Bergedorfer Sternwarte

Komet „Neowise“ sorgt morgens für Schauspiel am Himmel

Den langen gelblichen Schweif des Kometen „C/2020 F3 Neowise“ bilden glühende Staubpartikel. Sie haben sich bei seinem Vorbeiflug an der Sonne Anfang Juli extrem erhitzt.

Den langen gelblichen Schweif des Kometen „C/2020 F3 Neowise“ bilden glühende Staubpartikel. Sie haben sich bei seinem Vorbeiflug an der Sonne Anfang Juli extrem erhitzt.

Foto: Privat

Helligkeit erstaunt die Astrophysiker. Komet ist auf einer über tausendjährigen Umlaufbahn. Sonne schleudert ihn jetzt ins All zurück.

Bergedorf.  Er ist ein Himmelsphänomen für Frühaufsteher: Der Komet „C/2020 F3 Neowise“ fasziniert die Fachwelt, weil sein Schweif überraschend hell scheint – allerdings gegenwärtig nur kurz vor Sonnenaufgang gegen 4 Uhr.

Komet mit bloßem Auge gut zu erkennen

„Er ist mit dem bloßen Auge gut zu erkennen und steht morgens etwa einen Handbreit im Nordosten über dem Horizont“, sagt Dr. Volker Heesen, Experte für Radioastronomie an der Hamburger Sternwarte in Bergedorf. „Die Helligkeit gleicht einem stark leuchtenden Stern. Und mit einem gewöhnlichen Fernglas ist sogar sein gelblicher Schweif gut zu erkennen“, sagt der Forscher, der auch als Amateur-Astronom aktiv ist.

Entdeckung durch die Nasa im März 2020

Entdeckt wurde der Himmelskörper erst Ende März vom Weltraumteleskop „Neowise“ der Nasa, woher er auch seinen Namen hat. Mit dem Teleskop beobachtet die US-Weltraumbehörde das All auf der Suche nach Himmelskörpern, die sich auf Kollisionskurs mit der Erde befinden. „Das ist bei diesem Kometen allerdings nicht der Fall“, gibt Volker Heesen Entwarnung. „Er bleibt sogar auf größerer Distanz zu uns als die Sonne.“

Himmelskörper aus Gestein, Eis und Staub

Wie die Erde befindet sich auch „Neowise“ auf einer Umlaufbahn zur Sonne. Für eine Umkreisung braucht er nach Berechnungen von Wissenschaftlern allerdings mehrere Tausend Jahre. Den gefährlichsten Teil dieser Reise hat der Komet übrigens gerade hinter sich: Am vergangenen Sonnabend, 4. Juli, war er der Sonne am nächsten – und wird jetzt an der Erde vorbei wieder auf seinen langen Weg ins Weltall geschleudert.

Weil der aus lockerem Gestein, Eis und Staub bestehende Himmelskörper von der Sonne stark erwärmt wurde, hatten Astrophysiker befürchtet, dass „Neowise“ die Begegnung nicht überlebt. Wäre er zerfallen, hätten Teile des im Durchmesser mehrere Kilometer großen Kometen in die Sonne stürzen, andere ins Weltall geschleudert werden können – vielleicht auch Richtung Erde.

„Neowise“ hat nahe der Sonne Energie geladen

Doch „Neowise“ hat überlebt – und bietet durch die aufgenommene Hitze jetzt sein besonderes Schauspiel für die irdischen Zuschauer: Schweif und Feuerball leuchten in hellem Gelb, was von glühenden Staubteilchen herrührt, die die tatsächliche Größe des Winzlings millionenfach überzeichnen. Seine Leuchtkraft wird sogar mit der des legendären Kometen „Hale Bopp“ in den 1990er-Jahren verglichen.

Heute und noch bis Mitte Juli ist „Neowise“ aus Deutschland besonders gut zu sehen. Anschließend wandert er allmählich weiter in den Westen des Morgenhimmels und wird schwächer. Ab Mitte des Monats ist er aber auch abends gut am Himmel zu erkennen.

Relikt aus der Entstehung des Sonnensystems

Kometen gelten als Relikte des frühen Stadiums unseres Sonnensystems. Während der Großteil der hier im Weltall versammelten Materie vor rund 4,5 Milliarden Jahren die Planeten bildete, wurden einige Gesteinsbrocken hinausgeschleudert – allerdings ohne dabei das Gravitationsfeld der Sonne zu verlassen. Sie blieben wie „Neowise“ auf schier unendlichen Umlaufbahnen und fliegen irgendwann wieder Richtung Sonne zurück.

Dabei können sie auch auf Kollisionskurs zur Erde geraten. Wie viele Kometen sich auf solchen Bahnen befinden, ist unbekannt. Umso wichtiger ist die Beobachtung des Alls durch Teleskope wie das der Nasa. Unklar ist bis heute, wie eine drohende Kollision tatsächlich verhindert werden könnte.