Bergedorf

Ihre Liebe soll auch diese Prüfung meistern

Liebevoll streichelt Sonja ihren Mario bei der Hochzeit im Raum der Stille in der Bethesda-Klinik. Mario Oliva wurde dort am Folgetag an der Hüfte operiert.

Liebevoll streichelt Sonja ihren Mario bei der Hochzeit im Raum der Stille in der Bethesda-Klinik. Mario Oliva wurde dort am Folgetag an der Hüfte operiert.

Foto: Jan Schubert

54-Jährige heiratet ihren krebskranken Freund einen Tag vor schwerer Operation. Paar lernte sich 2013 während eines Urlaubs kennen.

Bergedorf.  Ihre Hochzeit war schon länger geplant. Jetzt wollten Sonja Wesener (54) und Mario Oliva (58) es auch nicht mehr aufschieben. Trotz der schweren Erkrankung des 58-Jährigen, der an Lungenkrebs leidet. Und trotz der unmittelbar bevorstehenden, notwendigen Operation an der Hüfte, weshalb er seit vergangenem Sonntag im Bethesda-Krankenhaus liegt.

Die 54-jährige Braut schwärmt von der spontan inszenierten Trauung im Raum der Stille des Bethesda. Kerzen, Blumensträuße, natürlich coronabedingt nur mit wenigen Mitarbeiterinnen der Chirurgischen Station 5 und mit einem Standesbeamten, komplett ohne Verwandte oder Freunde. „Trauringe zu kaufen, dafür hatten wir aufgrund der Ereignisse dann doch keine Zeit mehr“, berichtet Sonja Oliva, wie die Lohbrüggerin nun heißt. „Es war tatsächlich schöner, als ich es erwartet habe.“ Denn so eine Zeremonie hat es in der Bergedorfer Klinik noch nie gegeben.

Zeit ist ohnehin das wohl wertvollste Gut der Frischvermählten. Mario und Sonja lernten sich 2013 während eines Türkei-Urlaubs im Badeort Alanya kennen. „Da erzählte mir meine Bekannte, dass Mario nach mir gefragt hätte, ich hatte es gar nicht so realisiert.“ Schnell zog die Haushaltshilfe zu ihm nach Lohbrügge – zunächst in eine kleine Ein-Zimmer-Wohnung, vor vier Jahren dann in eine hübsche Erdgeschosswohnung mit drei Zimmern, Terrasse und Garten. Dort genoss er die Fußballspiele des FC Bayern München, schauten die beiden Krimifans gern den „Tatort“, war sie die Chefin im Garten.

„Ich möchte meinen Mann schnell wieder zu Hause haben“

In diesem Sommer sollte nun die Hochzeit von Mario mit seiner Sonja, die als ambulante Haushaltshilfe tätig ist, folgen. Als Termin wurde frühzeitig der 21. Juli ausgesucht, die Vorbereitungen liefen bereits – bis im Mai die Schockdiagnose kam: Mario Oliva hat Lungenkrebs, ist so schwer krank, dass er nicht mehr für die Stadtreinigung Hamburg arbeiten kann.

Geheiratet wurde nun trotz dieses schweren Schicksalsschlags. Einen Tag vor der schweren OP, „weil Mario es doch so gern wollte“, erzählt seine Frau, die den Hochzeitsabend leider nicht mit Mario verbringen konnte – dafür wenigstens nicht allein, weil eine gute Freundin vorbeikam. Und wie könnte die Zukunft werden? „Das ist erst einmal ganz weit weg“, sagt Sonja Oliva, „die Hochzeit hat meinem Mann bestimmt mehr Kraft gegeben. Ich möchte meinen Mann so schnell wie möglich wieder zu Hause haben, da kann er wieder auf die Beine kommen“, so der Herzenswunsch der 54-Jährigen.

Eine gute Nachricht ist, dass der schwer kranke Bräutigam den operativen Eingriff inzwischen gut überstanden hat. Sonja und Mario Oliva wollen in jedem Fall nochmal im kleinen Kreis nachfeiern. Es wäre ihnen sehr zu gönnen.