Bergedorf

Schlafendes Mädchen: Polizei tritt auf der Stelle

Am Stichweg, wo das Mädchen gefunden wurde, bittet die Kripo per Aushang um Zeugenhinweise.

Am Stichweg, wo das Mädchen gefunden wurde, bittet die Kripo per Aushang um Zeugenhinweise.

Foto: Thomas Voigt

Ein selbst ernannter „Fallanalytiker“ aus Baden-Württemberg sieht Parallelen zu Fall 2017 in Heilbronn - und versetzt Eltern in Sorge.

Bergedorf.  Im Fall des elfjährigen Mädchens, das vor 14 Tagen schlafend in einem Wald am Geesthang gefunden worden war, kommt die Polizei nur langsam voran. „Nach unserem Zeugenaufruf gingen mehrere Hinweise bei ein“, erklärte am Dienstag Polizeisprecher Florian Abbenseth auf Anfrage. „Deren Auswertung ist noch nicht abgeschlossen, zu einem Durchbruch bei den Ermittlungen haben die Hinweise bisher aber nicht geführt.“

Keine zielführenden Hinweise

Die Polizei bittet weiterhin mit Zetteln an Straßenbäumen der Rothenhauschaussee um Hinweise, ob das Mädchen auf seinem Schulweg Richtung Bushaltestelle in Begleitung gewesen sei und wie es auf den Stichweg zwischen den Hausnummern 73 und 75 Richtung Waldstück geriet. Dort fand eine Spaziergängerin morgens am 18. Juni das schlafende Kind, das sich nach eigenen Angaben nicht erinnern kann, wie es an diese Stelle gelangt war.

Blutprobe und Handy-Kontakte

Eine vorsorgliche Untersuchung im Krankenhaus ergab keinerlei Verletzungen und keine Hinweise auf ein Sexualdelikt. Um festzustellen, ob das Mädchen betäubt worden war, entnahmen die Ärzte auch eine Blutprobe. Deren Auswertung und die Auswertung seiner Handy-Kontakte sind laut Polizeisprecher Abbenseth aber noch nicht abgeschlossen: „Wir ermitteln weiterhin mit Hochdruck, um die Hintergründe aufzuklären. Aber wir haben weiterhin keine Hinweise auf eine Straftat.“

Angst vor „Mädchenfänger von Heilbronn“

Unterdessen sorgt ein selbst ernannter „Fallanalytiker“ und „Privatdetektiv“ aus dem Raum Heilbronn bei Eltern und Erziehern für Unruhe. In einer Rundmail an Kitas und Schulen, die auch bei der Bergedorfer Zeitung einging, weist Klaus F. darauf hin, dass sich in der württembergischen Stadt vor wenigen Jahren ein Fall zugetragen hat, der verblüffende Ähnlichkeit mit dem jetzigen Bergedorfer Fall aufweist.

In einem Heilbronner Weinberg war am 20. September 2017 ein ebenfalls elfjähriges Mädchen unverletzt gefunden worden, das zunächst nicht ansprechbar war. Zudem war das Kind – anders als jetzt das Mädchen in Bergedorf – an den Händen gefesselt. Auch das Kind in Heilbronn konnte sich nicht daran erinnern, wie es an seinen Fundort gelangt war. Die dortige Polizei vermutete zunächst eine Straftat, schloss aber von Anfang an nicht aus, dass das Kind nur auf sich aufmerksam machen wollte, und stellte später die Ermittlungen ein.

Polizeien über Parallelfälle informiert

„Wir haben es hier mit großer Sicherheit mit einem Serientäter zu tun“, behauptet dagegen Klaus F. in seiner Rundmail und warnt die Bergedorfer vor dem „Mädchenfänger von Heilbronn“. Zudem informierte er gestern die beiden zuständigen Polizeibehörden über den jeweils anderen Parallelfall.

Hinweis aus dem Süden offenbar ohne hohe Bedeutung

Laut Hamburgs Polizei war der Fall aus Heilbronn den Ermittlern in der Hansestadt bisher nicht bekannt. Gleichwohl messen diese dem Hinweis aus dem Süden offenbar keine hohe Bedeutung zu. Von der Polizei in Heilbronn gab es gestern auf Anfrage der Redaktion noch keine Angaben zu deren Fall aus dem Jahr 2017 und einem möglichen Zusammenhang mit dem Bergedorfer Mädchen.