzeugen verbaut sind. Das sind Chips statt herkömmlicher Autoschlüssel. Diese Chips entriegeln das Fahrzeug durch eine Näherungssensor – also sobald der Fahrer nah am Auto steht. Gestartet wird das Fahrzeug ebenfalls ohne Schlüssel, per Knopfdruck.

Klingt komfortabel, ist aber sicherheitsanfällig, denn: Die Signale der „Keyless-Go“-Schlüssel können abgefangen werden. Und viele Täter haben sich darauf spezialisiert. „Diebe verwenden inzwischen Funkstreckenverlängerungen“, so Abbenseth. Mit ihnen werde die Funk-Kommunikation zwischen Fahrzeug und Schlüssel abgegriffen. Später wird quasi ein neuer Schlüssel programmiert, mit dem sich das Auto öffnen lässt.

Vorsichtig vor Menschen mit großen Taschen

Fahrzeugbesitzer sollten beim Öffnen des Autos also immer darauf achten, wer in der Nähe steht. Ein Mann mit Aktentasche oder eine Frau mit großer Handtasche – bis zu zehn Meter weit weg können die Täter stehen und unauffällig versuchen, das Signal zu orten.

Da manche Diebe auch versuchen, die Signale durch Häuserwände abzufangen, rät die Polizei bei Keyless-Go-Systemen, die Schlüssel nicht zu Hause offen herumliegen zu lassen. Besser sind Metallboxen oder Strahlenschutzfolien, in die die Schlüsselchips gelegt werden. So kann das Signal nicht von außen durch die Wand aufgefangen werden, etwa nachts.

GPS-Sender können hilfreich sein

Die Polizei rät außerdem, wenn möglich Sicherungstechniken in den Autos einzubauen. „Zündunterbrecher oder verdeckte GPS-Sender können sehr hilfreich bei der Auffindung eines entwendeten Fahrzeugs sein“, sagt Florian Abbenseth. Auch dass Fenster und Türen des Autos geschlossen werden, dass es möglichst in der Garage abgestellt wird, vorhandene Lenkradkrallen benutzt werden oder die Diebstahlwarnung aktiviert wird, sollten Autobesitzer beherzigen.

Geraten wird auch, beim Abschließen zu horchen, ob sich das Auto mit seinem „Piepgeräusch“ wirklich verschlossen hat. Denn Diebe nutzen auch Funkblocker, mit denen das Abschließen verhindert wird – und schlagen dann zu.