Umweltverschmutzung

Unkrautgift, Brötchen und Benzin in Bobergs Gräben

Abgestorbenes Grün: Hier sollte ein Pflanzengift vermeintliches Unkraut vernichten.

Abgestorbenes Grün: Hier sollte ein Pflanzengift vermeintliches Unkraut vernichten.

Foto: Schrader Matthias / BGZ

Der Wasserverband registriert mehr Umweltdelikte. Nicht nur Grünabfälle landen in den Gräben. Ein Umweltsünder war besonders dreist.

Boberg.  Mal lag ein rotes Stadtrad im Graben, auch die Sammlung an Altreifen ist inzwischen ansehnlich: „Die Häufigkeit an Umweltdelikten hat in letzter Zeit erheblich zugenommen“, beklagt Matthias Schrader, Vorsteher des Wasserverbands Boberg-Heidhorst. Der Verband ist zuständig für die Entwässerung des Regen- und Oberflächenwassers im Dorfanger Boberg – immerhin eine 42,7 Hektar große Fläche mit 7,2 Kilometer Gräben. Die 754 Grundeigentümer dort sind zwangsweise Mitglieder des Verbands.

2000 Brötchen und Donuts aus Supermarkt

Auch vier Regenrückhalteteiche fallen in dessen Zuständigkeit. In einem schwammen zuletzt immer mal wieder Brötchen und alte Donuts aus einem Supermarkt. „Das müssen in der Summe etwa 2000 gewesen sein. Jetzt haben wir natürlich ein Rattenproblem“, sagt Schrader. Der Elektriker übernahm Anfang 2017 den Vorsitz – und setzte eine Beitragserhöhung um, erstmals nach 13 Jahren. Durchschnittlich 150 Euro werden im Jahr fällig. „Aber wir haben auch die Pflegearbeiten so ausgeschrieben, dass nun zudem der Müll eingesammelt wird. Das sind schon jenseits der 30 Kubikmeter im Jahr“, so Schrader.

Er ärgert sich, wenn Grünabfälle im elf Hektar großen Landschaftsschutzgebiet (unter den Strommasten) liegen. Das seien durchaus große Mengen an Rasen- und Heckenschnitt: „Künftig mache ich bei meinen Spaziergängen Fotos, am besten sonnabends, wenn alle Rasen mähen“, sagt Schrader, dessen Verband schließlich Nachweise sammelt. Zudem: „Wer sich hier ein Haus kaufen kann, sollte sich doch bitte auch die 176 Euro für die grüne Biotonne leisten können.“

Neues Rohr versehentlich falsch angeschlossen

Jüngst konnte er – „wie bei Hänsel und Gretel“ – die Abfälle einer geschnittenen Kirschlorbeer-Hecke verfolgen: „Als ich an der Tür klingelte, hieß es, er sei das nicht gewesen. Aber die Polizei sah die Lage eindeutig.“

Manchmal sind es einfach auch nur Dummheiten – etwa, weil das Abwasserrohr in der Küche verstopft ist und der Klempner zu teuer erscheint: Ende April wurde kurzerhand ein neues Rohr verlegt, allerdings nicht am Abwassersiel, sondern am Regenwasserrohr angeschlossen. So floss das fett- und spülmittelhaltige Küchenabwasser in den nahen Graben. Rohre, Schacht und Graben mussten gereinigt werden – eine Angelegenheit von mehr als 3000 Euro.

Glyphosathaltiges Pflanzengift an Grabenböschungen

Die Staatsanwaltschaft musste gar ermitteln, nachdem ein glyphosathaltiges Pflanzengift in Grabenböschungen gelandet war – angeblich, um Unkraut zu bekämpfen. „Dabei bieten Gras und Kräuter an den Gräben doch auch Erosionsschutz. Wie kann man so ignorant sein, zumal auf der Verpackung steht, dass das Zeug ,langfristig gewässerschädigend’ ist?“, sagt Schrader. Inzwischen sei der Verursacher jedoch reumütig und einsichtig, säe nun neuen Rasen an.

Ganz anders indes der Mann, der versehentlich Super-Kraftstoff in sein Diesel-Fahrzeug getankt hatte und sich vom ADAC bis zur Werkstatt schleppen ließ. „Als es dann hieß, der Austausch koste mindestens 300 Euro, wollte er bloß einen Schlauch haben und soll gesagt haben, alles ,fachgerecht im Gully entsorgen’ zu wollen“, schildert Matthias Schrader. Am nächsten Tag war das Auto weg, roch es auffällig aus einem Graben. Zum Glück hatte die Werkstatt sich das Kennzeichen gemerkt, bezeugte die FF Boberg vor Gericht, dass das Siel gereinigt werden musste.