"Christoph Hansa"

Neuer Hubschrauber für die Boberger Luftretter

Ein Teil des Luftrettungsteams vorm neuen Hubschrauber. Er ist seit 14 Tagen im Einsatz. Dr. Tim Lange, Pilot Thomas Rüder, Jörn Öllrich (Notfallsanitäter mit mehreren Funktionen, kurz TC-HEMS), Dr. Sven Meyberg (Notarzt).

Ein Teil des Luftrettungsteams vorm neuen Hubschrauber. Er ist seit 14 Tagen im Einsatz. Dr. Tim Lange, Pilot Thomas Rüder, Jörn Öllrich (Notfallsanitäter mit mehreren Funktionen, kurz TC-HEMS), Dr. Sven Meyberg (Notarzt).

Foto: Christina Rückert / BGZ / Christina Rückert

Seit 30 Jahren startet „Christoph Hansa“ am Boberger Unfallkrankenhaus. Viele Menschen verdanken den Rettern ihr Leben.

Boberg. Als einer von nur zwei Hubschrauberstandorten in Hamburg kommt dem ADAC-Landeplatz am BG Klinikum Hamburg eine besondere Bedeutung zu: Hunderte Patienten werden von hier aus jedes Jahr versorgt und in die umliegenden Krankenhäuser geflogen; 2020 waren es bis Freitag bereits 790 Einsätze. Nun ist der Standort 30 Jahre alt geworden – und hat nahezu zeitgleich einen neuen Hubschrauber in Dienst genommen.

Der Airbus-Helikopter EC 135 ist eine gebrauchte, aber neuere Version der vorigen Hubschraubermodelle, die bislang in Boberg stationiert waren. Er wird wohl auch länger am Standort bleiben, während die Vorgänger wartungsbedingt öfter innerhalb der deutschen ADAC-Standorte durchgetauscht wurden.

„Die Ausstattung ist etwas hamburg-spezifischer“, erklärt Pilot Thomas Rüder (54). Das betrifft vor allem das neue Kollisionswarnsystem. Hamburg hat neben Fuhlsbüttel und Airbus in Finkenwerder auch den Boberger Segelflugplatz. Bisher musste das ADAC-Luftrettungsteam die Segelflieger meist mit bloßem Auge orten. Das neue System warnt auch vor ihnen.

Weitere Vorteile des neuen „Christoph Hansa“: das neue Navigationssystem, das besser zum Einsatzort führt, eine Telefonzelle („Flight cell“) in der Kabine, mit der normale Anrufe getätigt werden können, ein zweiter Rettungskanal für parallele Abstimmung und das bessere Abfluggewicht. „Wir schaffen jetzt knapp 100 Kilo mehr“, so Pilot Rüder. Das kann relevant sein, wenn mehr Sprit oder mehr Ladung an Bord sind. Und noch einen Vorteil hat der Helikopter: Er kann im schlimmsten Fall auch mit nur einem von zwei Triebwerken sicher landen. Das konnte das Vorgängermodell zwar auch. Rüder: „Aber dann ging es ziemlich steil bergab.“ Der neue „Christoph Hansa“ bringt die Teams – stets ein Pilot, ein Notarzt und ein „TC-HEMS“ (Notfallsanitäter, Pflegekraft und Co-Pilot in einer Person) – sicher zu Boden.

In den 30 Jahren seines Bestehens hat der Hubschrauberlandeplatz bereits einige Verbesserungen erlebt. Gestartet wurde 1990 mit einem Hubschraubermodell „BO 105“ in Boberg, die Teams hatten ihre Büros „in Containern“, weiß Notarzt Dr. Tim Lange. Dann wurde der Hangar gebaut, kamen modernere Hubschrauber. Auch wurden anfangs nur Patienten verlegt – 223 im ersten Jahr. Dann entdeckte die Feuerwehr die Vorteile des Hubschraubers, der eben oft schneller ist als ein Notarztwagen. Notfalleinsätze kamen hinzu. Die Zahl der Flüge stieg enorm an – auf zuletzt 1581 Einsätze 2019.

Starten und Landen vor allem in der Stadt ist oft ein Kunststück. Doch trotz der Vielzahl der Flüge sind Unfälle, an denen die ADAC-Rettungsflieger beteiligt waren, kaum passiert. In 30 Jahren seien es nur zwei gewesen, sagt Notarzt Dr Tim Lange: Beide Male streifte der Helikopter eine Laterne, sodass Rotorblätter zu Bruch gingen.